Über zehn Millionen Dosen: Berset nährt Hoffnungen auf einen normalen Sommer

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Über zehn Millionen DosenBerset nährt Hoffnungen auf einen normalen Sommer

Bis Ende Juli sollen der Schweiz mindestens 10.5 Millionen Impfdosen zur Verfügung stehen. Die grössten Lieferungen erwartet der Bund aber erst ab Mai.

von
Daniel Waldmeier

«Das Impfziel bleibt realistisch», sagt Berset.

Bundesrat, Kantone und die Länderchefs der Hersteller Pfizer und Moderna traten nach der zuletzt scharfen Kritik an der schleppenden Impfkampagne vor die Medien. Dabei verteidigte Gesundheitsminister Alain Berset erneut die Impfstoffbeschaffung. Auch mit dem Verlauf der Impfkampagne zeigte er sich äusserst zufrieden.

Berset präzisierte auch das Impfziel: Bis Ende April sollen alle Risikogruppen geimpft sein, bis Ende Juni sollen alle impfwilligen Erwachsenen zumindest eine erste Dosis erhalten – bislang hiess es, bis Ende Juni sollen alle geimpft sein. Bis Ende Juli stünden mindestens 10.5 Millionen Impfdosen zur Verfügung, so Berset. Das reiche, um 75 Prozent der erwachsenen Bevölkerung zu impfen. Damit könnten laut dem Gesundheitsminister im Sommer auch die Corona-Massnahmen fallen. «Ziel ist, dass wir dann in Richtung Normalität gehen können.»

Parmelin beunruhigt über Exportkontrollen der EU

Das Treffen zwischen Bund und Kantonen diente dazu, die Kantone darauf vorzubereiten, dass sie gemäss Plan ab Mai vor einer riesigen logistischen Herausforderung stehen: Dann sollen in einem Monat drei Millionen Dosen ins Land kommen – mehr als im ersten Quartal des Jahres zusammen.

Sorgen bereitet Bundespräsident Guy Parmelin derweil, dass die EU-Kommission die Kontrolle von Impfstoff-Exporten auf die Schweiz ausgedehnt hat (siehe Box). Damit könnte die EU theoretisch den Moderna-Impfstoff blockieren, der vor der Lieferung in die Schweiz in der EU abgefüllt wird. «Wir verfolgen die Situation mit einer gewissen Beunruhigung», so Parmelin. Exportblockaden hätten einen Einfluss auf die komplexen Produktionsketten. Zahlreiche EU-Länder sähen die Massnahme aber ebenfalls skeptisch, weil es am Ende nur Verlierer gebe: «Man würde sich in den eigenen Fuss schiessen.»

«Es gibt eine erhebliche Verzögerung bei den Impfungen»

Schon ohne unvorhergesehene Zwischenfälle teilen nicht alle Gesundheitspolitiker die Meinung des Bundesrates, dass die Schweiz beim Impfen auf Kurs sei. So kritisiert FDP-Nationalrat und Unternehmer Marcel Dobler, dass die Impfkampagne viel zu langsam in die Gänge komme. «Es gibt eine erhebliche Verzögerung bei den Impfungen. Es ist fraglich, ob bis im Sommer alle Impfwilligen ein Impfzertifikat bekommen, weil es zwei Impfungen braucht und dieses erst einige Zeit nach der Impfung ausgestellt werden dürfte.» Der Impfpass könnte aber zur Voraussetzung für sorgloses Reisen werden.

Ohnehin rechne der Bund sehr optimistisch: «Das Problem ist, dass die grossen Lieferungen auf einmal kommen sollen im Sommer. Ich zweifle daran, dass die Kantone diese Mengen sofort bewältigen können.» Auch müssten viele Covid-Massnahmen spätestens dann aufgehoben werden, wenn alle Risikopatienten geimpft seien.

«Die USA haben ihre Marktmacht ausgespielt»

Das Glas halb voll sieht derweil GLP-Nationalrat Jörg Mäder: «Die Aussichten sind gut. Natürlich sind andere weiter. Die USA etwa haben einfach ihre Marktmacht ausgespielt.» Die Kritik am Bund der letzten Wochen sei darum zu hart: «Hier war der Wunsch Vater des Gedankens.»

Ab wann wieder Normalität herrsche, sei schwierig zu prognostizieren – dank der Impfung rücke sie aber in greifbare Nähe. «Die Zahlen werden sinken, das sieht man schon jetzt bei den Hospitalisationen der über 80-Jährigen. Wir dürfen jetzt aber nicht zu früh aufmachen – hier wird es in den nächsten Monaten ein grosses Hickhack geben.»

Streit um Impfstoff-Lieferungen

Die EU will nach eigenen Angaben für Gerechtigkeit bei den Impfstoff-Lieferungen sorgen. Sie hat darum am Mittwoch ihre Anfang Februar eingeführte Exportkontrolle erweitert. Sind beispielsweise in einem Land viel mehr Menschen geimpft als in der EU und exportiert dieses Land selbst keinen Impfstoff, will die EU eine Ausfuhr aus einem EU-Staat blockieren. Zuvor war die Schweiz zusammen mit 17 Partnerstaaten nicht von den Exportkontrollen betroffen. Mit diesen zielt die EU jedoch in erster Linie auf Grossbritannien. Brüssel und London streiten sich um Lieferungen des Impfstoffs von AstraZeneca, von dem weniger als vertraglich vereinbart in der EU ankommt.

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