Unihockey-Superfinal der Frauen - Berner und Zürcher Team kämpfen um den Thron im Unihockey
Publiziert

Unihockey-Superfinal der FrauenBerner und Zürcher Team kämpfen um den Thron im Unihockey

Im Schweizer Unihockey-Superfinal kommt es zum Duell zwischen Skorpion Emmental-Zollbrück und den Kloten-Dietlikon Jets. Für die Berner Skorps ist die Finalteilnahme eine Premiere.

von
Erik Hasselberg
1 / 3
Nathalie Spichiger (l.) im Dress der Skorps und Britgitte Mischler im Trikot der Jets: Wer gewinnt den Superfinal?

Nathalie Spichiger (l.) im Dress der Skorps und Britgitte Mischler im Trikot der Jets: Wer gewinnt den Superfinal?

 Claudio Schwarz/swiss unihockey
Auf sie sind viele Augen gerichtet: Spichiger (M.) ist die Topskorerin der Skorps. 

Auf sie sind viele Augen gerichtet: Spichiger (M.) ist die Topskorerin der Skorps.

Claudio Schwarz/swiss unihockey
Pekárková Niko (M.): Die Verstärkung aus Tschechien zeigte eine starke Saison bislang bei den Skorps. 

Pekárková Niko (M.): Die Verstärkung aus Tschechien zeigte eine starke Saison bislang bei den Skorps.

Claudio Thoma/freshfocus

Darum gehts

  • Erstmals steht ein Berner Team im Unihockey-Superfinal der Frauen.

  • Lukas Schüepp, Trainer des UHV Skorpion Emmental-Zollbrück, sieht sich und sein Team allerdings schon vor der Meisterschaftsentscheidung als Sieger.

  • Bei den Kloten-Dietlikon Jets könnte Captain Michelle Wiki ihren letzten Auftritt auf Schweizer Boden haben.

Wenn am Samstag die Schweizer Unihockey-Meisterschaft der Frauen mit dem Superfinal entschieden wird, dann stehen sich die logischen Finalisten gegenüber: Skorpion Emmental-Zollbrück und die Kloten-Dietlikon Jets. Die Zweiten der Quali treffen auf die Qualifikationssiegerinnen. Während die Zürcherinnen bereits zum sechsten Mal in Folge im Superfinal stehen, ist es für die Bernerinnen eine Premiere. Zum ersten Mal in ihrer 18-jährigen Vereinsgeschichte spielen sie um den Meistertitel. Etwas hingegen ist für beide Teams gleich: Im alles entscheidenden Spiel können sie nicht auf ihre Fans zählen. Aufgrund der Corona-Pandemie wird der Final ohne Publikum ausgetragen.

Es ist ein Umstand, an den sich aber beide Equipen gewöhnen konnten. Nachdem die Unihockey-Meisterschaft im Oktober des vergangenen Jahres aufgrund der steigenden Fallzahlen unterbrochen und erst im Januar wieder fortgesetzt wurde, spielten die Vereine der höchsten Spielklasse vor leeren Rängen und unter Einhaltung strenger Hygienemassnahmen und Schutzkonzepte. Wöchentlich mussten die Spielerinnen, Staff-Mitglieder sowie Schiedsrichter einen Schnelltest durchführen.

In der auf dreizehn Spiele verkürzten Saison verliessen die Zürcherinnen nur drei Mal als Verliererinnen die Halle. Eine diese Niederlagen konnte ihnen aber ausgerechnet ihr Finalgegner aus dem Emmental zufügen. 4:3 gewann das Team von Lukas Schüepp, der in seiner zweiten Amtszeit als Headcoach bei den Skorps hinter der Bande steht und sein Team mit zwei «Sweeps» in den Superfinal führte. Sowohl der UH Berner Oberland als auch die Wizards Bern-Burgdorf wurden in den Viertel- und Halbfinalserien 3:0 bezwungen. «Wir fühlen uns mit dem Finaleinzug, der unser grosses Ziel und erstmalig für den Verein war, schon jetzt als Gewinner dieser Saison. Jetzt können wir befreit aufspielen», sagt Schüepp. Der Druck liege bei den Jets, dem «auf dem Papier besten Team der Liga». Besonderer Fokus gilt dabei dem Sturmtrio um Michelle Wiki, Isabelle Gerig und Julia Suter, das sein Team in den Griff bekommen müsse.

