Michèle Binswanger - Berner Reitschule «köpft» Tagesanzeiger-Journalistin in Meme
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Michèle Binswanger Berner Reitschule «köpft» Tagesanzeiger-Journalistin in Meme

Als Reaktion auf eine Aussage postete die Reitschule ein Meme mit dem abgetrennten Kopf von Journalistin Michèle Binswanger. Die findets daneben. Die Reitschule hat den Tweet gelöscht.

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Geköpfte Journalistin: Dieses Bild twitterte die Berner Reitschule als Reaktion auf eine Aussage von Michèle Binswanger.

Geköpfte Journalistin: Dieses Bild twitterte die Berner Reitschule als Reaktion auf eine Aussage von Michèle Binswanger.

Twitter/Megafon Reitschule Bern
Die Tamedia-Journalistin findet den satirischen Versuch alles andere als gelungen.

Die Tamedia-Journalistin findet den satirischen Versuch alles andere als gelungen.

20min/Sonja Mulitze
Die Reitschule hat sich inzwischen öffentlich für das Meme entschuldigt.

Die Reitschule hat sich inzwischen öffentlich für das Meme entschuldigt.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • In der «Sonntagszeitung» erschien ein Interview mit dem früheren «Spiegel»-Chefredaktor Stefan Aust.

  • Als Antwort auf eine Aussage der Journalistin Michèle Binswanger twitterte die Berner Reitschule ein Meme, in dem Binswanger geköpft wird.

  • Binswanger findet das Meme daneben. Schliesslich würden mancherorts tatsächlich Journalisten und Journalistinnen hingerichtet.

In der jüngsten Ausgabe der «Sonntagszeitung» ist ein Interview mit Stefan Aust erschienen. Journalistin Michèle Binswanger diskutiert mit dem ehemaligen «Spiegel»-Chefredaktor über abweichende Positionen, Diffamierung und Cancel Culture. An einer Stelle behauptet Binswanger: «Der Vorwurf, rechts zu sein, kann ein gesellschaftliches Todesurteil sein.»

Auf Twitter reagierte die Berner Reitschule mit einem satirischen Meme auf Binswangers Aussage. Zu sehen ist eine Hinrichtungsszene zu Zeiten der Französischen Revolution. Ein Soldat präsentiert Binswangers, durch eine Guillotine abgetrennten, Kopf der anwesenden Meute. Dazu scheibt die Reitschule: «Journalist*innen bemühen seit Jahr und Tag wirre Hinrichtungsmetaphern. Aber wehe, wenn das mal jemand in ein Bild packt – das ist doch menschenverachtend!»

«Das Bild finde ich erschreckend»

Mit «Hinrichtungsmetaphern» meinen die Reitschüler Ausdrücke wie «mediale Hinrichtung», «virtueller Scheiterhaufen» oder eben das «gesellschaftliche Todesurteil», wie es Michèle Binswanger in ihrem Interview formulierte. Mit dem Meme sollte also der Gebrauch solcher Metaphern in der «Sonntagszeitung» kritisiert werden.

Binswanger selbst erachtet den satirischen Versuch indes als wenig gelungen. «In der Welt, in der wir leben, werden tatsächlich Journalistinnen und Journalisten geköpft. Das Bild finde ich erschreckend, denn in Ländern, wo Journalistinnen und Journalisten reale Gewalt erleben, beginnt es meistens genau so. Zu sehen etwa in Ungarn oder Polen. »Die Tamedia-Journalistin bekam das Bild mit ihrem Kopf zugesendet. Sie zeigt sich besorgt: «Memes werden schnell ohne Kontext im Internet verbreitet. Das Bild könnte als Aufforderung verstanden werden, mich fertigzumachen.»

Geliked wurde der Tweet der Reitschule unter anderem von Netzcourage-Gründerin Jolanda Spiess-Hengglin, die sich als Gründerin von Netzcourage eigentlich gegen Gewalt im Netz engagiert.

«Setzen jene Mittel ein, gegen die zu kämpfen sie vorgeben»

Daneben musste die Reitschule aber auch Kritik für den Tweet einstecken – auch von linker Seite. In der Folge hat sie sich öffentlich entschuldigt und das Bild gelöscht. Zwar stehe man nach wie vor zu der dem Meme zugrundeliegenden Kritik. Jedoch habe das Bild «Assoziationen zu Angriffen auf Journalist*innen» geweckt und «eine Frau zur Zielscheibe» gemacht, räumen die Reitschüler ein: «Das kann und darf kein Nebeneffekt satirischer Arbeit sein.» Man habe «zu stark auf eine Einzelperson» gezielt und sich einer Bildsprache bedient, «die nicht angebracht ist». Kurzum: Die Bedacht habe gefehlt.

Dass die Reitschule sich öffentlich für den Tweet entschuldigt, hat Binswanger zur Kenntnis genommen. «Das ist sicher richtig, ändert aber nichts an der Tatsache, dass sie selber jene Mittel einsetzen, gegen die zu kämpfen sie vorgeben

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(clm)

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