«es reicht!»: Berner Wirte setzen zum Streik gegen Corona-Auflagen an
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«es reicht!»Berner Wirte setzen zum Streik gegen Corona-Auflagen an

Die Gastronomie leidet unter den geltenden Corona-Regeln. Weil die Massnahmen nun noch strenger werden könnten, gehen Berner Bars und Restaurants in den Streik.

von
Raphael Casablanca
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Das Kollektiv Gastrostreik Bern geht am Samstag auf die Strasse. Die Betriebe haben sich zusammengeschlossen und wehren sich gegen die drohenden Verschärfungen der Corona-Massnahmen und eine Sperrstunde ab 19 Uhr .

Das Kollektiv Gastrostreik Bern geht am Samstag auf die Strasse. Die Betriebe haben sich zusammengeschlossen und wehren sich gegen die drohenden Verschärfungen der Corona-Massnahmen und eine Sperrstunde ab 19 Uhr .

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Die über 50 Betriebe des Kollektivs  im Kanton Bern werden am Samstag streiken – die Lokale bleiben zu.

Die über 50 Betriebe des Kollektivs im Kanton Bern werden am Samstag streiken – die Lokale bleiben zu.

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In einem Offenen Brief fordern die Betriebe des Kollektivs Solidarität.

In einem Offenen Brief fordern die Betriebe des Kollektivs Solidarität.

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Darum gehts

  • Der Bundesrat entscheidet am Freitag über einheitliche Corona-Massnahmen. Unter anderem sollen Gastro-Betriebe um 19 Uhr schliessen.

  • Ein Teil der Berner Gastronomie-Szene wehrt sich gegen die verschärften Massnahmen und ruft zum Streik und einer Kundgebung auf.

  • Auch der Verband Gastro Stadt Bern und der Berner Regierungsrat kritisieren die frühe Sperrstunde.

Die Corona-Situation in der Schweiz und im Kanton Bern bleibt weiterhin schlecht. Trotz Sperrstunden und Maskenpflicht haben sich die Fallzahlen nicht erholt. Der Bundesrat wird deswegen am Freitag neue Massnahmen bekannt geben, die schweizweit eingeführt werden sollen. Die Rede ist unter anderem von einer einheitlichen Sperrstunde um 19 Uhr.

Gerade für Gastrobetriebe ist diese Forderung ein weiterer Stich ins Herz: «Bereits die Sperrstunde um 21 Uhr hat unsere Betriebe an ihre Grenzen gebracht», sagt Diego Dahinden, Club-Betreiber und Pressesprecher des Kollektivs Gastrostreik Bern. Über 50 Gastrobetriebe aus dem Kanton Bern haben sich unter diesem Namen zusammengeschlossen, um Solidarität für ihre Branche einzufordern.

Am Samstag bleiben die Betriebe des Kollektivs geschlossen, denn es wird gestreikt. Die Gastro-Szene trifft sich zu einer bewilligten Kundgebung auf dem Bahnhofplatz in Bern. «Dabei werden selbstverständlich sämtliche Abstände und Auflagen eingehalten», versichert Dahinden. Das Kollektiv fordert von der Politik, die Restaurants gänzlich zu schliessen und Entschädigungen zu zahlen oder «sinnvolle Massnahmen zu definieren, die ein anständiges Arbeiten zulassen». Weitermachen wie bisher sei keine Option. «Für viele Beizen und Restaurants macht der Betrieb unter diesen Bedingungen keinen Sinn.»

Gefährdete Existenzen

Die ständig wechselnden Regeln sind Dahinden zufolge für die Gastronomie problematisch: «Zum einen ist es eine grosse Herausforderung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, deren Arbeitspläne ständig angepasst werden. Zum anderen auch für die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, welche die Konzepte immer wieder überarbeiten müssen.» Die Szene fordert deswegen lang anhaltende Massnahmen mit entsprechender Unterstützung. Ohne schnelle und nachhaltige Hilfe würden viele Gastronomiebetriebe nicht mehr lange überleben können, heisst es seitens Gastrostreik Bern.

Deshalb fordern die Betriebe unter anderem 100 Prozent Kurzarbeitsentschädigung für Löhne unter 4000 Franken pro Monat. «80 Prozent sichern die Existenzen unserer Mitarbeitenden nicht», heisst es in einer Medienmitteilung. Zudem wird gefordert, dass verbindliche Lösungen für die Mieten gefunden werden. Auch Ausfallentschädigungen werden thematisiert. Dennoch haben die Betriebe auch Verständnis für die Ausnahmesituation: «Die Covid-19-Pandemie ist für uns alle neu – deswegen haben auch wir ein hohes Grundverständnis für die meisten Massnahmen.»

Auch Gastro-Verband wehrt sich gegen frühe Sperrstunde

Auch Tobias Burkhalter, Präsident von Gastro Stadt Bern, hat die Diskussionen über eine verfrühte Sperrstunde mit Unmut zur Kenntnis genommen: «Eine Sperrstunde um 19 Uhr ist völlig unverständlich und nicht nachvollziehbar», sagt er. Die Bemühungen des Kollektivs Gastrostreik würde man seitens des Verbands unterstützen: «Die Forderungen sind gut und legitim. Aber der Weg über einen Streik und eine Demonstration entspricht nicht unseren Vorstellungen.»

Berner Regierung wünscht sich längere Öffnungszeiten

In einer Medienmitteilung geht der Berner Regierungsrat auf die vom Bundesrat angesprochenen Covid-Massnahmen ein. Der Berner Regierungsrat wünscht sich in einigen Punkten Anpassungen. So etwa bei den Öffnungszeiten für die Gastronomie. Der Regierungsrat wünscht sich, dass die Sperrstunde erst ab 21 Uhr gilt. «Eine Schliessung der Restaurants bereits um 19 Uhr würde den wirtschaftlichen Betrieb zusätzlich erschweren», steht in der Medienmitteilung.

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