Maskenpflicht – Bernmobil ärgert sich über Maske im ÖV, Zugpersonal hält dagegen

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MaskenpflichtBernmobil ärgert sich über Maske im ÖV, Zugpersonal hält dagegen

Die Maskendisziplin im öffentlichen Verkehr hat seit den letzten Lockerungsschritten vielerorts nachgelassen. «Aus unserer Sicht wäre eine Aufhebung der Maskenpflicht auch im ÖV angezeigt gewesen», sagt ein Bernmobil-Sprecher.

von
Daniel Krähenbühl
Thomas Obrecht
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Dass die Maskendisziplin im öffentlichen Verkehr nachgelassen hat, stösst vielen Personen sauer auf.

Dass die Maskendisziplin im öffentlichen Verkehr nachgelassen hat, stösst vielen Personen sauer auf.

20min/Marvin Ancian
Beim Zugpersonal ist das Problem bekannt: «Seit der Aufhebung der Maskenpflicht verzeichnen wir mehr Personen, welche die Maske gar nicht oder nicht korrekt tragen», sagt Ralph Kessler, Zentralpräsident der Gewerkschaft des Zugpersonals (SEV-ZPV). 

Beim Zugpersonal ist das Problem bekannt: «Seit der Aufhebung der Maskenpflicht verzeichnen wir mehr Personen, welche die Maske gar nicht oder nicht korrekt tragen», sagt Ralph Kessler, Zentralpräsident der Gewerkschaft des Zugpersonals (SEV-ZPV). 

© nicole pont / Tamedia AG
Zahlreiche Personen weisen darauf hin, dass die Maskenpflicht-Ausnahme für den ÖV für Verwirrung gesorgt hat.

Zahlreiche Personen weisen darauf hin, dass die Maskenpflicht-Ausnahme für den ÖV für Verwirrung gesorgt hat.

TAMEDIA AG

Darum gehts 

Seit rund einer Woche ist das Tragen einer Maske nur noch im öffentlichen Verkehr und in Gesundheitseinrichtungen obligatorisch. Doch in Zügen, im Bus oder Tram verzichten zahlreiche Passagiere auf die Maske, wie eine Umfrage von 20 Minuten zeigt (siehe Box unten). Das stösst auf heftige Kritik: «Wurde heute im Zug von einem Unmaskierten mit den Worten: ‹Daheime bliiebe, wend Angscht häsch› angepöbelt, weil ich eine FFP3-Maske trug. Dürfen sich Durchseuchungsaktivisten jetzt auch im ÖV trotz Maskenpflicht breitmachen?», schreibt etwa ein User. 

Ein weiterer User kritisiert den Umstand, dass im ÖV noch eine Maskenpflicht gelte, beim Einkaufen, im Restaurant oder im Club wiederum nicht: «Es macht wieder mal überhaupt keinen Sinn.»

Im Ausgang ohne Maske, im ÖV mit

Dieser Meinung schliesst sich auch Bernmobil an: «Aus unserer Sicht wäre eine Aufhebung der Maskenpflicht auch im ÖV angezeigt gewesen», sagt Sprecher Rolf Meyer. Die Situation in den Fahrzeugen sei vergleichbar mit Läden, Clubs, Bars oder Restaurants. «Warum der ÖV von den Lockerungen ausgenommen wurde, ist für uns nicht nachvollziehbar, zumal die Auslastung nach wie vor deutlich unter derjenigen vor der Corona-Pandemie liegt.»

Die Maskenpflicht werde unterschiedlich eingehalten, so Meyer. Während die Disziplin im Berufsverkehr nach wie vor gut sei, nehme sie abends oder an den Wochenenden stark ab. «Die Nachvollziehbarkeit ist gerade am Wochenende schwieriger, wenn im Ausgang keine Maske getragen werden muss, vorher und nachher im ÖV aber schon.» Da vermehrt Diskussionen zur Maskenpflicht geführt werden müssten, sei auch der Kontrolldienst stärker gefordert.

Störfaktor für andere Reisende

Beim Zugpersonal ist das Problem bekannt: «Seit der Aufhebung der Maskenpflicht verzeichnen wir mehr Personen, welche die Maske gar nicht oder nicht korrekt tragen», sagt Ralph Kessler, Zentralpräsident der Gewerkschaft des Zugpersonals (SEV-ZPV). Die Zugbegleiterinnen und -begleiter müssten immer häufiger zwischen verärgerten Passagieren vermitteln, es käme häufig zu Diskussionen, so Kessler. «Personen, welche sich im ÖV nicht korrekt verhalten, sind auch für die anderen Reisenden ein Störfaktor.»

Der Entscheid, die Maskenpflicht im ÖV weiterhin aufrecht zu erhalten, sei jedoch korrekt gewesen, sagt Kessler. Nicht zuletzt, um das im öffentlichen Verkehr tätige Personal zu schützen. «Zudem dauern die Kontakte im ÖV im Gegensatz etwa zu Einkaufsläden wesentlich länger und die Reisenden sind unter Umständen über eine längere Zeit sehr nahe beieinander.»

Maske im ÖV als «Minimalkonsens»

Eine einheitliche Regel zur Maskentragpflicht hätte für weniger Verwirrung gesorgt, sagt Soziologie-Professorin Katja Rost. «Personen müssen umlernen – auf einmal gelten wieder völlig neue Regeln, soziale Normen und damit verbundene Sanktionen.» Eine solche Verhaltensumstellung sei schwer. «Hat man diese schliesslich bewerkstelligt, vergessen viele Leute schlicht und ergreifend, dass sie in bestimmten, wenigen Situationen die Maske doch noch tragen sollen.» Früher sei es insofern einfacher gewesen, weil die Maske stets und überall erwünscht gewesen war.

Zumindest psychologisch sei der Entscheid des Bundesrats aber nachvollziehbar, sagt Rost: «Viele Leute würden sich in Verkehrsmitteln nicht sicher fühlen, wenn keine Maskenpflicht bestehen würde.» Hinzu komme, dass nicht alle zu Fuss gehen oder aufs Auto umsteigen könnten, sagt Rost. «Insofern hat man auf gut schweizerische Art einen Minimalkonsens gefunden – zwischen jenen, die nicht frei genug sein können, und denjenigen, die nicht reglementiert genug sein können.»

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