«Gyrischachen»: Berner Regisseurin zeigt Leben in Burgdorfs Ghetto
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«Gyrischachen»Berner Regisseurin zeigt Leben in Burgdorfs Ghetto

«Gyrischachen – von Sünden, Sofas und Cervelats» heisst ein neuer Kinofilm über Burgdorfs Hochhaussiedlung. 2500 Menschen aus 42 Nationen leben dort.

von
Nora Camenisch

Der Gyrischachen ist eine Hochhaussiedlung aus den 60er Jahren. Im sogenannten Ghetto Burgdorfs leben auf engstem Raum 2500 Menschen aus 42 Nationen. Begrenzt wird das Quartier durch hohe Sandsteinfelsen, abgetrennt von der Stadt ist es durch einen Fluss.

Der Gyrischachen ist ein Ort, der Regisseurin Sonja Mühlemann fasziniert, seit sie vor zehn Jahren nach Burgdorf gezogen ist. «Der Gyrischachen ist für mich eine Art Versuchslabor für das Zusammenleben in der Schweiz und steht beispielhaft für ähnliche Quartiere. Er strahlt eine besondere Atmosphäre aus und dieses Lebensgefühl wollte ich einfangen», sagt die 30-Jährige.

Stammtischbrüder und Exiliraker

So ist in drei Jahren neben ihrer Arbeit als Journalistin als Büroleiterin Bern von 20 Minuten jene 79-minütige Doku entstanden, die ab dem 5. Mai in den Schweizer Kinos zu sehen ist. Der Film zeigt den Mikrokosmos, in dem die Bewohner leben. Er porträtiert einen Exiliraker, der den einzigen Laden in der Umgebung führt, die Stammtischbrüder, die sich in der Beiz zum Bier treffen und Volkslieder singen und die Eltern, die ihre Sprösslinge in den missionarisch geführten Kinderclub schicken und zusammen beten.

«Das Quartier hat den Ruf eines Ghettos, wohl auch wegen der hohen, grauen Blöcke, die für manche nicht schön aussehen. Ich aber finde gerade diesen Reichtum an Unterschiedlichkeiten spannend», sagt Mühlemann. So soll der Film auf subtile Weise zum Nachdenken anregen. «Ich hoffe, dass die Zuschauer nach dem Kino zusammen diskutieren und sich in ihrer Identität und Haltung anderen Kulturen gegenüber hinterfragen.»

Ihren dritten Film hat Sonja Mühlemann zusammen mit einem Team bestehend aus 12 Leuten realisiert. Produziert wurde das Werk von Norbert Wiedmer, die Musik lieferte Patent-Ochsner-Keyboarder Christian Brantschen.

Produktion kostete 240'000 Franken

Die Produktion des Dokumentarfilms kostete rund 240'000 Franken. Finanziell unterstützt wurde das Projekt unter anderem durch die Berner Filmförderung, SRF und die Stadt Burgdorf. «Dies klingt nach einem grossen Budget, wenn man aber bedenkt dass mehrere Leute während drei Jahren am Projekt arbeiteten, relativiert sich die Summe», so Mühlemann. Das Filmhandwerk lernte sie unter anderem beim Schweizer Fernsehen und als Videojournalistin.

Die öffentliche Vorpremiere findet in Anwesenheit von Sonja Mühlemann, der Film-Crew und den Protagonisten am Mittwoch um 20 Uhr im Kino Krone in Burgdorf statt. Die weiteren Vorstellungen sind hier aufgelistet.

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