Fernunterricht an Zürcher Unis : «Besonders Erstsemestrige fühlen sich einsam und isoliert»
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Fernunterricht an Zürcher Unis «Besonders Erstsemestrige fühlen sich einsam und isoliert»

Seit Corona setzen Universitäten und Fachhochschulen vermehrt auf Fernunterricht. Für einige Studenten eine grosse Herausforderung. Experten geben Tipps zum Umgang mit Isolation, Ängsten und Onlinelearning.

von
Monira Djurdjevic
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Wegen der Corona-Krise setzen Universitäten und Fachhochschulen seit Monaten vermehrt auf Fernunterricht.

Wegen der Corona-Krise setzen Universitäten und Fachhochschulen seit Monaten vermehrt auf Fernunterricht.

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Immer mehr Studierende haben aufgrund der Corona-Massnahmen an Unis und Fachhochschulen mit Einsamkeit und Ängsten zu kämpfen. (Symbolbild)

Immer mehr Studierende haben aufgrund der Corona-Massnahmen an Unis und Fachhochschulen mit Einsamkeit und Ängsten zu kämpfen. (Symbolbild)

Getty Images/iStockphoto
«Speziell schwierig ist es für Studierende, die gerade erst mit dem Studium begonnen haben und für die alles neu und dazu noch unsicher ist», sagt Isabel Leder vom Verband der Studierenden der Universität Zürich (VSUZH). 

«Speziell schwierig ist es für Studierende, die gerade erst mit dem Studium begonnen haben und für die alles neu und dazu noch unsicher ist», sagt Isabel Leder vom Verband der Studierenden der Universität Zürich (VSUZH).

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Darum gehts

  • Immer mehr Studierende haben aufgrund der Corona-Massnahmen an Unis und Fachhochschulen mit Einsamkeit und Ängsten zu kämpfen.

  • Vor allem Studierende aus dem ersten Semester sind betroffen.

Aufgrund der Corona-Pandemie findet das Studium an den Zürcher Universitäten und Fachhochschulen inzwischen seit Monaten mehrheitlich im Fernunterricht statt. Diese Situation ist für zahlreiche Studierende eine grosse Herausforderung. «Speziell schwierig ist es für Studierende, die gerade erst mit dem Studium begonnen haben und für die alles neu und dazu noch unsicher ist», sagt Isabel Leder vom Verband der Studierenden der Universität Zürich (VSUZH).

An der Uni gebe es aber dafür verschiedene Anlaufstellen. Neben der psychologischen Beratungsstelle an der Uni Zürich gibt es auch eine sogenannte Nightline. «Das ist eine unabhängige Anlaufstelle von Studierenden, bei der sich Personen, die zum Beispiel etwas loswerden müssen, per Mail oder Chat in Verbindung setzen.» Beide Dienste seien gratis und vertraulich, sagt Leder.

Die Co-Präsidentin empfiehlt generell, sich in Fachvereinen zu engagieren oder anderen Studierendenorganisationen beizutreten. «Es ist auch hilfreich, an Onlineevents teilzunehmen sowie sich durch Social Media oder Lerngruppen am studentischen Leben zu beteiligen und sich auszutauschen.» Neu gebe es vom VSUZH auch einen Discord Server, bei dem man sich laut Leder einfach und unkompliziert mit anderen Studierenden vernetzen kann.

Wie es bei der psychologischen Beratungsstelle für Studierende der Universität und ETH Zürich auf Anfrage heisst, fühlen sich einige Studierende durch die Kontaktlosigkeit stark belastet. «Vor allem Erstsemestrige und Internationals fühlen sich sehr einsam, teils sogar isoliert», sagt Psychologin Cornelia Beck. Die Erstsemestrigen und Internationals treffe diese Situation besonders, da diese meist noch keine sozialen Kontakte hier haben und Mühe haben, in der Distanz Kontakte zu knüpfen.

Isolation und Ängste

Die psychologische Beratungsstelle für Studierende der Universität Zürich und ETH gibt folgende Tipps zum Umgang mit Isolation und Ängsten

  • Regelmässig Freunde und Familie hören und sehen: zum Beispiel via Skype, Facetime, Whatsapp.

