Atomdebatte: Berner Schüler machen gegen AKW mobil
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AtomdebatteBerner Schüler machen gegen AKW mobil

Statt die Schulbank zu drücken, zogen gegen tausend Schüler durch die Berner Innenstadt. Auf dem Münsterplatz ist es zu einem Zwischenfall gekommen.

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meo/am

«Jugend gegen AKW»: Unter diesem Motto zogen am 24. Mai über 1000 Schüler von verschiedenen Schulen in die Innenstadt. Um 10 Uhr haben sich laut Angaben der Organisatoren gegen zweitausend Jugendliche vor der Heiliggeistkirche beim Bahnhof versammelt. Unter riesigem Gejohle und Applaus sind laufend neue Klassen eingetroffen. «AKW Mühleberg sofort abschalten», skandieren die teils blutjungen Kundgebungsteilnehmer.

Die Kundgebung zog dann dann durch die Altstadt zum Bärengraben und von dort zum BKW-Hauptsitz am Viktoriaplatz. Dann gings wieder zurück in die Innenstadt. Auf der kleinen Schanze löste sich der Demonstrationszug auf. In dieser Parkanlage war nach dem Ende des Umzugs ein Konzert geplant.

Kritzel auf der Strasse

Die Kundgebung verlief friedlich, farbenfroh und lautstark. Zahlreiche Teilnehmer kritzelten allerdings immer wieder mit Kreide Parolen auf die Strasse und viele Fassaden. Zudem kam es immer wieder zu Verkehrsbehinderungen. Aufgerufen zum Protest hatte auf der Internetseite Facebook ein Komitee mit dem Namen «Jugend streikt». Um eine Bewilligung hatten die Organisatoren nicht nachgesucht.

Nicht um Bewilligung ersucht

Zur Kundgebung aufgerufen hatte ein anonymes Komitee namens «Jugend streikt» auf der Internetseite Facebook. Es schrieb vor der Kundgebung in einer Mitteilung, auch Schüler dürften ihre Meinung zur Atom-Thematik kundtun. Der Protest sei eine Form der Partizipation.

Mehrere Parteien und Organisationen drückten in einem Beiblatt zu dieser Mitteilung ihre Unterstützung für die Kundgebung aus, so etwa das Grüne Bündnis der Stadt Bern und die JUSO Stadt und Kanton Bern.

Um eine Kundgebungsbewilligung hatten die Organisatoren nicht nachgesucht. Das sei so, sagte Jonas Zürcher am Rand der Kundgebung der Nachrichtenagentur SDA, weil eine Kundgebung so oder so stattgefunden hätte. Zürcher ist Sekretär der JUSO Stadt Bern.

Aus Angst vor allfälligen Konsequenzen hätten die Organisatoren anonym mobilisiert, sagte Zürcher weiter. Er hielt im Verlauf der Kundgebung auf dem Münsterplatz per Megafon eine kurze Rede. Den Energiekonzernen gehe es mit der Atomkraft nur um Profit, der Staat müsse bei Unfällen die Konsequenzen tragen, sagte Zürcher. Atomkraftwerke seien stillzulegen.

Schüler mussten Halbtage nehmen

Im Allgemeinen erhielten die Schüler für die Kundgebung nicht frei. Vielmehr mussten sie einen Halbtag einsetzen. Sonst drohte ihnen eine unentschuldigte Absenz. Darauf einigte sich beispielsweise die Konferenz der Schulleiter der Stadt Bern, wie Co- Präsident Rolf Rickenbach im Vorfeld der Kundgebung auf Anfrage sagte.

Gemäss bernischem Volksschulgesetz sind Eltern berechtigt, ihre Kinder nach vorgängiger Benachrichtigung der Schule an höchstens fünf Halbtagen pro Schuljahr nicht zur Schule zu schicken. Ab dem 10. Schuljahr können Mittelschüler dieses Recht selber ausüben.

(meo/am/sda)

Berner Energiedirektorin will AKW-Gegner treffen

Am Dienstag haben rund 30 Atomkraftgegner vor dem Sitz der bernischen Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion ein «Protest- Picknick» durchgeführt. Die bernische Energiedirektorin Barbara Egger-Jenzer trat vors Gebäude und vereinbarte mit einer Delegation ein Gespräch.

Der AKW-Protest in Form eines Picknicks hatte bisher zehn Wochen lang jeden Dienstag vor dem Sitz des bernischen Energiekonzerns BKW stattgefunden. Nun wurde es an die Reiterstrasse verlegt, weil die Aktivisten verärgert sind über die Haltung der Kantonsregierung an der Generalversammlung der BKW vor ein paar Tagen. (sda)

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