Aktualisiert 30.11.2011 07:23

Oberglatt ZH

Berufswechsel ins kriminelle Lager

Ein Metzger aus Oberglatt wechselte in den Autohandel und landete prompt vor dem Strafgericht - weil er den Kilometerstand eines Autos geschönt hat. Ausserdem soll er sich Sozialhilfe und Arbeitslosengelder erschlichen haben.

von
Attila Szenogrady

«Wieso sind Sie nicht bei ihrem angestammten Beruf geblieben?», wollte die zuständige Einzelrichterin vom heute 29-jährigen Angeklagten aus Oberglatt wissen. So stand fest, dass der gelernte Metzger vor drei Jahren plötzlich seinen Job an den Nagel hing und in den Autohandel wechselte. Er habe mit seiner neuen Arbeit mehr Zeit für seine beiden kleinen Söhne, antwortete der Familienvater. Allerdings machte er wegen des Berufswechsels schon bald mit der Strafjustiz Bekanntschaft.

Arbeitslosengelder und Sozialhilfe ertrogen

Die Anklageschrift schilderte, wie der Beschuldigte ab Januar 2008 bis zum Frühjahr 2010 regelmässig Arbeitslosengelder für rund 51 000 Franken bezog. Danach kassierte er von der Gemeinde Oberglatt bis zum November 2010 Fürsorgegelder von insgesamt 19 126 Franken ein. Der Schönheitsfehler war dabei, dass der vermeintlich mittel –und erwerbslose Kosovo-Albaner bereits einen schwunghaften Autohandel über die Internet-Plattform «Ricardo» betrieb und innerhalb von zehn Monaten mit dem Verkauf von 17 Fahrzeugen einen Gewinn von rund 46 000 Franken erzielte.

Eine von der Gemeinde beauftragte Detektei kam dem Betrüger auf die Schliche.

Nebeneinkünfte als Hobby bezeichnet

Vor Gericht zeigte sich der Vater grundsätzlich geständig. Allerdings hatte er eine originelle Ausrede vorbereitet. So habe er die Nebeneinkünfte aus seinem Autohandel bloss als «Hobby» betrachtet und deshalb nicht angegeben. Somit sei er nur theoretisch schuldig. Nicht aber praktisch, da er mit seiner Familie tatsächlich dauernd unter einem akuten Geldmangel gelitten habe, sagte er.

Einen zweiten Anklagepunkt bezeichnete er allerdings als Fehler und Dummheit. So hatte er beim Verkauf eines alten Personenwagens den Kilometerstand von über 177 000 manipuliert und auf rund 138 000 geschönt. Es fand sich ein Opfer, welches für das Fahrzeug noch rund 3300 Franken hinblätterte.

Bedingte Geldstrafe für Ersttäter

Die Staatsanwaltschaft lastete dem Ex-Metzger mehrfachen Betrug sowie Urkundenfälschungen an. Dafür sollte er eine bedingte Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu 80 Franken sowie 1000 Franken Busse erhalten. Das Gericht setzte wegen mehrfachen Betrugs eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 70 Franken fest. Ohne Busse. Die Richterin begründete die mildere Sanktion mit einem Teilfreispruch vom Vorwurf der Urkundenfälschung, die bereits mit dem Betrug abgedeckt sei. Zudem habe die Anklage insgesamt zu hohe Deliktsbeträge angegeben. Auf das Schadenersatzbegehren der Gemeinde Oberglatt trat das Gericht nicht ein. Dies sei eine Angelegenheit der Verwaltung und nicht des Strafgerichts, erklärte die Vorsitzende. Sie machte zuletzt den Angeschuldigten auf eine Probezeit von drei Jahren aufmerksam. «Sie können auch 30 Jahre festlegen», sagte der Angeklagte. Er werde nämlich nie wieder eine Person betrügen, versprach er. Er wolle nur noch einen ehrlichen Autohandel betreiben.

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