  • Sich geplant und regelmässig verabreden: zum Beispiel gemeinsames Kafi-Date per Skype, Abendessen per Facetime oder zusammen kochen über Teams. Wer sich mit Technik nicht auskennt, soll Freunde oder Familie um Unterstützung fragen.

  • Mit Freunden und Familie über die Gefühle von Einsamkeit sprechen.

  • Wohnungsprojekte einplanen: zum Beispiel Zimmerwand streichen, Pflanzen umtopfen. Je wohler man sich zu Hause fühlt, desto einfacher fällt das Zu-Hause-Sein.

  • Sich einem Projekt widmen: nähen, bauen, malen etc. Der Grund: Arbeiten mit den Händen beruhigt.

  • Hörbücher, Podcasts oder Musik können helfen, Abwechslung in die Stille zu bringen.

Laut der psychologischen Beratung der ZHAW gibt es zurzeit mehr Anfragen von Studierenden. «Oft werden Isolation sowie fehlende soziale Kontakte als Gründe genannt», sagt Sprecher Manuel Martin. So auch an der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH). «Unsere psychologische Beratungsstelle wird im Vergleich zum Lockdown im März öfter kontaktiert. Besonders häufig melden sich Studierende aus dem 1. Semester», sagt Rektor Heinz Rhyn. Der Grund: «Sie leiden teilweise unter Motivationsschwierigkeiten, da sie noch keine persönlichen Beziehungen zu anderen Studierenden aufbauen konnten und ihnen deshalb Austauschmöglichkeiten fehlen.»

Die Beratungsstelle der PH Zürich habe deshalb ihr reguläres Angebot erweitert. «Neu können sich Studierende am Montagmorgen in einen virtuellen Raum einloggen und bei einem kurzen Austausch gemeinsam in die neue Woche starten», erklärt Rhyn. Zudem gibt es ein Angebot an Räumen, das Studierende unter Einhaltung der Schutzmassnahmen nutzen können. Rhyn sagt dazu: «Den Studierenden stehen etwa in der Bibliothek Arbeitsplätze zur Verfügung, wo sie sich allein oder in Lerngruppen aufhalten können. Dies ermöglicht einen persönlichen Austausch mit anderen Studentinnen und Studenten.»

Studierenden, die sich bei der Beratungsstelle der PH Zürich melden, rät man, sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen regelmässig mit anderen auszutauschen. Rückmeldungen von betroffenen Studierenden hatten laut Rhyn gezeigt, dass das hilft: «Die Studentinnen und Studenten erkennen so, dass sich andere in der gleichen Situation befinden. Dies wirkt sich positiv auf die eigene Befindlichkeit aus.»

Onlinelearning

Die psychologische Beratungsstelle für Studierende der Universität Zürich und ETH gibt folgende Tipps im Umgang mit Onlinelearning

  • Bei Fragen findet man wichtige Informationen auf der Website der UZH. Fragen beantworten auch Studienberatung, Fakultät, VSUZH oder Fachschaft.

  • Termine nicht verpassen: immer wieder auf der Website der jeweiligen Uni/Fachhochschule nachsehen.

  • Der Arbeitsplatz sollte hell und gemütlich sein. Nur nötiges Equipment bereitstellen. Ablenkungen vermeiden und beispielsweise das Handy weglegen.

  • Tagesstruktur: Tagesplan, To-dos, klare Arbeitszeiten. Wichtig dabei: Bewusst Pausen einplanen – eventuell an einem anderen Ort.

  • Grenzen ziehen zwischen Arbeitsplatz und Privatleben: Arbeit bewusst starten, zum Beispiel indem man sich anzieht. Danach bewusst Feierabend machen, zum Beispiel durch Aufräumen.

  • So viel Bewegung wie an einem «normalen» Tag einplanen und raus an die frische Luft gehen.

  • Positive Stimmung ist wichtig für die Konzentration. Vorteile der «Mehrzeit» sehen (z.B. keine Fahrtzeit), Witze lesen.

  • Weiterhin soziale Kontakte pflegen, Feedbackkultur aufrechterhalten. Auch der Austausch mit der Lerngruppe ist wichtig.

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Corona-Zeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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