Aktualisiert 05.06.2014 14:43

Bienen-Schutz

Berner retten Bienen mit erster Quarantäne-Station

Im Kampf gegen Varroamilben und Sauerbrut richten die Berner Stadtimker die grösste zentrale Pflegestation ein: Jährlich sollen an die 250 Schwärme betreut werden.

von
Sonja Mühlemann

Um dem Bienensterben Herr zu werden, gehen die Berner Stadtimker neue Wege: Sie pflegen eingefangene Bienenschwärme in der schweizweit grössten derartigen Beobachtungsstelle – und verhindern so die Ausbreitung von Seuchen.

Umfangreicher Gesundheits-Check

Beim Berner Forsthaus werden die Bienenvölker in eigens gebauten Kästen untergebracht. Dann unterzieht man sie einem grossen Gesundheits-Check: Es werden Labortests gemacht und die Völker werden während rund einem Monat in Quarantäne beobachtet. Bei ihrem Einzug in die Station bestäuben die Imker die Tiere mit Oxalsäure – diese soll die Varroamilbe abtöten. «So stellen wir sicher, dass nur gesunde Völker an die Imker in der Region weitergegeben werden», sagt Felix Gerber, Präsident der Beobachtungsstation. Bisher kontrollierten die Imker die Völker selber, die sie von der Berufsfeuerwehr erhielten.

Zu Spitzenzeiten im Mai und Juni fangen die Feuerwehrleute bis zu 20 Schwärme pro Tag ein – teilweise sind drei Equipen gleichzeitig in der Stadt unterwegs. «Bienen schwärmen aus, um sich zu vermehren – es ist aber aus Sicherheitsgründen ungünstig, wenn sie sich in der Innenstadt niederlassen», sagt Walter Gasser vom bernischen Veterinärdienst. Einerseits würden Menschen mit einer Bienengift-Allergie durch Stiche gefährdet, andererseits bräuchten die Bienenvölker Pflege um nicht einzugehen. «Weiter lernen Jungimker in der Beobachtungsstation, wie sie gegen Bienenkrankheiten richtig vorgehen», erklärt Gasser. Auf diese Weise hoffe man, dem rätselhaften Bienensterben der vergangenen Jahre Einhalt zu gebieten.

Zweiter Standort steht bereit

Bevor die eingefangenen «Feuerwehrschwärme» in die Auffangstation beim Berner Forsthaus kommen, verbringen sie erst einige Tage in «Kellerhaft»: «In dieser Zeit ernähren sie sich vom Nektar, den sie als Notvorrat in ihren Honigbeuteln vor dem Magen lagern», sagt Felix Gerber. Damit stellen die Freiwilligen sicher, dass die Bienen keine verschmutze Nahrung in die sauberen Kästen einschleppen.

Damit sich eine Seuche nicht verbreiten kann, wurden die Bienenstöcke der Beobachtungsstation an sechs verschiedenen Standorten im Bremgartenwald aufgebaut. «Sollte sich dennoch eine Seuche breitmachen, weichen wir mit den frisch eingefangenen Schwärmen nach Uttigen aus», sagt Gerber weiter. Der Standort sei bereits auf Standby: «Wir könnten dort an die 120 Völker betreuen.» Expansionspläne hat der Verein aber keine: «Durch die Ausbildung von Jungimkern hoffen wir, das Wissen weitergeben zu können, so dass eine weitere Beobachtungsstation nicht nötig ist», sagt Gerber.

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