Umfrage – «Berset hat eine staatsmännische Präsenz»

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UmfrageDarum bekommt der SP-Bundesrat bessere Noten als seine Kollegen

Die Umfrage von 20 Minuten und Tamedia zeigt: Alain Berset (SP) ist der beliebteste Bundesrat. Er bekommt von den Befragten Bestnoten. Warum, erklärt ein Kommunikationsexperte.

von
Lisa Horrer
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«Wir Deutschschweizer reagieren positiv, wenn ein Romand Deutsch spricht.» Alain Berset hat trotz aller Kritik an der Corona-Politik die besten Beliebtheitswerte.

«Wir Deutschschweizer reagieren positiv, wenn ein Romand Deutsch spricht.» Alain Berset hat trotz aller Kritik an der Corona-Politik die besten Beliebtheitswerte.

20min/Simon Glauser
Der Gesundheitsminister habe auch etwas Staatsmännisches, sagt Kommunikationsexperte Roland Siegenthaler.

Der Gesundheitsminister habe auch etwas Staatsmännisches, sagt Kommunikationsexperte Roland Siegenthaler.

20min/Marco Zangger
Roland Siegenthaler ist Politik- und Kommunikationsberater.

Roland Siegenthaler ist Politik- und Kommunikationsberater.

privat

Darum gehts

  • Von den amtierenden Mitgliedern des Bundesrats bekommt Alain Berset von den Umfrageteilnehmenden die beste Note – trotz Kritik an seiner Corona-Politik.

  • Das habe mit der Dauerpräsenz sowie mit persönlichen Merkmalen zu tun, sagt Kommunikationsberater Roland Siegenthaler.

  • Bundesrätin Viola Amherd (Mitte) erzielt die zweitbesten Werte, gefolgt von den Bundesräten Guy Parmelin (SVP) und Karin Keller-Sutter (FDP).

SP-Gesundheitsminister Alain Berset hat eine schwierige Zeit hinter sich. Als Mister Corona trat er so oft vor die Medien wie kein anderer Bundesrat seit Ausbruch der Pandemie. Gleichzeitig musste er viel Kritik einstecken und benötigte gar Personenschutz.

Doch wie die Umfrage von 20 Minuten und Tamedia (siehe Box) jetzt zeigt, ist Berset dennoch der beliebteste unter den amtierenden Bundesratsmitgliedern. So stimmen rund 64 Prozent der Umfrageteilnehmenden einer Wiederwahl Bersets zu und mit der Note 4,33 schneidet Berset am besten ab. Bundesrätin Viola Amherd (Mitte) erzielt die zweitbesten Werte, gefolgt von den Bundesräten Guy Parmelin (SVP), Karin Keller-Sutter (FDP) und Simonetta Sommaruga. Wenig Zustimmung zur Wiederwahl erhalten hingegen Ueli Maurer (SVP) und Ignazio Cassis (FDP).

Berset sei schon immer ein beliebter Bundesrat gewesen in den Rankings, sagt Politik- und Kommunikationsberater Roland Siegenthaler. Dass Berset so gut abschneidet, erklärt er auch mit der ständigen medialen Präsenz, er sei so in allen Köpfen. Zudem spiele auch seine Herkunft eine Rolle. Siegenthaler sagt: «Wir Deutschschweizer reagieren immer positiv, wenn ein Romand Deutsch spricht.» Schliesslich habe Berset auch eine «staatsmännische Präsenz», die auf die Bürgerinnen und Bürger wirke.

Durch die Pandemie manövriert

Auch vor der Abstimmung über das Covid-Gesetz im letzten Jahr habe Berset hohe Sympathiewerte gehabt. Dass die Abstimmungsergebnisse über das Covid-Gesetz ähnlich ausfielen wie die Zustimmungswerte zur Wiederwahl, überrascht Siegenthaler nicht, denn: «Berset verkörpert die Corona-Politik geradezu und dieses Thema dominiert aktuell. Wer also Ja zum Covid-Gesetz sagte, sagt meist auch Ja zu Berset.»

Die Umfragewerte zeigen, dass die Zustimmung zur Regierung während Krisen höher sei und Berset repräsentiere die Regierung in der Krise, sagt Roland Siegenthaler. Dennoch widerspricht rund ein Drittel der Schweizer Bevölkerung Bersets Politik und wehrt sich dagegen. Neben Kritik erhielt der Bundesrat gar Drohungen von Massnahmen-Gegnerinnen und -Gegnern.

Überraschende Ergebnisse

Im Kampf gegen das Coronavirus setzen Berset und der Gesamtbundesrat auf weniger drastische Mittel als Deutschland. Die wirtschaftlichen Interessen wurden in der Schweiz höher gewichtet. Berset wählte den «Schweizer Kompromiss», sagt Siegenthaler. Zwischen jenen, die Verschärfungen forderten und jenen, die auf Lockerungen drängten, sei es Berset gelungen, einen «Mehrheitsweg» einzuschlagen. Angesichts steigender Infektionszahlen im Laufe der Omikron-Welle bestätigten sich seine Massnahmen als angemessen.

Wie die anderen Bundesrätinnen und -räte bekommt auch Alain Berset in erster Linie Zustimmung aus dem eigenen Lager. Ausnahme ist gemäss der Umfrage Ignazio Cassis. Dieser erhält auch von den FDP-Wählerinnen und -Wählern lediglich die Note 4,25. Mit der Gesamtnote 3,51 die Zufriedenheit mit der Arbeit des Bundesrats betreffend hat Cassis das schlechteste Ergebnis unter den Bundesrätinnen und -räten gemacht. Neben Cassis bekommt auch Guy Parmelin ein schwaches Ergebnis (3,96) aus den eigenen Reihen, schafft es aber aufgrund der übrigen Bewertungen auf eine höhere Gesamtbewertung (4,14).

Der Umfrage zufolge wünscht sich die Mehrheit der FDP-Sympathisantinnen und Sympathisanten, dass die bisherige Zusammensetzung, auch Zauberformel genannt, des Bundesrats beibehalten wird. Gleichzeitig wünschen sich insbesondere Wählerinnen und Wähler, die mit der SP und den Grünen sympathisieren, dass die Grünen einen Sitz auf Kosten der FDP erhalten.

Über 19’000 Personen haben teilgenommen

Umfrage

19’324 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 8. Und 9. Dezember 2021 an der ersten Umfrage zu den eidgenössischen Wahlen 2023 teilgenommen. Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit LeeWas durchgeführt. LeeWas modelliert die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,1 Prozent.

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