Illegales Bauen  - Besitzer nutzen Alphütten zu luxuriösen Chalets um – Sanktionen bleiben aus
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Illegales Bauen Besitzer nutzen Alphütten zu luxuriösen Chalets um – Sanktionen bleiben aus

Umbauten und Umnutzungen von Alphütten erfolgen oft ohne Bewilligung. Was die Sanktionen betrifft, drücken Gemeinden gern ein Auge zu.

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Mit Alphütten zur Miete lässt sich gutes Geld verdienen. 

Mit Alphütten zur Miete lässt sich gutes Geld verdienen.

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Bloss: Für die Umnutzungen fehlt oft die Bewilligung. 

Bloss: Für die Umnutzungen fehlt oft die Bewilligung.

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Das zeigen Beispiele aus dem Berner Oberland.

Das zeigen Beispiele aus dem Berner Oberland.

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Darum gehts

  • Alphütten zur Miete werden oftmals ohne Bewilligung umgenutzt.

  • Der «Rundschau» sind mehrere Fälle bekannt, in denen Sanktionen trotz widerrechtlicher Umnutzung ausblieben.

  • Der stellvertretende Direktor des Bundesamtes für Raumplanung, Stephan Scheidegger, sieht das Hauptproblem in der zu grossen Nähe zwischen Behörden und den Eigentümern und Eigentümerinnen.

Die Vermietung von Alphütten ist ein lukratives Geschäft. Oft werden sie umgebaut und mit Komfort ausgestattet – jedoch ohne erforderliche Bewilligung. Die «Rundschau» berichtet etwa von einem Geschäftsmann, der im Berner Oberland sieben Alphütten vermietet. Die teuerste in Grindelwald kostet 2500 Franken pro Woche und bietet ein Wohnzimmer mit Cheminée, ein Badezimmer, eine grosszügige Küche und ein Schlafzimmer im Dachstock. Bewilligung für die Umnutzung: Fehlanzeige.

Trotz baupolizeilichem Verfahren kam der Eigentümer bis anhin glimpflich davon. Auf ein Nutzungsverbot, welches das Berner Baugesetz in solchen Fällen eigentlich vorsieht, haben die Behörden verzichtet. Die grosse Frage bei der Umnutzung der Alphütten sei, wie weit man gehen darf, sagt der Grindelwaldner Gemeindepräsident Beat Bucher. Die Bauten müssten instandgehalten und insofern auch bewirtschaftet werden. «Der Eigentümer hat ein Interesse, nicht nur Ausgaben zu haben, sondern auch Einnahmen.»

«Wähler nicht verärgern»

Von Sanktionen verschont, blieb auch das Hotel Palace in Gstaad. Über Jahre hat es ohne Bewilligung eine Alphütte betrieben, die ab 1600 Franken pro Nacht zu haben ist, berichtet die «Rundschau» weiter. Dennoch verzichtet die Gemeinde auf das Einziehen des illegal erwirtschafteten Gewinns und auch auf eine Busse.

Trotz eigentlichem Bauverbot werde in der Landwirtschaftszone relativ viel gebaut, sagt der stellvertretende Direktor des Bundesamtes für Raumplanung, Stephan Scheidegger. Das Hauptproblem sei die zu grosse Nähe zwischen Gemeindebehörden und Eigentümern: «Behördenvertreter wollen ihre möglichen Wählerinnen und Wähler nicht verärgern mit unliebsamen negativen Bauentscheiden. Schliesslich wollen sie bei den nächsten Wahlen wieder gewählt werden.»

Bauen ausserhalb der Bauzone

Ausserhalb der Bauzone gilt eigentlich ein Bauverbot. Baubewilligungen sind an strenge Voraussetzungen geknüpft und müssen vom Kanton erteilt werden. Wer unbewilligte Veränderungen vornimmt, riskiert noch nach Jahrzehnten, den rechtmässigen Zustand wiederherstellen zu müssen. Ein Bundesgerichtsurteil von Ende April bekräftigt dies: Es hält fest, dass neu auch zurückgebaut werden muss, wenn der illegale Bau über dreissig Jahre zurückliegt. Raimund Rodewald von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz hofft, dass das Urteil wegweisend sein wird: «Dieser Entscheid sagt mit aller Deutlichkeit: Illegale Bauten bleiben illegal.»

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(sul)

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