«Es geht um unser Überleben»: Berner Wirtepräsident bricht kantonales Heizstrahler-Verbot
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«Es geht um unser Überleben»Berner Wirtepräsident bricht kantonales Heizstrahler-Verbot

Heizstrahler könnten Wirten im Corona-Winter das Überleben sichern. Doch vor allem in Grossstädten halten die Behörden an den strikten Verboten fest.

von
Lara Hofer
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«Heizungen im Freien sind ausschliesslich mit erneuerbaren Energien oder nicht anders nutzbarer Abwärme zu betreiben»: So fordert es das Energiegesetz des Kantons Bern seit 2011.  

«Heizungen im Freien sind ausschliesslich mit erneuerbaren Energien oder nicht anders nutzbarer Abwärme zu betreiben»: So fordert es das Energiegesetz des Kantons Bern seit 2011.

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Die Nutzung von Heizstrahlern und Heizpilzen ist also tabu – auch für Restaurantbesitzer, die für den optimalen Komfort ihrer Gäste gerne den Aussenbereich auf diese Art heizen würden.

Die Nutzung von Heizstrahlern und Heizpilzen ist also tabu – auch für Restaurantbesitzer, die für den optimalen Komfort ihrer Gäste gerne den Aussenbereich auf diese Art heizen würden.

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Gerade im Corona-Jahr ist die Nutzung des Aussenbereiches für viele Restaurants überlebenswichtig geworden. So kann der Abstand gewährleistet werden, auch wenn sich viele Personen gleichzeitig im Restaurant befinden.

Gerade im Corona-Jahr ist die Nutzung des Aussenbereiches für viele Restaurants überlebenswichtig geworden. So kann der Abstand gewährleistet werden, auch wenn sich viele Personen gleichzeitig im Restaurant befinden.

Markus Vogt

Darum gehts

  • Wegen der hohen CO₂-Ausstösse ist die Nutzung von Heizstrahlern im ganzen Kanton Bern untersagt.

  • Dem Verbot widersetzen sich diesen Winter jedoch diverse Restaurantbesitzer – so auch der Stadtberner Wirtepräsident.

  • Die Gastwirte möchten aufgrund der Corona-Krise ihren Aussenbereich möglichst optimal nutzen können – und mit Heizstrahlern für den nötigen Komfort sorgen.

Für die Restaurants gelten landesweit strenge Corona-Regeln – im Kanton Bern sind sie ab Montag noch strenger: Die Zahl der Gäste wird auf 50 Personen begrenzt, die Betriebe müssen bereits um 21 Uhr schliessen. Und daneben müssen stets die Abstände eingehalten werden.

Um den Vorgaben gerecht zu werden, sind die Aussenbereiche der Beizen besonders gefragt. Um diese so angenehm wie möglich zu gestalten, zeigen sich Berner Wirte auch bereit, das Gesetz zu brechen, wie die «SonntagsZeitung» berichtet.

«Heute ist man als Wirt zu vielem bereit»

Damit die Gäste nicht frieren müssen, braucht es auf den Terrassen und in den Gärten der Restaurants ein gutes Heizungssystem. Als günstig und effizient gelten Heizstrahler, die im Kanton Bern wegen ihrer hohen Umweltschädlichkeit aber seit bald zehn Jahren verboten sind.

Stattdessen subventioniert die Stadt in der momentanen Krisensituation elektrische Heizkissen. Damit geben sich die Berner Wirte allerdings nicht zufrieden. «Der Nutzen der Heizkissen steht in keinem Verhältnis zu jenem der Heizstrahler», sagt Tobias Burkhalter, Präsident Gastro Stadt Bern, gegenüber der Zeitung. Die Kissen seien ineffizient und teuer. «Es macht deshalb Sinn, in diesem Winter ausnahmsweise Heizstrahler zu benutzen.»

Es geht ums Überleben

Und das tue er auch: «Ich stelle bei meinen Restaurants in der Stadt Bern trotz rechtlicher Unsicherheit Heizstrahler auf.» Denn in diesem Winter gehe es «ums Überleben», so der Berner Wirtepräsident. «Da ist man zu vielem bereit.»

Gerne hätte 20 Minuten von Stadt und Kanton erfahren, ob sie um die Verstösse wissen und ob sie dagegen vorgehen wollen oder aufgrund der besonderen Lage ein Auge zudrücken. Jedoch waren weder die städtische noch die kantonale Umweltdirektion für eine Stellungnahme erreichbar.

Andere Gemeinden lockern Verbot

Während die Stadt Bern strikt am Verbot der Heizstrahler festhält, lockern andere Gemeinden und Kantone ihre Einschränkungen. In Zürich beispielsweise haben die Behörden für diesen Winter zumindest CO₂-neutrale Pellets-Heizstrahler erlaubt. Im Kanton Aargau ging man sogar noch weiter. Dort hat die Kantonsregierung für diesen Winter sämtlichen Wirten in allen Gemeinden erlaubt, Heizstrahler und gasbetriebene Heizpilze aufzustellen.

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