Vorwürfe in Zermatt: «Bernhardiner leiden für Touristen-Fotos»
Aktualisiert

Vorwürfe in Zermatt«Bernhardiner leiden für Touristen-Fotos»

Tierschützer beschweren sich über die Haltung von «Foto-Bernhardinern» in Zermatt. Die eigentlich gutmütigen Hunde würden dadurch aggressiv.

von
ced
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Folgende Bilder wurden vom Schweizer Tierschutz (STS) in Zermatt aufgenommen. Sie zeigen, ...

Folgende Bilder wurden vom Schweizer Tierschutz (STS) in Zermatt aufgenommen. Sie zeigen, ...

Schweizer Tierschutz STS
... wie die Bernhardiner allein ...

... wie die Bernhardiner allein ...

Schweizer Tierschutz STS
... in einem leerstehenden Haus eingesperrt sind.

... in einem leerstehenden Haus eingesperrt sind.

Schweizer Tierschutz STS

Erinnerungsfotos mit dem Schweizer Nationalhund sind bei Touristen beliebt. Nun warnen aber Tierschützer, die dazu eingesetzten Bernhardiner würden schlecht gehalten. Und: Die schnusligen Fotoshootings seien sehr schädlich für die Hunde.

Sylvia Nanzer vom Oberwalliser Tierschutz empört sich schon seit Jahren über die Situation in Zermatt. «Die Fotohunde werden nicht artgerecht gehalten. Bei einem besonders schlimmen Fall hausen sechs bis sieben Hunde in einer leerstehenden Wohnung, haben keinen Auslauf und werden nicht täglich versorgt.»

Unterstützung erhält Nanzer vom Schweizer Tierschutz. «Wir haben direkt vor Ort eine Begutachtung durchgeführt und eine armselige Hundehaltung vorgefunden», bestätigt Julika Fitzi von der Fachstelle Hunde: «Die Bernhardiner leben das ganze Jahr über im Zwinger. Nur jeweils ein Hund wird für ein Fotoshooting mitgenommen, alle anderen bleiben eingesperrt.»

Dies ist eine Aufnahme der Bernhardiner in Zermatt von Februar 2014, auf der die verwahrlosten Hunde in ihrer von Urin- und Kratzspuren übersäten Behausung zu sehen sind:

Christoph Bürgin, Gemeindepräsident von Zermatt, relativiert die Anschuldigungen: «Wir stehen mit den Tierschützern in Kontakt. Es wurden schon mehrfach Kontrollen vom Veterinäramt durchgeführt.» Dabei habe sich herausgestellt, dass die Haltung der Fotohunde gegen keine Regeln verstosse. «Was aber bei den Shootings auf dem Berg abgeht, weiss ich nicht», so Bürgin.

Kleiner Hund totgebissen

In Zermatt kam es gemäss Anwohnern schon mehrfach zu Zwischenfällen, bei denen Bernhardiner andere Hunde attackierten. Anfang Januar wurde dabei ein kleiner Hund getötet. Dessen Besitzer hat laut der Walliser Kantonspolizei Anzeige eingereicht.

Für Nanzer ist es nicht verwunderlich, dass die Fotohunde aggressiver sind als üblich. «Durch die Abschottung und den Foto-Drill zeigen die Bernhardiner ein auffälliges Verhalten», so die ausgebildete Tierpsychologin. Zudem seien die Hunde aufgrund mangelnder Bewegung stark unterbeschäftigt. Wenn ein Bernhardiner zu einem Fotoshooting mitgenommen werde, sitze dieser bloss an Ort und Stelle. «Das kann einen ganzen Tag dauern. Lange Zeit in Schnee und Sonne führen dann zu tränenden und entzündeten Augen», so Nanzer.

Auch die neue Maulkorbpflicht zwischen den Shootings wird laut Nanzer nicht zur Besserung der Situation beitragen: «Dadurch werden die Tiere nur noch mehr isoliert.» Das Hecheln der Tiere werde verunmöglicht. Viele Maulkörbe sitzen zudem schlecht und verursachen Schmerzen, was die Tiere noch aggressiver machen könnte.

Tierschützerin rät: «Verzichtet auf Fotos!»

Nanzers Anliegen zur Änderung der Tierhaltung stossen bei den Verantwortlichen auf taube Ohren: «Es gibt mehrere Unternehmen, die für die Bernhardiner zuständig sind. Es lässt aber niemand mit sich reden.» Das liege zum Teil auch an der Mentalität. «Ein Besitzer kommt aus Portugal. Dort sieht Tierhaltung anscheinend anders aus als in der Schweiz», so Nanzer.

Eine Anfrage von 20 Minuten bei ebendiesem portugiesischen Fotografen bleibt unbeantwortet. Auf dessen Website wird jedoch beteuert: «Unsere Hunde leben in einem brandneuen Hundehaus, inklusive Bodenheizung.»

Vonseiten der verantwortlichen Foto-Unternehmen erwartet Nanzer deshalb kein Entgegenkommen. Sie rät, das Problem anders anzugehen und als Tourist auf Hunde-Fotoshootings zu verzichten: «Wer dieses Geschäft unterstützt, tut dies auf Kosten der leidenden Bernhardiner.»

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