Aktualisiert 25.06.2009 23:30

VerkehrplanungBerner wollen autofreien Bahnhofplatz

Der Berner Bahnhofplatz soll autofrei werden. Das Berner Stadtparlament empfiehlt dem Stimmvolk im Herbst die entsprechende Volksinitiative zur Annahme. Rückweisungsanträge der Bürgerlichen blieben chancenlos.

Die Initiative war mit über 7000 gültigen Unterschriften zustande gekommen. Aufgeblüht war die Vision eines autofreien Bahnhofplatzes, nachdem die Sanierung des Bahnhofplatzes und die damit verbundene Verbannung des Privatverkehrs in den Jahren 2007 und 2008 zu keinen gravierenden Verkehrsproblemen geführt hatte.

Die Autofreiheit soll laut Initiativtext jedoch explizit ohne eine Tunnellösung erreicht werden. 1997 hatten die Stimmberechtigten der Stadt Bern die Planungsvorlage mit einem Schanzentunnel abgelehnt. Letztmals scheiterte die Tunnelforderung im März 2008 im Stadtparlament.

Zweijährige Testplanung

Falls das Stimmvolk im Herbst die Initiative annimmt, löst es damit auch gleich einen Planungskredit von 900'000 Franken für eine zweijährige Testplanung mit zwei Planungsgruppen sowie einer 25köpfigen Begleitgruppe aus.

Liegen die detaillierten Vorschläge vor, kann das Stimmvolk über das konkrete Projekt autofreier Bahnhofplatz, allenfalls zu Varianten, ein zweites Mal abstimmen.

Heute fahren täglich über 20'000 Autos über den Berner Bahnhofplatz. Diese müssten künftig andere Wege finden. Im Vordergrund steht der Ausbau der sogenannten kleinen West-Tangente.

Gegen Katze im Sack

Ein autofreier Bahnhofplatz schade den Quartieren und behindere das Gewerbe, begründeten SVP und FDP ihr Nein zur Initiative. BDP und CVP waren zwar grundsätzlich dafür, verlangten aber eine Vorlage, bei welcher der Stimmbürger «en connaissance de cause» entscheiden könne und nicht die Katze im Sack kaufen müsse.

Weil aber GLP, GFL und EVP mit SP und Grünen stimmten, blieben die Einwände ohne Einfluss. Ein autofreier Bahnhofplatz bringe mehr Lebensqualität und sei touristisch wertvoll, so der Tenor der Mehrheit. Autofreie zentrale Plätze seien zudem zeitgemäss. Allerdings brauche es ein griffiges Gesamtkonzept für das ganze Bahnhofgebiet.

Knifflige Aufgabe

Baudirektorin Regula Rytz betonte, das Projekt sei nicht einfach umzusetzen und eine knifflige Aufgabe. Deshalb sei es wichtig, jede mögliche Variante ganz genau zu untersuchen. Dazu könne das Stimmvolk dann in der zweiten Volksabstimmung Stellung nehmen.

Insbesondere soll überprüft werden, mit welchem Verkehrssystem die Schliessung des Bahnhofplatzes für den motorisierten Individualverkehr am besten aufgefangen werden kann, namentlich mit oder ohne Ausbau des bestehenden Strassennetzes.

Der Rat empfahl den Stimmberechtigten in der Schlussabstimmung die Initiative mit 43 zu 26 Stimmen zur Annahme. Den Rückweisungsantrag verwarf er mit 43 zu 27 Stimmen, den Einbezug von Tunnellösungen in die Planungs-Überlegungen mit 43 zu 26 Stimmen. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.