Aktualisiert 11.09.2019 06:18

Verbale Attacke beim Autowaschen

Berner Rassist muss nach Hass-Video zahlen

Er beschimpfte einen Kenianer an der Autwowaschanlage heftig. Das hat Folgen für den Berner: Er wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 2000 Franken verurteilt.

von
P. Michel
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T. S.* ist der Urheber des rassistischen Videos, das im Februar in den sozialen Medien kursierte.

T. S.* ist der Urheber des rassistischen Videos, das im Februar in den sozialen Medien kursierte.

Facebook
20 Minuten hatte T.S.* in seiner Garage in der Region Langnau besucht. Er war, als er das Video aufnahm, mit dem Auto eines Verwandten unterwegs, der das Fahrzeug zu ihm in Reparatur gegeben hatte.

20 Minuten hatte T.S.* in seiner Garage in der Region Langnau besucht. Er war, als er das Video aufnahm, mit dem Auto eines Verwandten unterwegs, der das Fahrzeug zu ihm in Reparatur gegeben hatte.

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Bei Zollbrück BE wurde im Februar ein dunkelhäutiger Mann beim Autowaschen aufs Übelste beleidigt.

Bei Zollbrück BE wurde im Februar ein dunkelhäutiger Mann beim Autowaschen aufs Übelste beleidigt.

Screenshot

«Schau an, dieser Scheissn***r, da singt er ein bisschen, der Löl», kommentierte er im Berner Dialekt im Video, das sich auf Social Media verbreitete. Darauf folgten weitere rassistische Anfeindungen.

Täter suchte Ventil für Fremdenhass

«Ich bin extrem schockiert und traurig, dass jemand so etwas tut», erzählte damals das Opfer 20 Minuten. Die Person habe offenbar ein Ventil gesucht, um ihren Fremdenhass abzulassen.

Da Rassendiskriminierung ein Offizialdelikt ist, nahm die Polizei Ermittlungen auf. Auch das Opfer selbst erstattete Anzeige. Der Strafbefehl liegt 20 Minuten nun vor. Die Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau verurteilte den Berner wegen «mehrfacher Beschimpfung und Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte». Laut der Behörde hatte der Täter das Video an mindestens sieben Personen weitergeleitet.

Bedingte Geldstrafe

Für seine rassistische Attacke kassiert der Besitzer einer Autogarage nun eine Geldstrafe von 2000 Franken (25 Tagessätze à 80 Franken). Diese wird aber nur fällig, wenn er während einer Probezeit von vier Jahren wieder straffällig wird. Diese Probezeit wurde von drei auf vier Jahre verlängert, da S. bereits in der Vergangenheit verurteilt worden war. Zwingend bezahlen muss er eine Verbindungsbusse über 500 Franken sowie die 500 Franken Gebühren. Bei Nichtbezahlen drohen sieben Tage Gefängnis.

Celeste Ugochukwu, Leiter Kommunikation des Afrikanischen Diaspora-Rates Schweiz, zeigt sich erfreut über das Urteil. Er hatte das Video als «tiefes Niveau» und «beschämend» bezeichnet. «Das ist ein deutliches Signal, dass man in der Schweiz mit Rassismus nicht ungeschoren davonkommt.» Es sei wichtig, dass solche Fälle öffentlich würden und die Behörden dafür sensibilisierten, solche Fälle auch ernsthaft zu verfolgen. Er hofft, dass sich der Täter nun auch wirklich hintersinnt.

Das Opfer der Rassismus-Attacke war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

*Name der Redaktion bekannt.

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