Aktualisiert 15.08.2013 10:28

Hooligan-KonkordatBerner Vorlage kommt wohl vors Volk

Mit 11'626 beglaubigten Unterschriften haben die Gegner der Vorlage genug gesammelt, um das Hooligan-Konkordat zur Abstimmung zu bringen. Diese dürfte im Februar oder Mai 2014 stattfinden.

YB-Hooligans traktieren einen Sion-Anhänger (17. April 2006).

YB-Hooligans traktieren einen Sion-Anhänger (17. April 2006).

Im Kanton Bern kommt es so gut wie sicher zu einer Volksabstimmung zum verschärften Hooligan-Konkordat. Ein Komitee hat am Donnerstagmorgen in Bern der Staatskanzlei 11'626 beglaubigte Referendums-Unterschriften eingereicht.

Angesichts der Beglaubigung durch die Gemeinden kann erwartet werden, dass die bernische Kantonsregierung nach der Kontrolle der Unterschriften das Referendum offiziell für zustandegekommen erklärt. Denn damit es im Kanton Bern zu einer Referendumsabstimmung kommt, braucht es 10'000 gültige Unterschriften.

Dann muss der Regierungsrat einen Termin für die Abstimmung festsetzen. Laut Stefan Wyler, dem Leiter Wahlen und Abstimmungen bei der Berner Staatskanzlei, wird die Abstimmung sicher nicht mehr in diesem Jahr stattfinden. Im Vordergrund stünden die Termine 9. Februar 2014 und 18. Mai 2014.

Schon im Juli hatte das Komitee mitgeteilt, es habe mehr als 13'000 Unterschriften gesammelt. Schon damals zeichnete sich also der Erfolg der Sammlung ab. Davon waren nun also etwa 1500 ungültig, da sie beispielsweise unleserlich waren oder Leute doppelt unterschrieben.

Clemens Friedli vom Komitee sagte bei der Übergabe der zehn Pakete vor dem Berner Rathaus, die meisten Unterschriften stammten aus dem Raum Bern-Mittelland. Personen aus allen Verwaltungskreisen und jeglichen Alters hätten unterschrieben.

Einen grossen Teil der Signaturen hätten Fangruppierungen beigesteuert. Dreimal habe das Komitee aber auch auf der Strasse Unterschriften gesammelt. «Wenn man den Leuten erklärte, worum es geht, haben eigentlich alle unterschrieben», sagte Friedli.

Verschärfungen für Komitee unnötig und unverhältnismässig

Das Referendum richtet sich gegen die vom bernischen Grossen Rat im März genehmigten Änderungen des kantonalen Konkordats über Massnahmen gegen Gewalt an Sportveranstaltungen. Das Komitee hält die Verschärfung der bestehenden Regeln für unnötig und unverhältnismässig.

Viel wichtiger als mehr Repression sei der konstruktive Dialog zwischen den Behörden, der Polizei, den Sportklubs und den Fans. Im Gespräch habe man im Kanton Bern schon viel erreicht und so die Einsatzstunden der Polizei rund um Spiele der höchsten Fussball- und Eishockey-Ligen reduzieren können, sagte Komitee-Co-Präsidentin Vania Kohli am Donnerstag.

Das Berner Komitee ist breit abgestützt: Politiker von Linksaussen bis Rechtsaussen gehören ihm an. Zum Co-Präsidium gehören ausser der Berner BDP-Grossrätin Kohli auch die SP-Grossrätin Margreth Schär und der Präsident der Grünen des Kantons Bern, Blaise Kropf. Auch der Schriftsteller Pedro Lenz und «Züri-West«-Frontmann Kuno Lauener gehören ihm an.

Im Abstimmungskampf will das Komitee laut Friedli in den Vordergrund stellen, wie viele Menschen die Spiele der sieben grossen Berner Eishockey- und Fussballklubs verfolgen, nämlich pro Jahr über zwölf Monate gesehen über eine Million. Dabei komme es kaum zu problematischen Vorfällen.

Auch in Zug noch Abstimmung nötig

Kernstück des verschärften Konkordats ist eine Bewilligungspflicht für Fussball- und Eishockeyspiele der höchsten Klasse. Für die Bewilligung sind die Gemeinden zuständig. Sie haben die Möglichkeit, die Bewilligung mit Auflagen zu versehen. Dazu gehören etwa die Anreise per Kombiticket oder ein Alkoholverbot im Stadion.

Mehrere Kantone haben die Verschärfungen bereits genehmigt, so etwa Aargau, Tessin und Zürich. Im Kanton Zürich scheiterte ein Referendum Anfang Juni in einer Volksabstimmung. Wie in Bern steht auch im Kanton Zug noch ein Urnengang bevor: Dort wurde das Behördenreferendum ergriffen. (sda)

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