Nach Reklamationen: Bernmobil schränkt Musizieren im ÖV ein
Aktualisiert

Nach ReklamationenBernmobil schränkt Musizieren im ÖV ein

Berner Passagiere nerven sich öfter über musizierende Bettler in Bussen und Trams. Nun wird die Politik aktiv – und Bernmobil reagiert.

von
Sonja Mühlemann
Bernmobil will musizierenden Bettlern das Handwerk legen.

Bernmobil will musizierenden Bettlern das Handwerk legen.

Keystone/Edi Engeler

Die musizierenden Bettler in Bus und Tram verursachen SVP-Stadtrat Henri Beuchat Kopfschmerzen. Er sei von mehreren Bürgern gebeten worden, politisch aktiv zu werden. «Mit einem Vorstoss möchte ich das Musizieren auf dem Streckennetz von Bernmobil unterbinden», sagt Beuchat gegenüber 20 Minuten. «Ich fühle mich genötigt, wenn ich im ÖV unterwegs bin, meine Ruhe haben will und dann auch noch um Geld für das Tröten angegangen werde.»

Bei Bernmobil kennt man das Problem: «Seit Weihnachten stellen wir vermehrt fest, dass Musiker in unseren Transportmitteln unterwegs sind und die Fahrgäste um Kleingeld anbetteln», sagt Bernmobil-Sprecher Rolf Meyer gegenüber 20 Minuten. Fast täglich würden vor allem Fahrende aus Osteuropa in Bussen und Trams musizieren. «Laut Meldungen von Passagieren sind sie vor allem auf der Strecke zwischen Thun- und Helvetiaplatz unterwegs», so Meyer.

Das nervt die Fahrgäste: Die Zahl der Reklamationen hat sich in den vergangenen Monaten gehäuft. Das Transportunternehmen will nun rasch reagieren: «Wir wollen nun die Hausordnung für die Benutzung unserer Fahrzeuge anpassen und das Musizieren ohne Bewilligung verbieten», sagt Meyer. Somit rennt Stadtrat Beuchat offene Türen ein. In den kommenden Wochen will Bernmobil das Reglement anpassen.

Musiker müssen mit Strafanzeigen rechnen

Bis dahin sind dem Unternehmen die Hände gebunden. Zwar ist in der Stadt Bern das Musizieren auf öffentlichem Grund bewilligungspflichtig und die öffentlichen Verkehrsmittel sind darin eingeschlossen. Jedoch umgehen die Bettler dies, indem sie ein Billett kaufen. «Wir können sie daher nur höflich bitten, das Musizieren zu unterlassen. Erst wenn sie Widerstand leisten können wir die Polizei einschalten. Dies ist aber auch immer eine Frage der Verhältnismässigkeit», so Meyer.

Nach Inkrafttreten des Musikverbots im ÖV sollen die Bernmobil-Kontrolleure die Massnahme durchsetzen und bei Verstössen die Musiker anzeigen. Diese müssen laut Meyer mit Bussen oder einer Strafanzeige rechnen.

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