Unmut in der Regierung: Berset verschwieg seinen Kollegen im Bundesrat den Irrflug in Frankreich

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Unmut in der RegierungBerset verschwieg seinen Kollegen im Bundesrat den Irrflug in Frankreich

Bundesrat Alain Berset hätte es gerne unter dem Deckel gehalten, dass seinetwegen französische Kampfjets aufstiegen. Nun wurde bekannt, dass er das auch der Landesregierung verschwieg. Es ist nicht das erste Mal, dass Berset mit Geheimnistuerei auffällt.

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Bundesrat Alain Berset sorgt schon wieder ungewollt für Schlagzeilen. 

Bundesrat Alain Berset sorgt schon wieder ungewollt für Schlagzeilen. 

Adrian Moser
Die Flugroute von Alain Berset – hier flog er am 5. Juli ein Kreisli. Wo sich der Vorfall genau ereignet hat, ist nicht bekannt.

Die Flugroute von Alain Berset – hier flog er am 5. Juli ein Kreisli. Wo sich der Vorfall genau ereignet hat, ist nicht bekannt.

Alain Berset wurde von der Luftpolizei «angehalten». 

Alain Berset wurde von der Luftpolizei «angehalten». 

Simon Glauser

Darum gehts

  • Bundesrat Alain Berset verschwieg der Landesregierung, dass er bei einem Privatflug in Frankreich von der Luftwaffe vom Himmel geholt wurde.

  • Es ist nicht das erste Mal, dass Berset seinen Kollegen und Kolleginnen wichtige Informationen vorenthielt.

  • Bürgerliche Parlamentarier wollen Berset im Herbst bei der Wahl zum Bundespräsidenten abstrafen.

SP-Bundesrat Alain Berset geht in seiner Freizeit gerne auch mal in die Luft: Der Magistrat besitzt seit einigen Jahren einen Pilotenschein für Kleinflugzeuge und mietet sich ab und zu eine Maschine. So auch am 5. Juli, als Berset aus der Westschweiz nach Frankreich flog und dort offenbar einer militärischen Einrichtung zu nahe kam: Weil er in eine Sperrzone flog, stiegen zwei Rafale-Kampfjets auf und zwangen die Cessna von Berset zur Landung. Nachdem der Sachverhalt und die Identität des Bundesrates geklärt waren, durfte dieser seinen Flug fortsetzen.

Berset war die Angelegenheit offenbar peinlich – jedenfalls behielt er die Sache so lange für sich, wie es ihm möglich war. Generell hatte er sogar sein Hobby nicht öffentlich machen wollen. «Fast niemand weiss, dass ich fliege, dass ich diese kleinen Flugzeuge steuern kann, es ist ein Teil meines geheimen Gartens», zitiert der «Blick» Berset. 

Doch nicht nur der Öffentlichkeit, sondern offenbar auch seinen Kolleginnen und Kollegen im Bundesrat verschwieg er den Vorfall, wie der «SonntagsBlick» nun berichtet. Gemäss dem Bericht sollen die Mitglieder der Landesregierung erst aus den Medien davon erfahren haben. «Die Situation rechtfertigte keine Information des Bundesrates», so Bersets Sprecher Christian Favre.  

Festnahme von Kadermitarbeiter verschwiegen 

Es ist offenbar nicht das erste Mal, dass der EDI-Vorsteher Informationen an den Gesamtbundesrat zurückhält. So soll Berset am 18. Mai bei einer Sitzung des Bundesrats dem Gremium verschwiegen haben, dass sein Medienchef Peter Lauener wegen Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung im Zusammenhang mit der Crypto-Affäre bereits seit 24 Stunden in Zürcher Untersuchungshaft sass. Wie es im Bericht heisst, soll ein Mitglied des Bundesrats ausser sich gewesen sein, als der Sachverhalt publik wurde. Lauener kam am 22. Mai wieder frei, verzichtete dann aber auf geplante Auftritte am Wef. Zwei Wochen später schied er aus seinem Amt aus.

Bersets Zurückhaltung in Sachen Information an den Bundesrat stösst bei vielen Politikerinnen und Politikern auf Unverständnis. Und es sagt laut dem «SoBli» einiges über den Zustand der Regierung aus. Man sehe, dass sich die Bundesräte nicht mehr über den Weg trauten, sagt etwa SVP-Aussenpolitiker Roland Rino Büchel (56). «Das Schlimme ist, dass dieses Misstrauen untereinander gerechtfertigt scheint. Dieses Gremium ist in einer schwierigen Phase», wird er zitiert. Und FDP-Ständerat Damian Müller findet, die genannten Vorfälle hätten durchaus einen politischen Aspekt – Berset «hätte seine Kollegen ins Bild setzen müssen».

Büchel gibt sogar an, dass er Berset im Herbst nicht zum Bundespräsidenten wählen werde, wie das vorgesehen ist. Andere Mitglieder der Bundesversammlung wollen es ihm gleichtun – und Berset so mit einem schlechten Wahlresultat symbolisch einen Tadel erteilen.

(trx)

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