25.06.2020 02:55

Auf Hauptmast verboten

Berner US-Botschaft lässt Gay-Fahne an Nebenstange wehen

Trumps Verbot hin oder her: Auf dem Gelände der US-Botschaft in Bern weht derzeit stolz eine Regenbogenfahne. Hier nutzt der Botschafter offenbar ein Schlupfloch, um die Fahne zu hissen.

von
Christian Holzer
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Sechs bunte Farben statt rot und weiss: Vor der US-Botschaft in Bern weht derzeit die Regenbogenfahne.

Sechs bunte Farben statt rot und weiss: Vor der US-Botschaft in Bern weht derzeit die Regenbogenfahne.

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Anfang Juni wurde sie dort gehisst.

Anfang Juni wurde sie dort gehisst.

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Der Vorgang wurde sogar auf Instagram geteilt.

Der Vorgang wurde sogar auf Instagram geteilt.

Instagram/usembassybern

Darum gehts

  • Vor der US-Botschaft in Bern weht derzeit die Regenbogenfahne.
  • Präsident Trump hat jedoch 2019 verboten, dass US-Botschaften die Fahne an Fahnenstangen hissen dürfen.
  • In Bern wird das Verbot mit einem Trick umgangen.
  • Erst vor wenigen Tagen wurde bei der US-amerikanischen Botschaft in Seoul eine Regenbogenfahne entfernt.

Vor der US-amerikanischen Botschaft in Bern weht derzeit prominent und stolz eine Regenbogenfahne. Dies, weil der Juni in den Staaten als «Pride Month» gilt – während des gesamten Monats werben Schwule, Lesben, Bi-, Trans- und Intersexmenschen für mehr Toleranz. «Ich finde es toll, dass die Botschaft ein Zeichen setzt. Gerade unter Trump hätte ich das nicht erwartet», sagt Leser-Reporter Steffano. Unter Präsident Barack Obama war das Hissen des internationalen LGBTQI-Symbols gang und gäbe – seit Trump das Land regiert, sieht dies jedoch anders aus. Letztes Jahr hat der Republikaner den Diplomaten faktisch verboten, die bunte Fahne an Fahnenstangen der Botschaften wehen zu lassen. Sie mussten andere Wege finden, Farbe zu bekennen: Oftmals wurden Banner oder Wimpel gehängt, mancherorts hing die Fahne am Gebäude.

«Das State Department hat angegeben, dass an den Fahnenmasten unserer amerikanischen Botschaften nur eine Fahne wehen sollte, und das ist die amerikanische Flagge. Und diese Entscheidung unterstütze ich», erklärte Vizepräsident Mike Pence in einem NBC-Interview damals.

Kein Verstoss gegen Trump

Und doch weht derzeit eine Regenbogenfahne vor der amerikanischen Botschaft. Verstösst der Berner US-Botschafter Edward McMullen somit gegen die neuen Auflagen aus Washington? «Nein», heisst es bei der Botschaft an der Sulgeneckstrasse. Laut Weisung des Aussenministeriums dürfe nur die US-Flagge am Hauptfahnenmast wehen. «Wir haben einen separaten Mast, an dem wir sowohl die Pride-Flagge als auch Flaggen zur Feier anderer Anlässe hissen», teilt die Vertretung auf Anfrage mit. Botschaften rund um den Globus würden jährlich den Pride-Monat auf verschiedene Art und Weise feiern. «In jedem Land werden individuelle Strategien zur Sensibilisierung für Gewalt und Menschenrechtsverletzungen, die sich gegen LGBTI-Menschen richtet, angewendet – inklusive der angemessenen Repräsentation nach aussen.»

Die Botschaft lässt durchblicken, dass das Buebetrickli möglicherweise bereits 2019 angewandt wurde: «Die US-Botschaft in Bern hat die Regenbogenfahne in vergangenen Jahren immer wieder wehen lassen. Zu verschiedenen Gelegenheiten und unterschiedlich lange.»

Seoul musste Fahne entfernen

Die US-amerikanische Botschaft in Seoul, Südkorea, sorgte erst vor wenigen Tagen mit einer ähnlichen Aktion für Schlagzeilen. Dort liess man eine grosse Regenbogenfahne an die Aussenfassade spannen. Einige Tage später ging Botschafter Harry Harris noch einen Schritt weiter: Er liess zusätzlich ein «Black Lives Matter»-Banner hochziehen. Dies sorgte bei der Trump-Regierung für Unmut, wie verschiedene Medien berichteten. Das Aussenministerium wollte verdeutlichen, dass die US-Regierung keine Beiträge an die «Black Lives Matter»- oder andere spezifische Organisationen zahle.

Zusammen mit dem «BLM»-Banner wurde in Seoul auch die Regenbogenfahne von der Fassade entfernt. Warum auch sie weichen musste, ist unklar.

Woher kommt die Regenbogenfahne?

In den 70er-Jahren wurde die Regenbogenfahne als Zeichen der Schwulen- und Lesben-Bewegung international bekannt. Sie wurde vom US-Künstler Gilbert Baker für den Gay Freedom Day von 1978 gestaltet. Sie soll den Stolz der Lesben und Schwulen und deren vielfältige Lebensweisen verkörpern. Im Gegensatz zur Peace-Fahne besteht die Fahne aus sechs statt sieben Farbsträngen, sie trägt keinen Schriftzug, und die Farben sind in umgekehrter Richtung angeordnet.

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