Berset-Sprecher soll «Blick» geheime Corona-Infos geleakt haben

Aktualisiert

Vertrauliche InformationenBersets Sprecher soll «Blick» geheime Corona-Infos zugespielt haben

Alain Bersets Kommunikationschef Peter Lauener soll mit Ringier-CEO Marc Walder in regem Austausch gestanden haben. Dabei soll er dem «Blick» vertrauliche Informationen des Bundes zugespielt haben.

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Alain Bersets Kommunikationschef Peter Lauener (l.) soll dem Ringier-Verlag geheime Corona-Infos des Bundes zugespielt haben.

Alain Bersets Kommunikationschef Peter Lauener (l.) soll dem Ringier-Verlag geheime Corona-Infos des Bundes zugespielt haben.

20min/Simon Glauser
Ringier-CEO Marc Walder habe gemäss eigener Aussage während der Pandemie «vielleicht wöchentlich» Kontakt mit Lauener gehabt. 

Ringier-CEO Marc Walder habe gemäss eigener Aussage während der Pandemie «vielleicht wöchentlich» Kontakt mit Lauener gehabt. 

IMAGO/Sergio Brunetti
Auffällig ist laut CH Media, dass der «Blick» während der Pandemie mehrmals vorzeitig gewusst habe, welche Entscheide der Bundesrat fällen würde.

Auffällig ist laut CH Media, dass der «Blick» während der Pandemie mehrmals vorzeitig gewusst habe, welche Entscheide der Bundesrat fällen würde.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • Alain Bersets Kommunikationschef Peter Lauener soll Ringier geheime Corona-Infos des Bundes zugesteckt haben.

  • Die geleakten Mails interessierten auch die ausserordentliche Staatsanwaltschaft des Bundes.

  • Die Ringier-Medien standen bereits zuvor im Verdacht, auffällig wohlwollend über die Coronapolitik des Bundes zu berichten.

Alain Bersets Kommunikationschef Peter Lauener steht im Verdacht, den Chef des «Blick»-Verlags Ringier mit vertraulichen Informationen zur Coronapolitik des Bundesrats beliefert zu haben. Das zeigen Recherchen von CH Media. Der «Schweiz am Wochenende» liegen demnach Einvernahmeprotokolle und E-Mails vor, die intensive Kontakte zwischen Ringier-CEO Marc Walder und Lauener belegen sollen.

Am 11. November 2020 lautete die Schlagzeile auf der «Blick»-Frontseite «Schweiz bekommt den Impfstoff!» Im Text hiess es dann, die Verhandlungen mit Biontech und Pfizer stünden vor dem Abschluss. Bersets Departement, das Bundesamt für Gesundheit (BAG), halte sich noch bedeckt. Der Bund stehe jedoch bereits länger in Verhandlungen und ein Vorvertrag sei «weit gediehen», schrieb der «Blick» damals weiter. 

Einen Tag vor dieser Exklusivmeldung soll Lauener ein E-Mail an Walder geschickt haben: «Vertraulich einige Infos: Die Gelder für den Impfstoff sollten wir wohl erhalten», hiess es laut CH Media darin. Und weiter: «Wir unterzeichnen nächstens einen Vertrag mit Pfizer, die den angeblich sehr wirksamen Impfstoff entwickelt haben. Der kommt zu zwei anderen bereits reservierten Impfstoffen, die vielversprechend sind.»

Mehrere Exklusivmeldungen nähren den Verdacht

Tatsächlich gab der Bundesrat am besagten 11. November nach seiner Sitzung bekannt, dass er den Kredit zur Beschaffung von Covid-19-Impfstoffen erhöhe, und zwar um 100 Millionen Franken. Er nannte also genau die Summe, die der «Blick» bereits vorab in seinem Artikel kommuniziert hatte. Der Vertragsabschluss zwischen dem Bund und Biontech/Pfizer kam wenig später zustande.

Auffällig ist laut CH Media, dass «Blick» während der Pandemie mehrmals vorzeitig gewusst habe, welche Entscheide der Bundesrat fällen würde. Am 11. März 2021 schrieb die Boulevardzeitung über mögliche Lockerungen der Restriktionen: Private Treffen mit Freunden und Familien in Innenräumen sollen wieder mit zehn statt fünf Personen möglich sein. Und genau dies entschied der Bundesrat am selben Tag.

Einvernahme beim ausserordentlichen Staatsanwalt

Die Mails interessierten auch den ausserordentlichen Staatsanwalt des Bundes. Peter Marti vernahm Lauener am 17. Mai 2022. Lauener war damals Kommunikationschef des Innendepartements (EDI) und musste wegen der sogenannten Crypto-Affäre antraben. Lauener sei dabei auch mit seinem Mailverkehr konfrontiert worden. «Es geht hier um unzählige E-Mails, die Sie als Leiter Kommunikation des EDI an den CEO des Ringier-Verlags, Marc Walder, geschickt haben, wobei Sie ihm immer wieder vertrauliche Informationen zukommen liessen», wird Marti zitiert. 

Am 2. März 2021 habe gemäss des Protokolls der Einvernahme Lauener an Walder geschrieben: «Sehr unter uns: Wir bringen am Freitag ein umfangreiches Testpaket in den Bundesrat, das hoffentlich als Gamechanger hilft. Details kann ich Ihnen zirka am Mittwochabend geben. Es wird geklotzt, nicht gekleckert.» 

Marti habe von Lauener in der Einvernahme wissen wollen, wie er dazu komme, «Marc Walder an einem Dienstag Informationen zukommen zu lassen über etwas, was am Freitag dann im Bundesrat diskutiert werden wird?» Lauener soll mit «Ich sage nichts» geantwortet haben. Ringier-CEO Walder selbst sagte gemäss des Einvernahmeprotokolls, er habe während der Pandemie «vielleicht wöchentlich» Kontakt mit Lauener gehabt. 

Video von Walder liess aufhorchen

Die Ringier-Medien standen bereits vor der Veröffentlichung dieser Recherche im Verdacht, mit auffallendem Wohlwollen über die Coronapolitik des Bundes berichtet zu haben. Ein Video vom 3. Februar 2021 liess aufhorchen. Darin sagte Walder, dass er seine Redaktionen in allen Ländern angewiesen habe, die Regierung während der Pandemie zu stützen: «Wir hatten in allen Ländern, wo wir tätig sind – und da wäre ich froh, wenn das in diesem Kreis bleibt – auf meine Initiative hin gesagt: ‹Wir wollen die Regierung durch unsere mediale Berichterstattung unterstützen, dass wir alle gut durch die Krise kommen.›» 

Auch der «Tages-Anzeiger» habe wiederholt frühzeitig von den möglichen neuen Entscheiden der Landesregierung zur Coronapolitik gewusst. Im Fall der TX Group, die auch 20 Minuten herausgibt, gebe es aber keine Hinweise darauf, dass das Management oder gar der CEO direkt involviert gewesen seien.

Ob bei Alain Berset nicht der Verdacht aufgekommen sei, dass in seinem Departement zu möglichen Amtsgeheimnisverletzungen gekommen sei, wollte CH Media wissen: «Wir nehmen dazu keine Stellung», lautete die Antwort von Emma Bossin, Mediensprecherin des Innendepartements.

Auf eine Anfrage von CH Media zu den E-Mails habe Peter Lauener nicht reagiert. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

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Branchenhilfe.chRatgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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