Aktualisiert 09.10.2012 11:27

«Augmented Reality»Berner Technik ermöglicht Blick in kranke Organe

Wo hört in einem Organ gesundes Gewebe auf und wo beginnt ein möglicher Tumor? Forscher der Uni Bern haben ein «Navigationssystem» für Ärzte entdeckt, das ihnen Operationen erleichtert.

Forscher am «ARTORG Center for Biomedical Engineering» haben die chirurgische Navigationstechnologie mit Darstellungen der erweiterten Realität verbunden. Diese «Augmented Reality» unterstützt den Arzt, indem sie computergestützt die innere Struktur wie in diesem Fall bei der Leber abbildet.

Dieses Verfahren haben nun Chirurgen der Harvard Medical School (USA) und des Institut Mutualiste Montsouris (Paris) in einer gemeinsamen, komplizierten minimal-invasiven Leber-Operation erstmals eingesetzt, wie die Uni Bern schreibt. Dabei wurden gleichzeitig drei Darstellungen verwendet: Ein Bildschirm im Operationssaal zeigt Aufnahmen von 3D-Computer- (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT), welche die innere Anatomie der Leber des Patienten darstellen. Weiter sind Bilder der Miniaturkamera, des Endoskops, zu sehen, sowie eine Kombination von beiden - also ein überlagertes, «realitätserweitertes» Bild.

«Chirurgisches Cockpit»

Sämtliche relevanten Informationen werden so in einer Art «chirurgischem Cockpit» auf mehreren Bildschirmen zusammengeführt. Dies verhilft zu einer einfacheren Orientierung und zu besseren Entscheidungen. «Durch das bessere Verständnis der anatomischen Details erhöht sich die Sicherheit, und es werden komplexere Operationen möglich», lässt sich Stefan Weber, Leiter des ARTORG Center, in der Mitteilung zitieren.

Die minimal-invasive Schlüsselloch-Chirurgie hinterlässt kleinere Narben als herkömmliche Verfahren, reduziert Komplikationen und beschleunigt die Genesung. In der Leberchirurgie war ihr Einsatz jedoch bisher begrenzt. Zu schwierig sind Orientierung und korrekte Tumorentfernung in diesem lebenswichtigen Organ. Die Chirurgen haben eng mit dem Schweizer Medizintechnikhersteller CAScination AG zusammengearbeitet, einem Spin-Off der Universität Bern und des Inselspitals Bern. (sda)

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