Austragungsort erstmalig Winterthur

Auch für René Jaunin, Trainer bei den Jets, ist der Superfinaleinzug eine persönliche Premiere – und das in seiner ersten Saison als Cheftrainer. Nervös sei er deshalb aber nicht, vielleicht «etwas angespannt», wie er sagt. «Das Team ist gut vorbereitet und super motiviert, seinen Titel von 2019 nun verteidigen zu können. Ich muss die Spielerinnen fast schon ein bisschen bremsen», so der 51-Jährige. Und auch wenn sein Team beim sechsten Superfinal in Folge zum ersten Mal nicht gegen den Dauerkonkurrent Piranha Chur spiele, sei die Vorbereitung doch die gleiche. «Wir haben den Gegner studiert, Rezepte gesucht, wie wir sie schlagen.» Thema sei dabei auch Goalie Helen Bircher gewesen, die eine starke Saison im Tor der Skorps zeigt und von der ihr eigener Coach sagt, sie sei die Lebensversicherung und momentan beste Torfrau der Liga. Aber auch die Schweizer Natispielerin Nathalie Spichiger haben die Jets unter die Lupe genommen. «Sie ist als Topskorerin fähig, aus allen Positionen gute Schüsse abzugeben», so Jaunin.

Die beiden Headcoaches der Finalistinnen blicken auf das Duell am Samstag.

swiss unihockey

Anders als für die Skorps ist auch der Auftritt in der Axa Arena in Winterthur für die Jets in dieser Saison eine Premiere. Während die Skorps im Viertelfinal eine Partie in der TV-Location austrugen, sich mit der Örtlichkeit, Garderoben und dem eigens verlegten Spezialboden vertraut machen durften, kam die Equipe von Jaunin nicht in den Genuss eines solchen TV-Spiels. Er sagt: «Es ist schon schade, fast auch ein bisschen komisch vom Verband, dass wir diese Chance nicht hatten. Aber damit müssen wir leben. Und letztendlich glaube ich nicht, dass es ein Vorteil ist.» Schüepp hingegen sieht das ein bisschen anders: «Wir sind nach unserem Spiel mit einem positiven Gefühl aus der Halle gegangen und kommen so jetzt wieder. Boden, Ambiente – beides kennen wir.»

Der letzte Schweizer Auftritt der Jets-Leaderin?

Von Zusammenzügen mit dem Nationalteam kennt Jets-Captain Michelle Wiki bereits die Halle, die einiges kleiner ist als die Eishockey-Arena in Kloten, die normalerweise als Austragungsort fungiert und in der 6000-7000 Fans ihren Platz finden – in normalen Zeiten. «Es ist schon sehr schade, dass wir nicht vor Zuschauern spielen können. Wir haben uns aber schon früh damit auseinandergesetzt, dass dies der Fall sein könnte und freuen uns, dass wir dieses Jahr die Saison fertig spielen dürfen – wir sind uns dieses Privilegs durchaus bewusst.» Seit dem Restart im Januar konnte man sich etwas daran gewöhnen, vor leeren Rängen aufzulaufen, auch wenn es am Anfang komisch gewesen sei. «Die Lautstärke, insbesondere in Spielen wie am kommenden Samstag, fehlt natürlich. Ist das Spiel aber angepfiffen und ist man fokussiert, konzentriert man sich auf andere Dinge als die leeren Zuschauerränge.»

Michelle Wiki: Jubelt sie nochmals mit ihren Jets vor dem Wechsel nach Schweden?

Michelle Wiki: Jubelt sie nochmals mit ihren Jets vor dem Wechsel nach Schweden?

Claudio Thoma/freshfocus

Mit 31 Jahren gehört sie zu den erfahrensten Spielerinnen bei den Zürcherinnen. Trotzdem sei sie auch vor ihrer sechsten Superfinal-Teilnahme immer noch etwas nervös. «Es ist ein wichtiges Spiel, ein Spiel entscheidet über die Meisterschaft und die willst du jedes Jahr gewinnen. Ausserdem gibt es schon einige Ungewissheiten bis zum ersten Bully: Ist das Team bereit? Wie ist man selber heute drauf?»

Wie ihr emotionaler Zustand nach dem Spiel sein wird, weiss Wiki noch nicht. «Ich spreche es nicht gerne aus, verdränge es noch» – die Tatsache, dass sie am Samstag die Jets zum letzten Mal als Captain aufs Feld führen könnte. In der kommenden Saison wechselt die Stürmerin nochmals nach Schweden, um sich das Unihockey-Spielen auf einem hohen Niveau zu ermöglichen, in der besten Liga der Welt. Auch im Hinblick auf die im November in Schweden stattfindende WM. Und natürlich würde sich die Reise einfacher antreten lassen mit einem Titel im Gepäck.

Deine Meinung

4 Kommentare