Besetzte Sorbonne mit Schlagstöcken geräumt

Aktualisiert

Besetzte Sorbonne mit Schlagstöcken geräumt

Unter Einsatz von Schlagstöcken und Tränengas hat die französische Polizei die Besetzung der Pariser Sorbonne- Universität durch protestierende Studierende beendet. Eine Sondereinheit der Polizei stürmte am frühen Morgen das besetzte Gebäude.

Die französische Polizei hat mit Schlagstöcken und Tränengas die Besetzung der Pariser Sorbonne-Universität durch protestierende Studierende beendet. Eine Sondereinheit der Polizei räumte in der Nacht auf Samstag das von 400 Studierenden besetzte Gebäude.

Die Proteste an der Pariser Sorbonne-Universität richteten sich gegen die Lockerung des Kündigungsschutzes für Berufsanfänger in Frankreich.

Seit Freitagnachmittag hatte sich die Stimmung auf dem Universitätsgelände hochgeschaukelt. Aus Protest gegen die Entscheidung der Universitätsleitung, die Hochschule wegen der Proteste zu schliessen, hatten sich mehrere hundert Studenten in einem Gebäude verbarrikadiert.

In der Nacht bahnte sich die Polizei mit Tränengas und Knüppeln einen Weg zu der besetzten Lehranstalt. Studenten bewarfen die Polizisten aus den Fenstern mit Feuerlöschern, Stühlen, Büchern und anderen Gegenständen.

Gegen 4.00 Uhr begann eine Sondereinheit der Polizei mit der Erstürmung. Nach einer knappen halben Stunde war der Einsatz abgeschlossen.

Sicherheitskräfte riegelten den Platz um das Gebäude ab. Nach Angaben der Polizeiführung hatte Universitätskanzler Maurice Quenet um die Räumung gebeten.

Kritik an Polizei-Einsatz

Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë übte schon vor der Erstürmung Kritik am Vorgehen der Polizei. Er sei «sehr besorgt» über den rigiden Einsatz, erklärte er am Freitagnachmittag.

Er betrachte die Studentenproteste als friedfertig. Einige Beobachter zogen Parallelen zu den Pariser Studentenunruhen von 1968, die zum Sturz der damaligen Regierung führten.

Die Proteste griffen auch auf andere Universitäten über. Nach Angaben des Bildungsministeriums vom Freitag waren 24 der 84 Universitäten «in unterschiedlichem Umfang» von den Protestaktionen betroffen. Acht der Hochschulen seien vorübergehend geschlossen worden.

Umstrittenes Gesetz

Die Studenten wollen Premierminister Dominique de Villepin mit ihren Protesten zur Rücknahme des umstrittenen Gesetzes zum Kündigungschutz zwingen. Nach ihm können mittlere und Grossunternehmen Arbeitnehmer unter 26 Jahren in den ersten beiden Jahren nach der Anstellung ohne Grund entlassen.

Die Proteste werden voraussichtlich weitergehen. Gewerkschaften, Studenten- und Schülerorganisationen haben für den 18. März zu einem weiteren Protesttag gegen die Vorlage aufgerufen.

Am Dienstag waren laut Polizei 400 000 Menschen gegen das Vorhaben auf die Strasse gegangen. Die Veranstalter sprachen sogar von einer Million Demonstranten. Am 16. März wollen Studenten und Schüler einen eigenen Protesttag abhalten. Für diesen Tag gibt es inzwischen auch mehrere Streikaufrufe von Gewerkschaften. (sda)

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