«Sie checkte uns kurz ab»: Bernerin schwimmt mit Weissem Hai – die Bilder
Aktualisiert

«Sie checkte uns kurz ab»Bernerin schwimmt mit Weissem Hai – die Bilder

6 Meter gross, 50 Jahre alt: Ein Weisser Hai vor Hawaii hat international für Aufsehen gesorgt. Die Bernerin Chérine (25) war bei der seltenen Begegnung dabei.

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gux
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Der Gruppe um die erfahrene Haiexpertin und Meeresbiologin Ocean Ramsey (im Bild) gelangen spektakuläre Aufnahmen von dem Tier.

Der Gruppe um die erfahrene Haiexpertin und Meeresbiologin Ocean Ramsey (im Bild) gelangen spektakuläre Aufnahmen von dem Tier.

AP/Juan Oliphant
Letzte Woche trieb der Kadaver eines Pottwals vor der Küste Oahus.

Letzte Woche trieb der Kadaver eines Pottwals vor der Küste Oahus.

@cherine.kai
Ein toter Wal ist buchstäblich ein gefundenes Fressen für Haie.

Ein toter Wal ist buchstäblich ein gefundenes Fressen für Haie.

@cherine.kai

Der Weisse Hai sei von schräg unten aus dem blauen Nichts aufgetaucht. Ganz ruhig. Grazie auf sechs Metern. «Man merkte: Das ist ein altes, erfahrenes Weibchen», erzählt Chérine B. am Telefon. Die 25-jährige Bernerin studiert an der ETH Zürich Umweltnaturwissenschaften und ist wegen ihrer Masterarbeit auf Hawaii. Letzte Woche schnorchelte sie mit einer Gruppe um die Meeresbiologin Ocean Ramsey und beobachtete Tigerhaie, die sich um einen Potwal-Kadaver versammelt hatten.

Kurz vor Sonnenuntergang stiess dann der auf über 50 Jahre geschätzte Weisse Hai hinzu: «Sie schwamm langsam herbei und hat uns kurz abgecheckt, denn Haie sind sehr neugierig», so Chérine. «Dann hat sie vom Wal gefressen, ein paar Runden gedreht und ist wieder im Blau verschwunden.»

«Haie sind sehr neugierig»

Die Begegnung der Taucher mit dem Weissen Hai machten über das Wochenende weltweit Schlagzeilen. Es wurde gemutmasst, der Hai sei «Deep Blue», einer der grössten je dokumentierten Weissen Haie, der zuletzt 2013 vor Mexiko gesehen worden war.

«Nein», stellt Chérine klar, «das konnten wir anhand der Musterung mittlerweile ausschliessen. Dieses Weibchen kennt man noch nicht. Sie hat nun den Namen ‹Haole Girl› erhalten. Das heisst so viel wie ‹das fremde Mädchen›, weil man Weisse Haie in den Gewässern vor Hawaii selten sieht.»

Sehen Sie dazu Chérines beeindruckende Aufnahmen im Video:

Bernerin filmt Begegnung mit Weissem Hai

Video: Leser-Reporter

Nervös oder ängstlich war die Bernerin beim Anblick des Riesentieres kein bisschen, im Gegenteil: «Das war wohl die sicherste Interaktion mit einem Weissen Hai, die man sich denken kann: Ein erfahrenes Weibchen, das sich wohl in den letzten Tagen mit Walfleisch vollgefressen hat und möglicherweise sogar trächtig ist.»

«Immer Augenkontakt halten, der Hai muss wissen, dass du ihn siehst»

Chérine fügt aber gleich an: «Auf so eine Begegnung ist man nie gut genug vorbereitet, und niemand sollte einfach so mit Tigerhaien oder Weissen Haien schwimmen.»

Wie bei jeder Begegnung mit einem wilden Tier sei auch im Umgang mit Haien Vorsicht geboten – und die Einhaltung gewisser Regeln: «Arme nahe am Körper, denn hängende Arme könnten wie lose Teile eines verletzten Fisches aussehen und fuchtelnde Arme wie ein Tier in Panik. Immer Augenkontakt halten, der Hai muss wissen, dass du ihn siehst. Und: Go Pros immer an einem Distanz schaffenden Stab befestigen, denn Kameras stossen elektrische Impulse aus, die Haie neugierig machen.»

Der Mensch tötet 73 Millionen Haie pro Jahr

Pro Jahr sterben durchschnittlich fünf Personen wegen eines Hai-Angriffs. Dennoch sind Haie keine menschenfressende Monster, selbst wenn Hollywood-Blockbuster uns das seit Jahrzehnten glauben machen wollen.

«Haole Girl»: Weisser Hai vor Hawaii

«Fische, Walkadaver und Seehunde, aber nicht wir gehören in ihr Beuteschema», sagt Chérine. Umgekehrt tötet der Mensch pro Jahr 73 Millionen Haie. Die Tiere sterben wegen ihrer Flossen, die nicht nur in asiatischen Ländern als Delikatesse gelten, und verenden als Beifang in Fischernetzen.

«Das ist kein Alarmismus, das ist Realität»

Doch Meer und Menschen brauchen die Weissen Haie. Diese halten das Meeresökosystem gesund: Als Apexpredatoren, den Räubern an der Spitze der Nahrungspyramide, sind sie für dasNahrungsnetz unabdingbar. Sie tragen zum Erhalt der Korallenriffe bei und entfernen zudem schwache und kranke Fische, was wichtig ist für die Selektion guter Fischgene.

Umweltzerstörung und die Überfischung der Weltmeere aber setzen nicht nur den Weissen Haien zu: «Viele Haiarten pflanzen sich nur sehr langsam fort, weswegen sie von der Überfischung besonders betroffen sind», sagt die angehende Naturwissenschaftlerin, «Der Mensch regt mich in seiner Unbelehrbarkeit wirklich auf. Wie er mit dem Meer umgeht, ist das Allerletzte. In ein paar Jahren sind die Meere leer gefischt. Das ist kein Alarmismus, das ist Realität.»

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