Whatsapp gegen Polizei: Berner Lenker warnen in Chat vor Kontrollen
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Whatsapp gegen PolizeiBerner Lenker warnen in Chat vor Kontrollen

Über einen Chat warnen Berner Verkehrsteilnehmer vor Polizeikontrollen und Radarfallen. Ihnen drohen saftige Bussen.

von
cho
Im Kanton Bern wird in grossen Whatsapp-Chats vor Polizeikontrollen und Radarfallen gewarnt. (Symbolbild Keystone, Jean-christophe Bott)

Im Kanton Bern wird in grossen Whatsapp-Chats vor Polizeikontrollen und Radarfallen gewarnt. (Symbolbild Keystone, Jean-christophe Bott)

850 Franken Busse soll ein Leser-Reporter berappen, weil er in einer Whatsapp-Gruppe vor einer Polizeikontrolle gewarnt hat. Der Fall ereignete sich in der Ostschweiz, doch wie die «Berner Zeitung» meldet, informieren auch Berner via Whatsapp fleissig vor Radarfallen und Grosskontrollen. So liegt der Zeitung das Chat-Protokoll einer solchen Gruppe vor.

Brisant: Die Mitglieder scheinen über gute Quellen zu verfügen – vor einigen Kontrollen wurde bereits Tage im Vorfeld gewarnt.

Austritt vor dem Polizeibesuch

«Wir verwalten derzeit drei Gruppen – zwei in der Region Bern und eine in der Region Seeland», sagt einer der Administratoren. Die Mitgliederliste zähle fast 800 Nummern, zudem existiert eine Warteliste – die Nachfrage sei gross. Nur wer von einem bestehenden Mitglied empfohlen werde, habe die Chance, in den Chat aufgenommen zu werden.

Dort bleiben nicht alle permanent: «Die Mitglieder wissen, dass es illegal ist, wenn sie eine Meldung machen. Deshalb treten sie kurzfristig aus der Gruppe aus, wenn sie etwa auf den Polizeiposten müssen», so der Administrator.

Keine Angst vor Bussen oder Eintrag

Die Kapo Bern hört nicht zum ersten Mal von den Whatsapp-Gruppen, entsprechende Fälle wurden bereits gemeldet. «Stellen wir fest, dass Personen öffentlich vor Radarkon­trollen warnen, bringen wir dies zur Anzeige», so Kapo-Sprecherin Jolanda Egger. Ob der Tatbestand gemäss Gesetz gegeben sei, müsse letztlich jedoch die Justiz beurteilen.

Wer in der Gruppe vor einer Kontrolle warnt, geht ein hohes Risiko ein: Es drohen Bussen bis zu 10 000 Fr. und ein Strafregister-Eintrag. Dennoch sagt der Administrator: «Die meisten haben keine Bedenken, eine Meldung zu machen.»

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