Für Fehr ein Schwerkrimineller: «Besko musste unser Land zu Recht verlassen»
Aktualisiert

Für Fehr ein Schwerkrimineller«Besko musste unser Land zu Recht verlassen»

Das Engagement von Lukas Reimann für den Rapper Besko sorgt in der SVP und beim Zürcher Sicherheitsdirektor für Kopfschütteln. Jetzt erklärt sich der Nationalrat auf Facebook.

von
daw

Ein SVP-Politiker hilft einem kriminellen Ausländer: Es sei eine «verpasste Chance», dass der Zürcher Rapper Besko die Schweiz vor zwei Wochen habe verlassen müssen, kritisiert Nationalrat Lukas Reimann gegenüber der SRF-«Rundschau». Er intervenierte sogar schriftlich bei Staatssekretär Mario Gattiker.

Besko hat Delikte wie Nötigung, Diebstahl und bewaffneten Raubüberfall auf dem Kerbholz und wurde zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Seither hat sich der junge Vater nichts mehr zuschulden kommen lassen.

Gegen Parteilinie

Für Kritik sorgt Reimanns Engagement bei der SVP-Parteileitung: Fraktionschef Adrian Amstutz schreibt in einem knappen Mail an 20 Minuten, er halte «gar nichts» von der Aktion. «Auch dieser kriminelle Ausländer gehört ohne Wenn und Aber ausgeschafft!» Und der Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Schmid kritisiert, der St. Galler Reimann mische sich in eine Zürcher Angelegenheit ein.

Auch der Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP), dem das Migrationsamt untersteht, das die Ausschaffung angeordnet hat, bezeichnet Reimanns Support als «absolut unverständlich»: «Die Kampagne widerspricht allem, was die SVP sonst vertritt.» Offenbar finde er es «cool», einen Rapper zu unterstützen, «wir hingegen sorgen für Sicherheit.»

Es gehe nicht um einen Apfeldieb, sondern um einen Schwerkriminellen. «Wer einen bewaffneten Raubüberfall begeht und zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren verurteilt wird, muss unser Land zu Recht verlassen.» Der Fall sei glasklar und lasse keinerlei Handlungsspielraum: «Ein Härtefallgesuch ist nicht möglich und wäre auch niemals gutgeheissen worden.»

«Wir brauchen eine klare Linie»

Reimann war für 20 Minuten bislang nicht zu erreichen. Auf Facebook schreibt er: «Ich bin weiterhin der Meinung: Kriminalität gehört ausgeschafft, nicht integriert.» Und in einer Video-Botschaft wehrt er sich gegen die Kritik: «Es ist erstaunlich wie jetzt in allen Medien steht, ich würde mich für einen kriminellen Ausländer einsetzen.» Als Politiker müsse er nicht den Einzelfall anschauen, sondern das Gesamtbild.

Es stelle sich die Grundsatzfrage, ob es tolerierbar sei, dass die Ausschaffungspraxis in den Kantonen so unterschiedlich sei. Während in einigen Kantonen fast niemand ausgeschafft werde, würden andere durchgreifen, «wie man es eben sollte».

«Wir brauchen einen roten Faden, eine klare Linie. Die Medien müssen mich jetzt nicht hinstellen, als wäre ich plötzlich ein Sozi, nur weil ich Fragen stelle.» Er sei froh, dass er heute Abend in der «Rundschau» auf dem «heissen Stuhl» Stellung nehmen könne.

«Ich fühle mich wie in einem schlechten Traum

Rapper Besko wurde am Freitag in den Kosovo ausgeschafft. Wie seine Abschiebung verlaufen ist und wie es ihm nun geht, erzählt Besko exklusiv in einem Interview.

Deine Meinung