Das Weltmeer ist nicht genug: Bertarelli wird Banker
Aktualisiert

Das Weltmeer ist nicht genugBertarelli wird Banker

Der Biotech-Milliardenerbe und Alinghi-Segler Ernesto Bertarelli pustet sein Family Office zu einem global tätigen Vermögensverwalter auf. Ziel: Weltklasse.

von
Othmar Bamert
Aufkreuzen in die Spitzengruppe des Investmentbankings: Milliardär Ernesto Bertarelli.

Aufkreuzen in die Spitzengruppe des Investmentbankings: Milliardär Ernesto Bertarelli.

Nachdem Ernesto Bertarelli mit seiner Alinghi im America's Cup gegen Oracle-Besitzer Larry Ellison die Segel streichen musste, hegt er wieder grosse Pläne. Nach den Siegen auf den Weltmeeren strebt der Milliarden-Erbe nun nach Einfluss in der Welt der Investmentbanken.

Laut US-Presseberichten soll das familieneigene Vermögensverwaltungsbüro Kedge Capital (Kedge engl. für Wurfanker) zu einem «world class asset management business» aufgebaut werden. Dazu soll das Family Office global vermarktet und damit «substanzielles neues Kapital gewonnen werden», wird zitiert. Bei Kedge Capital selbst gibt man sich diskret. Auf der Website erscheint lediglich ein Login-Maske. Telefonische Kontaktaufnahme ist unmöglich.

Übernahmen geplant

Hinter Kedge Capital verbirgt sich bereits jetzt ein grösseres Unternehmen mit reichlich Kapital. Die Firma – deren oberstes Ziel bisher des Mehren des Wohlstands der Bertarellis war – beschäftigt bereits jetzt über hundert Spezialisten in London und Genf sowie auf der Steuerparadies-Insel Jersey im Ärmelkanal. Neben Vermögensteilen der Familie Bertarelli werden Chalets und Hotels, Ländereien in Argentinien und auch eine Diamantmine verwaltet. Ernesto Bertarelli erbte 1998 nach dem Tod seines Vaters Fabio das weltweit drittgrösste Biotech-Unternehmen Serono. Der Verkauf des Unternehmens 2007 an den Konkurrenten Merck brachte dem leidenschaftliche Segler ein Vermögen von rund 10 Milliarden Franken ein.

Doch die Bertarelli-Privatschatulle ist nicht genug für Ernestos Weltklasse-Pläne: Laut «Financial Times» stellt er hunderte von Millionen aus seinem Privatvermögen für die Übernahme von weiteren Investment-Firmen bereit. Voraussetzung: Die Kandidatinnen sind erfolgreich und gut bestückt; ideal seien Finanzboutiquen mit bis zu 12 Milliarden Franken verwaltetem Vermögen.

Starbanker an Bord

Wie damals für sein von der UBS mitfinanziertes Alinghi-Abenteuer lässt Bertarelli auch für seine Investmentbank nur erstklassige Steuermänner ans Ruder. Als CEO von Kedge Capital wird Jon Little gehandelt, bisher Leiter Vermögensverwaltung des weltweit tätigen Finanzdienstleisters BNY Mellon. Zuvor arbeitete Little unter anderem für JP Morgan und Fidelity und gilt in Finanzkreisen als Star. Gegenüber der Branchen-Website «Bank Investment Consultant» sagte eine Kedge-Sprecherin, die Wahl von Jon Little sei «die Speerspitze einer neuen weltweiten Asset-Management-Initiative». Bereits vor Jahren warb das Family-Office eine ganze Spezialistencrew von Goldman Sachs an.

Um Alinghi wurde es ruhig

Dass Ernesto Bertarelli seinen Ehrgeiz bald einem neuen Ziel zuwenden würde, war zu erwarten. Im Februar verlor er vor der Küste Valencias mit seinem Monster-Katamaran Alinghi den America's Cup gegen das Team von Oracle-Besitzer Larry Ellison. Dieser gewann dank eines gigantischen Dreirumpfboots mit revolutionären Flügelsegel. Noch es ist ungewiss, wann, wo und in welchen Bootsklassen der 34. America's Cup ausgetragen wird.

Im Nebel scheint auch die einstige Vorzeige-Yacht Alinghi zu treiben. Es ist unklar, ob es mit dem Schweizer Segelabenteuer überhaupt weitergeht. Die Schlüsselfiguren der Crew sind zur Konkurrenz abgewandert, Verträge mit weiteren Team-Mitgliedern wurden nicht verlängert. Nach der schmerzlichen Niederlage mit Alinghi setzt Ernesto Bertarelli die Segel nun in einem anderen stürmischen Gewässer – im Investmentbanking.

Deine Meinung