Gefährdet das jetzt Reisepläne?: Berset überrumpelte mit Testoffensive Apotheken – Termine werden knapp
Publiziert

Gefährdet das jetzt Reisepläne?Berset überrumpelte mit Testoffensive Apotheken – Termine werden knapp

Vor dem Familienfest zum Schnelltest in die Apotheke: Dieser Aufruf von Alain Berset erwischt Apotheken auf dem falschen Fuss. Vielerorts gibt es keine Termine mehr vor Ostern.

von
Pascal Michel
1 / 6
Apotheken sollten ein wichtiger Bestandteil der Testoffensive des Bundesrats sein. 

Apotheken sollten ein wichtiger Bestandteil der Testoffensive des Bundesrats sein.

20min/Taddeo Cerletti
Jeder Schweizer und jede Schweizerin soll gemäss Bundesrat pro Monat fünf Selbsttests beziehen können. 

Jeder Schweizer und jede Schweizerin soll gemäss Bundesrat pro Monat fünf Selbsttests beziehen können.

Viselio
Dabei hat Berset nicht nur eine Testoffensive angekündigt. Die Experten des Bundes riefen die Bevölkerung explizit dazu auf, sich vor dem Familienfest an Ostern testen zu lassen. 

Dabei hat Berset nicht nur eine Testoffensive angekündigt. Die Experten des Bundes riefen die Bevölkerung explizit dazu auf, sich vor dem Familienfest an Ostern testen zu lassen.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • Bei den Apotheken kommt es vor Ostern zum Test-Stau.

  • Vielerorts sind Termine für Schnelltests vor Ostern ausgebucht.

  • Das liegt auch an der von Alain Berset angekündigten Test-Offensive.

  • Die oberste Apothekerin sagt: «Wir können die Herausforderung in einem so kurzen Zeitraum nicht vollständig bewältigen.»

  • Das BAG will aber nun die Vorgaben für die Apotheken lockern.

Neun Apotheken der Coop-Vitality-Gruppe bieten in der Schweiz PCR- oder Antigentests an. Termine vor Ostern gab es am Donnerstag laut Online-Tool nur noch in zwei Filialen – oder auf gut Glück per Telefon.

Auch die Zürcher Apotheke Rigiblick war am Donnerstagmittag komplett ausgebucht: Für die nächsten zwei Wochen gebe es keine Termine mehr, hiess es bei einer telefonischen Anfrage. Man erhöhe aber gerade die Kapazitäten.

In der Berner Amavita Apotheke am Bahnhof sieht es ähnlich aus: Erst am 5. April gibt es wieder einen Slot für einen Schnelltest im Onlineformular. Dasselbe Bild zeigt sich bei den PCR-Tests: Alles ausgebucht bis nach Ostern.

Bund rief zum Testen auf

Dabei hat Alain Berset nicht nur eine Test-Offensive angekündigt, am gestrigen Point de Presse haben die Experten des Bundes die Bevölkerung explizit dazu aufgerufen, sich vor dem Familienfest an Ostern in einer Apotheke testen zu lassen. Es gebe genügend Tests, sagte Anné Levy.

Die Apotheken haben aber nicht genügend Personal und Ausrüstung, um Tests anzubieten. Laut dem Verband Pharmasuisse haben von 1800 Apotheken nur knapp 300 Schnelltests im Angebot. Der Verband bestätigt den Ansturm: «Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nächste Woche hoch sein wird.»

Pharmasuisse-Präsidentin Martine Ruggli sieht sich überwältigt von Alain Bersets Aufruf, dass man sich in der Apotheke testen lassen solle: «Wir können die Herausforderung in einem so kurzen Zeitraum nicht vollständig bewältigen. Aber wir sind in aktiver Diskussion mit der Apothekengemeinschaft, um zu sehen, wie wir die Versorgung erhöhen können.»

