Aktualisiert 13.11.2014 05:14

Geldstrafe

Berufsschüler wollen lieber zahlen als nachsitzen

Knapp siebzig Prozent aller Lernenden finden es sinnvoll, wenn sie bei einem Vergehen Geldstrafen zahlen müssten. Lehrer warnen vor dem Verlust des Lerneffekts.

Hausaufgaben vergessen, verschlafen, schwänzen oder bei der Prüfung abschreiben: Verstossen Schüler gegen Regeln, drohen meist Strafaufgaben oder sie müssen nachsitzen.

Dabei würden sie ihr Vergehen viel lieber mit einem Geldschein wieder gutmachen als mit Zeit. Eine repräsentative Online-Umfrage unter mehr als 1000 Berufsschülern zeigt: 69 Prozent erachten Geldstrafen als sinnvoll und glauben, dass sie die Disziplin fördern.

«Geldstrafe bringt mehr»

Ein Viertel findet, Geldstrafen seien zu streng. Durchgeführt wurde die Umfrage zur Zufriedenheit von Berufsschülern, im Auftrag der Berufsbildung Schweiz BCH für das Bildungsmagazin Folio (weitere Resultate in der Box).

Haben denn die Jungen heutzutage einfach zu viel Geld in der Tasche, so dass sie es vorziehen, sich freizukaufen, anstatt etwa eine Strafaufgabe zu erledigen? Das sei nur in Einzelfällen der Fall, sagt der Studienverantwortliche und Informatikerlehrling Alessio Vokinger: «Die meisten Lernenden sind überzeugt, dass eine Geldstrafe sie eher zu einem anständigen Verhalten bewegt, als wenn sie einfach nachsitzen müssen.»

Übers Portemonnaie tue es halt am meisten weh, gerade wenn man mit einem kleinen Lehrlingslohn über die Runden kommen müsse. Für die meisten Berufsschüler aber seien Strafen gar nicht erst notwendig: «Denn sie wollen einen guten Eindruck machen.»

Andreja Torriani, Berufsschullehrer in Zug und Mitglied vom Zentralvorstand der Berufsbildung Schweiz, warnt vor Geldstrafen: «Wo bleibt denn da der Lerneffekt, wenn man einfach sein Portemonnaie zücken kann?» Es mache viel mehr Sinn, sich im Rahmen einer sinnvollen Zusatzaufgabe über sein Fehlverhalten Gedanken zu machen.

Einzelne Schulen büssen bereits

Ausserdem warnt Torriani vor einer «Zweiklassengesellschaft»: «Ein Informatiker-Lehrling verdient locker 450 Franken mehr als eine angehende Coiffeuse und könnte sich ein Fehlverhalten eher leisten.» Auch sei es rechtlich heikel, wenn Schulen ihre Schüler zur Kasse bitten würden.

Bussen an Schulen sind vereinzelt bereits Realität. Im Berufsbildungszentrum in Schaffhausen muss jeder, der eine Unterrichtslektion unentschuldigt verpasst, 50 Franken bezahlen. Ein Tag Blaumachen kann somit bis zu 500 Franken kosten. «Wir wollen damit ein Zeichen setzen, dass der Unterricht verbindlich ist», sagte der Schaffhauser Erziehungsdirektor Christian Amsler, als die Regelung im neuen Schuljahr eingeführt wurde. Auch in den Kantonen Aargau, Solothurn und St. Gallen werden Schwänzer gebüsst.

So zufrieden sind Lernende mit ihren Berufsschulen

Imbissstand statt Kantine

71 Prozent der befragten Schüler benutzen die Kantine nicht, wobei 14 Prozent in ihren Berufsschulen gar keine Kantine haben. Sie essen lieber an einem Imbissstand oder nehmen das Mittagessen von zu Hause mit. Die Schüler schätzen dabei laut der Umfrage die Entscheidungsfreiheit und die grössere Abwechslung.

ÖV

Drei Viertel aller Lernenden benutzen auf dem Weg zur Berufsschule den öffentlichen Verkehr. 68 Prozent beurteilen die Anbindung der Schule an den ÖV als gut oder ausgezeichnet. 17 Prozent findet diese ungenügend. Allerdings würden die Schulzeiten oft nicht mit den Abfahrts- und Ankunftszeiten übereinstimmen. Schüler, die mit dem Auto zur Schule fahren, beklagen sich über di teilweise sehr hohen Parkplatzgebühren an der Berufsschule.

Bildungssystem

90 Prozent der befragten Berufsschüler sind zufrieden mit dem Bildungssystem der Schweiz. Sie schätzen die Mischung zwischen Theorie und Praxis.

Sauberkeit

Glänzende Toiletten aufgeräumte Schulzimmer: rund 83 Prozent der Lernenden erachten die Sauberkeit in den Berufsschule mindestens als genügend, die meisten als gut oder ausgezeichnet.

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