Aktualisiert 04.06.2015 10:14

Reiseveranstalter unerreichbar

Bernerin gewinnt Reise – und muss draufzahlen

Eine Bernerin gewinnt einen Wellness-Trip nach Antalya. Als sie jedoch den Anschlussflug verpasst, ist der eine Reiseveranstalter nicht erreichbar, der andere versteht nur Türkisch.

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Nach Antalya hätte die Reise gehen sollen,  doch bereits in Instanbul war fertig lustig.

Nach Antalya hätte die Reise gehen sollen, doch bereits in Instanbul war fertig lustig.

Nathalie R. kann ihr Glück kaum fassen, als sie an der BEA eine achttägige Wellness-Rundreise in die Südtürkei gewinnt. Eine kurze Internetrecherche steigert ihre Vorfreude: Negative Feedbacks zum deutschen Reiseveranstalter Revo findet die 21-jährige Bernerin keine und die aufgeführten Hotels existieren alle. R. bucht die Reise gemeinsam mit ihrem Freund.

Doch bereits am Flughafen Istanbul ist fertig lustig: Wegen der schier endlosen Schlange an der Passkontrolle verpassen die beiden ihren Anschlussflug. R. versucht sofort, den Reiseveranstalter zu kontaktieren. Erfolglos. Einzig eine Bandansage ist auf der anderen Seite der Leitung zu hören: Das Büro sei nur von Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr geöffnet, heisst es da.

Weder Deutsch noch Englisch

Auch mit der Wahl der Notfallnummer beim türkischen Reisepartner hat R. kein Glück. Keiner der Angestellten versteht oder spricht Deutsch. Auch mit Englisch kommt R. nicht weiter. «Nur Türkisch, und das kann ich leider nicht!», sagt die Bernerin zum SRF-Magazin «Espresso». Schliesslich versucht sie es noch beim gebuchten Hotel in Antalya. Doch dieses ist geschlossen.

«Ich sass am Flughafen in Istanbul und heulte nur noch», sagt R. «Das war wie ein Schlag ins Gesicht.» Sie und ihr Freund wollen nur noch nach Hause und nehmen den nächsten Flieger zurück in die Schweiz.

Revo streitet alles ab

Revo schiebt die Schuld auf die Kunden: Auf Anfrage von «Espresso» heisst es, die Kunden hätten die Reise nicht selbständig abbrechen dürfen, sondern einen späteren Flug nehmen und sich selber ein Hotel und einen Flughafentransfer organisieren sollen – mitten in der Nacht in einer wildfremden Stadt.

Wieso niemand erreichbar war, will Revo nicht erklären. Dass der türkische Reisepartner weder Englisch noch Deutsch verstand, bestreitet der Veranstalter: «Unser Partner DSC empfängt täglich viele Kunden aus aller Welt und hat uns versichert, dass die Sprache kein Problem sein kann.»

«Eine bodenlose Frechheit»

Nathalie R. kommt ihr vermeintlich glückliches Händchen am Glücksrad teuer zu stehen: 1000 Franken haben sie und ihr Freund insgesamt für die schiefgelaufenen Ferien bezahlt. Nebst dem Ticket für den Freund und die Rückflüge in die Schweiz kommt noch eine happige Handyrechnung dazu.

Revo erstattet 125 Euro zurück. «Für mich eine bodenlose Frechheit. Man hat uns einfach im Stich gelassen, es war dem Veranstalter egal, was mit uns passiert», so R. zu «Espresso».

Konsumentenschutz ist nicht erstaunt

Reiseombudsmann Franco Muff sagt, diese Art der Kundenbehandlung sei unhaltbar. «Als seriöser Touroperator muss man eine 24-Stunden-Notfallnummer haben. So etwas darf nicht passieren.» Auch Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz findet die mangelnde Erreichbarkeit «inakzeptabel».

Doch erstaunt sind die beiden dennoch nicht: Solche gewonnenen Reisen hätten oft einen Haken. «Man muss sich im Voraus wirklich sehr gut informieren, sonst gibt es unter Umständen ein böses Erwachen», so Stalder.

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