Aktualisiert 19.10.2006 11:46

Berner Strip-Lokale fürchten um ihre Existenz

Die beschlossene Abschaffung der L-Bewilligungen für Cabaret-Tänzerinnen im Kanton Bern hat «dramatische Folgen» für die 34 Cabarets im Kanton Bern sowie für die jährlich rund 2700 engagierten Tänzerinnen.

L-Bewilligungen für Cabaret-Tänzerinnen aus nicht EU-Ländern werden ab 2007 im Kanton Bern nicht mehr erteilt. Aufgeschreckt von einem Bericht in der «Berner Zeitung», der vom Kanton bestätigt wurde, haben Interessensvertreter am Donnerstag zu einer Medienkonferenz eingeladen.

Der Entscheid des Kantons habe für die Branche wie für die Cabaret-Tänzerinnen «dramatische Folgen», heisst es in einer Mitteilung zur Medienkonferenz, an der sich der Regionalverbands Bern/Solothurn des Verbands Schweizerischer Cabarets und Dancings (ASCO) und der Berner Beratungsstelle Xenia beteiligten.

Die betroffenen Frauen würden ihren Rechtsschutz verlieren und möglicherweise in die Illegalität abdriften. Zudem werde die erfolgreiche Aids-Präventionsarbeit in diesem Umfeld zunichte gemacht. Den 34 Cabarets im Kanton Bern werde die wirtschaftliche Zukunft entzogen.

Rechtsschutz und Aids-Prävention

Die heutigen L-Bewilligungen garantieren den Frauen einen Grundlohn, einen Rechtsschutz, der etwa auch die Krankenversicherung sowie medizinische Untersuchungen beinhalte sowie Beratungen durch die Berner Fachstelle Xenia für Sexarbeiterinnen.

In den Cabarets im Kanton Bern, die jährlich rund 2700 Frauen mit L-Bewilligungen engangieren, würden zahlreiche Arbeitsplätze vernichtet, heisst es in der Mitteilung weiter.

Die Cabarets liefern dem Kanton jährlich zudem 2 Mio. Franken für Quellensteuern und verschiedene Bewilligungen ab. An die AHV/ALV würden 1,1 Mio. Franken abgeliefert.

Es sei auch nicht einzusehen, wieso der Kanton Bern freiwillig einen Standortnachteil in Kauf nehmen wolle. Denn nur wenige Kantone in der Schweiz wollen keine L-Bewilligungen mehr erteilen.

Duch die Aids-Hilfe Bern und die Aids-Hilfe Schweiz sprechen sich gegen die Abschaffung der L-Bewilligungen aus. Es sei nicht wegzudiskutieren, dass Tänzerinnen mit L-Bewilligungen teilweise auch als Sexarbeiterinnen arbeiteten, schreibt die Aids-Hilfe. Mit der Aufhebung der Bewilligungen würden die Frauen schutzloser und abhängiger.

Zudem habe vor allem die Stadt Bern in den letzten acht Jahren in den Cabarets eine Aids-Prävention entwickelt, die schweizweit Vorbildcharakter habe.

Ein Feigenblatt

Gisela Basler, Amtsvorsteherin Amt für Migration und Personenstand, bestätigte am Donnerstag auf Anfrage, dass die L- Bewilligungen abgeschafft werden. Dies, weil die L-Bewilligungen für die betroffenen Frauen einen «Schutz vorgaukeln, den sie in Wahrheit gar nicht leisten können.»

Um den angeblichen Schutz gewährleisten zu können, wären sehr enge Kontrollen nötig, die der Kanton gar nicht durchführen könne. Zudem seien die L-Bewilligungen ein Fremdkörper im System der übrigen Bewilligungs-Praxis des Kantons Bern, so Basler.

(sda)

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