Neuenburger- und Murtensee: Fischer dürfen jetzt Vögel schiessen
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Neuenburger- und MurtenseeFischer dürfen jetzt Vögel schiessen

Den Kormoranen geht es an den Kragen: Ab Dienstag dürfen Berufsfischer auf dem Neuenburgersee und dem Murtensee die fischfressenden Wasservögel abschiessen.

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Mickrige Erträge: Den Berufsfischern im Dreiseenland gingen in den letzten Jahren zunehmend weniger Felchen ins Netz.

Mickrige Erträge: Den Berufsfischern im Dreiseenland gingen in den letzten Jahren zunehmend weniger Felchen ins Netz.

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Für die Fischer ist klar, wer die Schuld an der Misere trägt: Die Kormorane.

Für die Fischer ist klar, wer die Schuld an der Misere trägt: Die Kormorane.

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Ab Dienstag nun haben die Angler im Kampf gegen die fischfressenden Wasservögel einen Trumpf im Ärmel: In einem Umkreis von 100 Metern um ihre Fischereigeräte dürfen sie Kormorane abschiessen.

Ab Dienstag nun haben die Angler im Kampf gegen die fischfressenden Wasservögel einen Trumpf im Ärmel: In einem Umkreis von 100 Metern um ihre Fischereigeräte dürfen sie Kormorane abschiessen.

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Darum gehts

  • Ab dem 1. September dürfen Berufsfischer auf dem Neuenburger- und dem Murtensee Kormorane erlegen.
  • Grundlage bildet ein spezielles Jagdpatent, das die Kantone Freiburg, Neuenburg und Waadt geschaffen haben.
  • Die wachsende Population der schwarzen Vögel ist den Fischern seit langem ein Dorn im Auge.

Berufsfischer auf dem Neuenburger- und dem Murtensee klagen seit Jahren über Ertragsausfälle aufgrund der gefiederten Konkurrenz. Vor allem der Kormoran sei schuld daran, dass zunehmend weniger Felchen in ihren Netzen landeten, so der Tenor.

Ab Dienstag nun haben die Angler im Kampf gegen die fischfressenden Wasservögel einen Trumpf im Ärmel: In einem Umkreis von 100 Metern um ihre Fischereigeräte dürfen sie Kormorane abschiessen. Dies auf der Grundlage eines speziellen Jagdpatentes, das die Kantone Freiburg, Neuenburg und Waadt ins Leben gerufen haben. 13 Berufsfischer haben im Sommer eine entsprechende Ausbildung absolviert und die Jägerprüfung bestanden, wie die «Freiburger Nachrichten» schreiben.

Zu ihnen gehört auch Pierre Schär. Der Berufsfischer vom Murtensee sieht die Abschussfreigabe als ersten Schritt zur Besserung. «Aber wir müssen schauen, wie sich die Situation in den nächsten ein bis zwei Jahren entwickelt.» Zwar dürfen die Berufsfischer unbegrenzt viele Kormorane erlegen. Ein Vogelmassaker erwartet Schär aber nicht: «Sie sind schwierig zu schiessen.»

Statistik spricht gegen Kormoran als «Einzeltäter»

Vogelschutzorganisationen halten wenig von der Abschusslizenz für Berufsfischer. Der Rückgang bei den Fischereierträgen habe andere Ursachen. «Die Seen sind heute sauberer, enthalten weniger Nährstoffe und sind infolge des Klimawandels wärmer geworden», sagte Birdlife-Geschäftsleiter Werner Müller letzten Herbst zu 20 Minuten. Zudem gebe es auch fischfressende Fische und nebst dem Kormoran weitere fischfressende Vögel.

Dass der Kormoran zumindest nicht die Alleinschuld an den mageren Fängen trägt, legt auch die Statistik nahe: Seit 2001 hat sich der Kormoran am Neuenburgersee angesiedelt – die Menge der gefischten Felchen ging jedoch erst ab 2016 massiv zurück. Zudem gab es seit den 1970er-Jahren immer wieder grössere Schwankungen bei den Erträgen.

(sul)

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