Aktualisiert 23.06.2015 05:49

Nach alter TraditionBerner schneidern Mass-Jeans für jedes Füdli

Jeans wie die Goldgräber in den USA sie trugen: Ein Berner Paar fertigt massgeschneiderte Jeans auf traditionelle Weise – handgenäht in Gasel.

von
smü
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Mike und Pia Ritschard fertigen handgenähte Jeans in Gasel.

Mike und Pia Ritschard fertigen handgenähte Jeans in Gasel.

smü
Die Jeans sind nach dem Selvedge-Verfahren (Schiffchenwebtechnik) gefertigt. Diese traditionelle Technik wird nur noch in den USA und Japan angewendet.

Die Jeans sind nach dem Selvedge-Verfahren (Schiffchenwebtechnik) gefertigt. Diese traditionelle Technik wird nur noch in den USA und Japan angewendet.

smü
Die Jeans sollen besonders robust sein und 10 Jahre halten - mindestens, versprechen die Hersteller.

Die Jeans sollen besonders robust sein und 10 Jahre halten - mindestens, versprechen die Hersteller.

smü

In einer alten Fabrikhalle im Weiler Gasel bei Köniz erlebt die echte Bluejeans ihre Wiederaufstehung: Pia und Mike Ritschard schneidern ab dem 1. Juli auf Beine und Füdli ihrer Kunden massgeschneiderte Jeans. «Jede unserer Jeans ist ein Unikat. Sie wird nicht wie Massenware in Bangladesh von unbekannten Nähern zusammengeschustert, sondern von uns selber handgenäht», verspricht Mike Ritschard. Dies sei schweizweit einzigartig.

Hinter dem neu gegründeten Label Jeans Kult stecke viel Leidenschaft: «Jeansstoff fasziniert mich seit Jahrzehnten. Früher nähte ich Heavy-Metal-Badges auf meine Jeansjacke. Und jetzt überlege ich mir, mit meiner eigenen Jeans in der Sense zu baden, um einen Stonewashed-Effekt zu bekommen», sagt der ehemalige Banker Mike Ritschard.

Eisfach statt Waschmaschine

Der Stoff für die Massjeans aus Gasel wird wie in den 1950er-Jahren auf Schiffchenwebstühlen produziert: «Dabei legt der Schussfaden ununterbrochen die komplette Breite des Webstuhls in beide Richtungen zurück, wobei die historische Webkante entsteht», erklärt Ritschard. Dieses traditionelle Verfahren kenne man heute nur noch in den USA und Japan, von wo der Jeansstoff importiert wird.

Die Kunden können aus 15 verschiedenen Stoffen auswählen, dazu kommen Garnfarbe und Knöpfe. «Man kann seine Kreativität walten lassen», sagt Pia Ritschard. Ein Jeans-Unikat kostet 498 Franken und wird auf der Innenseite des Bundes mit dem Namen des Trägers versehen. Dazu kommt ein Etikett mit dem Niet-Datum und individuelle Hosentaschen. Damit alles sitzt, wird in Gasel Mass genommen – bis zur fertigen Jeans finden mehrere Anproben statt. Das Schnittmuster wird dann archiviert.

«Jeans sind ein Lebensgefühl»

«Dank der Kappnähte ist die Jeans besonders robust und muss ein halbes Jahr eingetragen werden», so die Chefschneiderin weiter. In dieser Zeit sollte sie auch nicht in einer Waschmaschine landen, sondern – wenn sie unangenehm riecht – in einem Gefrierbeutel ins Eisfach gelegt werden, um Bakterien zu beseitigen. «Bei der ersten Wäsche weicht man die Jeans am besten in der Badewanne in lauwarmen Wasser ein und bürstet sie leicht», sagt Pia Ritschard.

Nach dieser ersten Haushaltswäsche kämen alle individuellen Tragespuren zur Geltung. «Man sieht also, wenn man das Handy immer in der hinteren Hosentasche trägt. Dieser Used Look wird bei Stangenware durch industrielle Wäsche künstlich erzeugt», führt Mike Ritschard aus. Beim Jeanstragen gehe es aber um ein Lebensgefühl: «Dieses wollen wir den Kunden weitergeben.»

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