Fernweh-Bier: Berner Reisebüro verkauft Bier statt Reisen
Bier statt Reisen: Die Coronakrise bringt ungewöhnliche Ideen hervor.

Bier statt Reisen: Die Coronakrise bringt ungewöhnliche Ideen hervor.

Pexels/Karolina Grabowska
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Fernweh-BierBerner Reisebüro verkauft Bier statt Reisen

Die Coronakrise schreibt viele Geschichten. Diese hier handelt von einem Reisebüro, das mit einem Bier für Furore sorgt.

von
Martin Hoch

«Es ging stets nur aufwärts», erzählt Ivan Meyer. Zusammen mit Michael Boggio baute er in den letzten zwei Jahrzehnten ein Reisebüro für Sport- und Gruppenreisen auf. Sie organisierten für rund dreissig Fussballclubs Trainingslager und besuchten mit Fans die Fussballspiele von London bis München. Gleichzeitig boten sie klassische Reisen und Ferien an.

Michael Boggio (links) und Ivan Meyer in ihrem Reisebüro in Wangen an der Aare.

Michael Boggio (links) und Ivan Meyer in ihrem Reisebüro in Wangen an der Aare.

Martin Hoch

Angefangen haben sie im Büro zu Hause. Nun empfangen sie uns in ihrem grosszügigen Reisebüro Ivanmeyertours in Wangen an der Aare. «Bis zur Krise arbeiteten wir hier gleichzeitig zu acht, telefonierten und bedienten Kunden. Es war ein emsiges Treiben», sagt Michael Boggio. Nun treffen wir die beiden alleine bei der Arbeit an.

Bierreisen statt Trainingslager

Im letzten Jahr waren neue Ideen gefragt. Eine davon war, Bierreisen zu regionalen Kleinbrauereien anzubieten. Eine erste Reise, komplett ausgebucht, sollte im Dezember stattfinden. Doch wie so oft in den letzten Monaten kam für die beiden alles anders als geplant oder erhofft. Die Massnahmen des BAG wurden verschärft, wieder hiess es, eine Reise abzusagen. Da kam die Idee auf, gemeinsam mit einer der Kleinbrauereien ein Bier zu kreieren. «Wir dachten uns, die leiden ja genauso wie wir», sagt Ivan Meyer.

Nicht eine Schnaps-, sondern eine Bieridee, das Fernwehbier.

Nicht eine Schnaps-, sondern eine Bieridee, das Fernwehbier.

Martin Hoch

Zu Besuch bei Brauer Müller

Im Gastraum der Kleinbrauerei Faex empfängt uns Stefan Müller. «Bis vor der Coronakrise fanden hier regelmässig Bierdegustationen statt», sagt der Biersommelier. In einem kleinen Kämmerchen braut er hochwertige, verrückte Biere – beispielsweise mit handgepflückten Lindenblüten. Mit den Lagerbieren der Grossbrauereien haben diese wenig gemeinsam. Er verwertet nur beste Zutaten aus Bioqualität.

Hier braut Stefan Müller jedes Jahr rund 35’000 Flaschen Bier.

Hier braut Stefan Müller jedes Jahr rund 35’000 Flaschen Bier.

Martin Hoch
Dabei verwendet er nur biologische Zutaten.

Dabei verwendet er nur biologische Zutaten.

Martin Hoch
Bei Müller ist alles Handarbeit.

Bei Müller ist alles Handarbeit.

Martin Hoch

Zu Beginn der Krise sei es noch besser gelaufen, da habe er sein Bier trotz der Schliessung gut verkauft. «Während des ersten Lockdowns spürte ich eine grosse Solidarität.» Von dieser Solidarität spüre er inzwischen nicht mehr viel, sagt er. Doch eine Freude sei die Zusammenarbeit mit den Reiseprofis, für die er nun das Fernweh-Bier braut. Inzwischen habe er den dritten Sud für die beiden gebraut. Die Flaschen stehen im Gastraum zum Abfüllen bereit.

Die nächste Ladung Fernweh-Bier wird die Tage abgefüllt.

Die nächste Ladung Fernweh-Bier wird die Tage abgefüllt.

Martin Hoch

Innert 24 Stunden war die erste Ladung weg

Der Verkauf des Fernweh-Biers war als Solidaritätsaktion für den Betrieb des Reisebüros gedacht. «Mit dem willkommenen Nebeneffekt, dass wir durch die persönliche Lieferung wieder in den Kontakt mit unseren Kunden kamen.» Und der Verkauf rollte unerwartet positiv an. «Innert 24 Stunden haben wir alle Bierflaschen verkauft», sagt Ivan Meyer.

Prost auf eine gelungene Zusammenarbeit – Michael Boggio (v. L.), Stefan Müller und Ivan Meyer.

Prost auf eine gelungene Zusammenarbeit – Michael Boggio (v. L.), Stefan Müller und Ivan Meyer.

Martin Hoch

So standen sie bald wieder bei Stefan Müller auf der Matte und bestellten einen zweiten Sud. Und die Tage wird nun die dritte Ladung in den Verkauf gehen. «Wir wollen die Solidarität unserer Kunden nicht überstrapazieren – aber die Nachfrage ist vorhanden, wir haben bereits wieder Bestellungen», sagt Michael Boggio. Das grosse Geld verdienen sie mit dem Bierverkauf nicht. «Für uns ist es jedoch eine positive Aufgabe in dieser doch schwierigen Zeit.»

Gefällt dir die Aktion des Reisebüros? Hast du von ähnlichen Projekten gehört? Dann ab damit in die Kommentare…

Deine Meinung

3 Kommentare
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einfach luxuriös

27.03.2021, 07:08

Gefällt mir sehr gut. Bravo! el travel Solothurn hat seit Mai 2020 eine Badetuch sprich el collection im Verkauf. 3 Farben solosand, solomare und soloshell. Das gibt Meersicht!

Habe auch Fernweh

26.03.2021, 13:21

Super Idee! Ich glaub ich werde da mal vorbei schauen und ein paar Sixpack kaufen. Innovative Ideen sollte man belohnen.

Was die Menschheit nicht braucht

26.03.2021, 12:26

Spontan kommt mir da Bieridee in den Sinn.