Aktualisiert 11.05.2017 16:22

BaselBesetzer haben sich im Klybeck einquartiert

Vor einem Monat kam es in einer Liegenschaft an der Türkheimstrasse zu einer Räumung. Die Besetzer haben sich nun neu in der Schlossgasse eingefunden.

von
rob
1 / 2
Von der Strasse in die Gasse: Die Besetzer-Gruppe der Türkheimerstrasse haben sich im Wohnhaus an der Schlossgasse 12 eingefunden.

Von der Strasse in die Gasse: Die Besetzer-Gruppe der Türkheimerstrasse haben sich im Wohnhaus an der Schlossgasse 12 eingefunden.

rob
Am 10. April kam es in der Türkheimerstrasse nach nicht einmal zwei Wochen zur Räumung. Mit der jüngsten Besetzung will die Gruppe ein Zeichen setzen gegen die Verdrängung der «kleinen Leute».

Am 10. April kam es in der Türkheimerstrasse nach nicht einmal zwei Wochen zur Räumung. Mit der jüngsten Besetzung will die Gruppe ein Zeichen setzen gegen die Verdrängung der «kleinen Leute».

lha

«Es herrscht Aufbruchstimmung!» steht in grossen Lettern im Communiqué von Socken Bop. Socken Bop ist eine sprechende Socke und vertritt die Besetzergruppe, die sich in der leerstehenden Liegenschaft an der Türkheimerstrasse eingefunden hatte, bis diese nach nicht einmal zwei Wochen am 10. April von der Polizei wieder geräumt wurde. Genau einen Monat nach der Räumung hat sich die Gruppe nun in der Schlossgasse 12 einquartiert.

Das dortige Wohnhaus steht schon seit mehreren Jahren leer. «Ungepflegte Häuser werden früher oder später baufällig oder gehen kaputt», schreibt die Gruppe im Communiqué. Individuell sprechen will keiner der Besetzer. Mit der Besetzung wollen sie sich der Verdrängung der «kleinen Leuten» aus der Stadt entgegenstellen – und damit auch der rot-grünen Regierung, die «lieber mit Spekulanten und Multis Cüplis trinkt», anstatt gegen die Verdrängung aktiv zu werden. Man wolle ein Zeichen setzen für «ein solidarisches Zusammenleben».

Eigentümer der Liegenschaft wartet ab

Jeder, der zum Beispiel nicht alleine kochen, lernen oder Musik hören wolle, sei willkommen. Auch, wer von Mieterhöhung oder Rauswurf bedroht sei: «Schliessen wir uns zusammen, besetzen die Häuser und verwalten uns selbst!», so der Aufruf. Man solle nicht nach dem Diktat von Wirtschaft und Politik leben, sondern «alles verändern, wie wir es haben wollen!»

Doch will es der Eigentümer der Liegenschaft auch so haben? «Vorläufig warten wir ab», sagt Christian Müller, Geschäftsführer der CM Bauten GmbH, der die Liegenschaft an der Schlossgasse gehört. Am Nachmittag des 10. Mai seien zwei der Besetzerinnen zu ihm ins Büro gekommen und hätten ihn über die Besetzung informiert. Er wurde zu einer gemeinsamen Besprechung in der Schlossgasse eingeladen. «Dort haben wir erklärt, was wir wollen, und sie haben erklärt, was sie wollen», so Müller.

Wohnhaus wurde bereits 2016 besetzt

Ob sich die Vorstellungen der Besetzer mit den Bedingungen des Liegenschaftseigentümers zusammenbringen lassen, bleibe abzuwarten. Eine Anzeige gegen Hausfriedensbruch, welche bei Unnachgiebigkeit zu einer Räumung führen würde, habe Müller keine aufgegeben. «Die Besetzer haben das Gespräch mit mir gesucht, nun sprechen wir miteinander. Eine Anzeige ist deshalb sicher noch nicht nötig. Es könnte ja auch gut verlaufen.» Zu den Vorwürfen der Gruppe in ihrem Communiqué sagt Müller: «Dass die Liegenschaft so lange leersteht, war nicht geplant.» Die Umbauarbeiten haben sich verzögert und sollen nun im Spätsommer oder Herbst beginnen. Auch werde die Liegenschaft aus den 1920ern schlichtweg renoviert. «Luxuswohnungen sind keine geplant. Das Objekt wäre dazu auch gar nicht geeignet», fügt er an.

Bereits im Mai 2016 war dasselbe Haus in der Schlossgasse kurzzeitig von einer anderen Gruppe besetzt worden. «Nach einer Kontrolle der Polizei sind die Besetzer freiwillig gegangen. Zu einer Räumung kam es nicht», sagt Polizeisprecher Toprak Yerguz. Betreffend dem aktuellen Fall «steht die Polizei mit dem Liegenschaftseigentümer in Kontakt», so Yerguz. Mehr liesse sich soweit nicht dazu sagen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.