Aktualisiert 19.10.2006 12:22

Berufliche Selbstständigkeit verliert leicht an Bedeutung

Die berufliche Selbstständigkeit hat in der Schweiz in den vergangenen zehn Jahren leicht an Bedeutung verloren. Der Anteil der Selbstständigen an der gesamten erwerbstätigen Bevölkerung sank von 14,7 auf 14,0 Prozent.

Damit liegt die Schweiz auch leicht unter dem EU-Durchschnitt von 15,0 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Donnerstag mitteilte. Total gab es in der Schweiz im zweiten Quartal 2005 laut BFS 557 000 hauptberuflich Selbstständigerwerbende.

Die Selbstständigerwerbenden arbeiten im Schnitt 51,7 Stunden pro Woche (10 Stunden mehr als Angestellte) und leisten sich nur 19,7 Tage Ferien pro Jahr, 5,8 Tage weniger als Angestellte. Zudem arbeiten sie vermehrt auch am Abend, während der Nacht und an Wochenenden.

Gemäss BFS ist aber schwierig zu bestimmen, ob diese a priori negativen Arbeitsbedingungen als Zwang empfunden werden oder als Folge «einer anregenden beruflichen Aktivität» interpretiert werden sollen.

Männerdomäne

Wie die Auswertung der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) weiter zeigt, ist die selbstständige Erwerbsarbeit eine Männerdomäne geblieben. Bei den Männern beträgt der Anteil 16,8 Prozent, bei den Frauen 10,6 Prozent.

Dieser Befund gelte, auch wenn das Geschlecht von den übrigen Faktoren wie Bildungsniveau oder Wirtschaftsbranche isoliert werde. Frauen blieben weniger lang selbstständigerwerbend als Männer, insbesondere wenn für sie dabei im Mittelpunkt stehe, Familie und Arbeit in Einklang zu bringen, schreibt das BFS.

Auch nach Nationalität ergeben sich klare Unterschiede: Der Anteil an Selbstständigerwerbenden ist bei den Ausländern (8,2%) deutlich tiefer als bei den Schweizern (15,6%). Als Gründe vermutet das BFS unter anderem eine ungenügende Integration oder die Unmöglichkeit für Ausländer der ersten Generation, einen Familienbetrieb zu übernehmen.

Interessant für Rentner

Die Selbstständigerwerbenden sind im Durchschnitt deutlich älter (47,1 Jahre) als die Arbeitnehmenden (39,2 Jahre). Einerseits sei oftmals berufliche Erfahrung erforderlich für eine erfolgreiche Selbstständigkeit, andererseits seien insbesondere Menschen nach dem gesetzlichen Rentenalter selbstständig erwerbstätig, haben sie doch eine Rente als Absicherung im Rücken.

Erwerbslose und Nichterwerbstätige wählen eher die Selbstständigkeit als Angestellte. Dies gilt auch für Menschen, die einen Uni- oder Fachhochschulabschluss in der Tasche habe.

Insbesondere entsprechende Diplome verleiten zur selbstständigen Erwerbstätigkeit. Die zeigt laut BFS, wie wichtig die Bildung für den Arbeitsmarkt und die Volkswirtschaft ist.

(sda)

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