Aktualisiert 27.08.2012 06:38

Bart-KriegBerüchtigter Bischof steht vor Gericht

Es ist ein bizarrer Fall, der von Montag an in Ohio verhandelt wird. Unter Anwendung von Gewalt sollen Anhänger einer Sekte mehreren Mitgliedern die Haare gestutzt haben – im Auftrag ihres Anführers.

Ein eher ungewöhnlicher Fall beschäftigt derzeit ein Gericht in Amerika. Gleich 16 Männer und Frauen einer amischen Glaubensgemeinschaft müssen sich in Cleveland im Bundesstaat Ohio dafür verantworten, ihren Glaubensbrüdern wegen religiöser Differenzen die Bärte und Haare abrasiert zu haben.

In der Kultur der Amischen - die einen Grossteil des technischen Fortschritts ablehnen - ist diese Rasur eine tiefe Beleidigung und auch die Staatsanwaltschaft nimmt den Fall nicht auf die leichte Schulter. Sie wirft Samuel Mullet, dem Anführer einer amischen Splittergruppe, und den anderen Angeklagten Hassverbrechen vor. Bei einer Verurteilung drohen den Angeklagten Haftstrafen von 20 Jahren oder mehr.

Berüchtigter Bischof

Innerhalb der Glaubensgemeinschaft der Amischen und ihrer Splittergruppen sind Auseinandersetzungen über die Beibehaltung ihres einfachen Lebens und der Zukunft ihres Glaubens nicht ungewöhnlich. Doch in diesem Fall steht vor allem Sektenführer Mullet im Visier der Behörden. Er hat sich mit seinen Gefolgsleuten, dem Bergholz-Clan, vor fast 20 Jahren in die Hügel im Osten von Ohio zurückgezogen.

Schon mehrfach fiel er den Behörden auf und es wurde gegen ihn ermittelt. Unter anderem soll er Prügelstrafen gegen ungehorsame Sektenmitglieder zugelassen und Sex mit verheirateten Frauen gehabt haben, um sie zu «reinigen».

Im vergangenen Herbst soll er laut der Staatsanwaltschaft seinen Anhängern befohlen haben, Kritikern die Haare zu stutzen. Die Mitangeklagten seien auf sein Geheiss hin in vier Häuser in verschiedenen Ortschaften eingedrungen und hätten dort ihren eigenen Religionsmitgliedern die Haare gestutzt. Männern wurden die Bärte und Frauen die Zöpfe abgeschnitten.

«Kircheninterne Massnahmen»

Der 66-jährige Mullet und die übrigen Angeklagten - darunter vier seiner Kinder, sein Schwiegersohn und drei Neffen - weisen die Anschuldigungen zurück und haben die US-Regierung aufgefordert, sich nicht in kircheninterne Disziplinierungsmassnahmen einzumischen. Eine Verständigung im Strafverfahren, durch die sie maximal zwei bis drei Jahre Haft hätten in Kauf nehmen müssen, lehnten sie ab. (dapd)

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