Winterthur/Münsterlingen TG: Berufsbetrügerin flieht aus kleiner Verwahrung
Aktualisiert

Winterthur/Münsterlingen TGBerufsbetrügerin flieht aus kleiner Verwahrung

Sie hat Freunde, Bekannte, einen Pfarrer, ja sogar dessen verstorbene Frau finanziell ausgenommen: Nun ist die Betrügerin aus einer geschlossenen Klinik entwichen.

von
A. Szenogrady
Hier aus der psychiatrischen Klinik in Münsterlingen TG ist die Betrügerin geflohen.

Hier aus der psychiatrischen Klinik in Münsterlingen TG ist die Betrügerin geflohen.

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Die heute 52-jährige Schweizerin aus Winterthur hat in den letzten Jahren als angebliche Millionenerbin zahlreiche Personen hinters Licht geführt und insgesamt um rund 200'000 Franken geprellt. Beim Hauptopfer handelte es sich um ihren festen Winterthurer Freund, den sie ausnahm wie eine Weihnachtsgans. So plünderte sie regelmässig unbemerkt dessen Bankkonto oder nahm in seinem Namen ohne sein Wissen hohe Geldkredite auf.

Als der Geschädigte den Betrug bemerkte, hatte er bereits über 122'000 Franken an seine Freundin verloren.

Bei der Beschuldigten handelte es sich um eine klassische Hochstaplerin, die neben ihrem Partner auch diverse weitere Personen betrog. So eine Kollegin, der sie sich als Sozialarbeiterin verkaufte und ihr über 1000 Franken abknöpfte.

Im Sommer 2013 suchte sie sich sogar einen reformierten Pfarrer aus dem Bezirk Pfäffikon ZH als Opfer aus. Sie gewann sein Vertrauen und konnte an seinem Wohnort seine Kreditkarte samt PIN-Code entwenden. Worauf sie regelmässig seine Konten plünderte und diverse Warenkäufe sowie Dienstleistungen für über 18'000 Franken tätigte.

Sie gab sie als die tote Politikerin aus

Die Betrügerin zeigte auch wenig Respekt vor Toten. So stahl sie am Wohnort des Pfarrers auch die Globus-Pluscard seiner verstorbenen Ehefrau. Bei dieser handelte es sich um eine frühere Gemeinderätin. Fest steht, dass sich die Täterin kaltschnäuzig rund 50-mal als die tote Politikerin ausgab und innert weniger Wochen Waren für 7000 Franken bezog.

Im September 2013 nahm die Polizei die Betrügerin fest.

Das Bezirksgericht Winterthur verurteilte die Frau im Februar 2015 wegen gewerbsmässigen Betrugs, Urkundenfälschung, Veruntreuung und weiterer Delikte zu einer hohen, unbedingten Freiheitsstrafe von 40 Monaten. Hinzu kam eine stationäre Massnahme zur Behandlung von psychischen Störungen.

Die Beschuldigte legte Berufung gegen den Winterthurer Entscheid ein. Wobei sie sich gleichzeitig aber auch einsichtig zeigte und im letzten September in der psychiatrischen Klinik Münsterlingen TG die Therapie in Angriff nahm.

Sie ist zur Verhaftung ausgeschrieben

Wie nun das Zürcher Obergericht mitteilte, hat die Beschuldigte inzwischen das Winterhurer Verdikt weitgehend akzeptiert – bis auf die Herausgabe von einigen Kleidungsstücken. Aus dem Entscheid des Obergerichts geht allerdings auch hervor, dass sich die Beschuldigte unterdessen ihrer strafrechtlichen Verantwortung entzogen hat und aus der kleinen Verwahrung geflohen ist. Laut einer kürzlich erfolgten Meldung des Amtes für Justizvollzug befindet sich die Mutter von zwei Kindern auf der Flucht. Sie ist jedenfalls zur Verhaftung ausgeschrieben.

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