«Dasselbe Problem wie beim Impf-Start»

Gesundheitsexperte Felix Schneuwly von Comparis ortet das Hauptproblem bei den unterschiedlichen und strengen Vorschriften, die die Kantone den Apotheken machen. Auch hier gibt es wieder 26 eigene Lösungen. Hier sei es nachvollziehbar, dass nicht jede Apotheke einen eigenen Raum fürs Testen zur Verfügung habe, sagt Schneuwly.

«Es ist dasselbe Problem, das wir schon beim Impf-Start hatten: Jeder Kanton hat eine eigene Lösung parat.» Dies sei die Folge davon, dass der Bund seine Test-Offensive beschlossen habe, ohne sich vorhin mit den Apothekern und anderen Involvierten abzustimmen. «Das führt zu Chaos, hat die Apotheker überrumpelt und verunsichert schlussendlich die Menschen, die sich löblicherweise eigentlich testen lassen wollen.»

Der Test-Engpass hat auch Folgen für Reisende aus der Schweiz: So verlangt Italien bei der Einreise mindestens einen Schnelltest. Felix Schneuwly hat Verständnis dafür, dass die aktuelle Test-Knappheit nun Reisende frustriert. «Damit wird die Planungssicherheit zusätzlich unnötig erschwert», sagt er. Zudem könne man ohne PCR-Tests, die teils auch ausgebucht sind, gewisse Flüge gar nicht mehr buchen.

Apothekerverband will mehr testen

Pharmasuisse fordert nun, dass die Auflagen für Tests in den Apotheken gelockert werden. «Da die kantonalen Anforderungen hoch sind, sind bereits dort, wenn möglich, Anpassungen nötig. Der Bedarf an personellen Ressourcen ist ein nicht zu unterschätzendes Problem, das aber auch nicht von heute auf morgen gelöst werden kann.»

Das BAG hat den Handlungsbedarf erkannt. Anne Lévy kündigte am Donnerstag an, man sei dabei, die Vorgaben zu lockern. Es solle beispielsweise nicht mehr notwendig sein, dass Apotheken einen separaten Eingang oder Raum fürs Testen haben müssen.

Wichtig ist laut Schneuwly, dass das BAG die geplante Einführung der Selbsttests für den Heimgebrauch besser plant und kommuniziert. Diese Tests sollen ebenfalls in Apotheken erhältlich sein, werden derzeit aber noch von Swissmedic validiert.

«Selbsttests aus der Apotheke können einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Virus leisten», sagt Schneuwly. «Damit diese aber rasch und flächendeckend zugänglich sind, reicht eine Ansage des BAG nicht. Es braucht vor der Ansage eine mit den Kantonen und Apotheken abgestimmte und funktionierende Logistik», sagt Schneuwly.

Ob die Selbsttest-Zulassung noch vor Ostern umgesetzt wird, ist unklar. Was also, wenn die Apotheke in der Nachbarschaft ausgebucht ist? Der Verband Pharmasuisse liefert eine Übersicht von allen Apotheken, die Tests anbieten. Alternativ bieten auch Test-Center sowie Ärzte PCR- sowie Schnelltests an.

Das sagt das BAG

Dass nur ein Bruchteil der Apotheken derzeit Antigen- oder PCR-Tests anbietet, liegt laut BAG an den Kantonen und den Leistungserbringern selbst, wie das Amt auf Anfrage schreibt. «Wir haben Verständnis dafür, dass sie eine gewisse Zeit benötigen, um die erweiterte Teststrategie umzusetzen», so eine BAG-Sprecherin. Bei der Einführung der Selbsttests sieht das Amt primär die Anbieter, die diese Tests verkaufen wollen, in der Pflicht: «Wie schnell ein Selbsttest zum Einsatz kommen kann, hängt unter anderem von den Gesuchen ab, die eingehen. Realistisch ist voraussichtlich Anfang April», so die Sprecherin. Zudem validiert Swissmedic die Corona-Tests für zu Hause im Moment noch.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Deine Meinung

435 Kommentare