Gewalt gegen Polizeibeamte - «Besorgniserregende Entwicklung» –Angriffe gegen Polizisten nehmen zu
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Gewalt gegen Polizeibeamte«Besorgniserregende Entwicklung» –Angriffe gegen Polizisten nehmen zu

Im Jahr 2020 stieg die Anzahl von Gewalt und Drohungen gegen Polizeibeamte bereits auf 3514 Vorfälle. Täter stehen oft unter Alkohol- oder Drogeneinfluss.

von
Rochus Zopp
Tino Limacher
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Der Angriff auf einen Polizisten in Luzern vom letzten  Sonntag ereignete sich an der Theaterstrasse. 

Der Angriff auf einen Polizisten in Luzern vom letzten Sonntag ereignete sich an der Theaterstrasse.

20min/Rochus Zopp
Als die Polizei vor Ort eintraf, traf sie einen Mann aus Sri Lanka in einem Treppenhaus an. Die Polizisten wollten den Mann in der Folge kontrollieren.

Als die Polizei vor Ort eintraf, traf sie einen Mann aus Sri Lanka in einem Treppenhaus an. Die Polizisten wollten den Mann in der Folge kontrollieren.

20min/Rochus Zopp
Der 29-jährige Mann wehrte sich gegen die Kontrolle. «Der Mann schlug dem Beamten mehrfach gezielt ins Gesicht, um ihn auszuschalten», sagt Simon Kopp, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Der 29-jährige Mann wehrte sich gegen die Kontrolle. «Der Mann schlug dem Beamten mehrfach gezielt ins Gesicht, um ihn auszuschalten», sagt Simon Kopp, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

20min/Rochus Zopp

Darum gehts

  • Am letzten Sonntag wurde in Luzern ein Polizist an den Kopf geschlagen und massiv verbal bedroht.

  • Der Verband Schweizerischer Polizeibeamter verurteilt jegliche Art von Gewalt gegenüber Ordnungskräften. Sie stellen seit Jahren fest, dass die Gewalt gegen Polizeibeamte zunehme.

  • Opfer werden medizinisch und oft psychologisch betreut.

Geht es um Drohungen und Angriffe gegen Polizisten zeigt das Barometer in der ganzen Schweiz nach oben. 2019 gab es schweizweit 3251 Fälle, in denen Polizisten bedroht oder angegriffen wurden. Im Jahr 2020 stieg die Anzahl von Gewalt und Drohungen gegen Beamte bereits auf 3514 Vorfälle, welche in der Statistik erfasst wurden. Auch die Luzerner Polizei ist davon betroffen. So etwa bei einer Kontrolle einer verdächtigen Person am letzten Sonntagabend. Ein Mann aus Sri Lanka schlug einem Polizisten mehrfach gezielt ins Gesicht, um ihn auszuschalten. Bei der Festnahme stiess der Mann auch noch Todesdrohungen gegenüber dem Polizisten und seiner Familie aus. Ein weiterer Polizist wurde Ende Juli bei einer Demonstration gegen die Corona-Massnahmen verletzt.

VSPB: «Besorgniserregende Entwicklung»

Der Verband Schweizerischer Polizeibeamter (VSPB) schreibt auf Anfrage, dass er seit Jahren feststelle, dass Attacken auf Polizistinnen und Polizisten zunehmen. «Diese Entwicklung ist äusserst besorgniserregend», so der Verband. Der Persönlichkeitsschutz von Polizisten, aber auch von anderen Einsatzkräften, wie der Feuerwehr oder Sanität, müsse oberste Priorität haben. «Wir verurteilen jegliche Art von Gewalt gegenüber Ordnungskräften. Uns ist die psychische Unversehrtheit der Mitglieder enorm wichtig», so der VSPB.

Seit 2018 haben die erfassten Fälle von Gewalt und Drohungen gegenüber Beamten im Kanton Luzern zwar leicht abgenommen. Trotzdem ist es auch im Jahr 2020 zu 209 Vorfällen gekommen, in denen Beamte Opfer von Gewalt oder Drohungen wurden. «Oft werden Drohungen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss ausgesprochen», so Urs Wigger, Mediensprecher der Luzerner Polizei, auf Anfrage von 20 Minuten.

Erfahrene Polizistinnen und Polizisten sollen helfen

Polizistinnen und Polizisten, die Opfer eines Angriffs werden, werden laut Wigger zuerst ärztlich betreut, falls sie verletzt sind. Nach einem schwierigen Einsatz stehen ihnen sogenannte Peers zur Verfügung. «Das sind Mitarbeitende der Luzerner Polizei mit einer zusätzlichen Ausbildung, mit denen man das Gespräch suchen kann», so Wigger. Diese können als erste Anlaufstelle für die Betroffenen dienen. Bei grossen Belastungssymptomen stehe den Polizeibeamten der Luzerner Polizei zudem auch eine interne psychologische Beratungsstelle zur Verfügung.

Auch im Kanton Schwyz kommt es immer wieder zu Gewalt und Drohungen gegenüber Beamten, wie Florian Grossmann, Chef Kommunikation der Kantonspolizei, bestätigt. So sei es etwa nach Ladendiebstählen oder Streitereien unter Hausbewohnern zu Anzeigen gekommen. Vielfach beschränkten sich die Drohungen und Gewalt auf den verbalen Bereich. Er betont: «Jeder Angriff auf einen Polizisten oder eine Polizistin ist ein Angriff auf den Staat. Unsere Mitarbeitenden sind unser höchstes Gut.» Angriffe würden auch die Schwyzer Polizistinnen und Polizisten beschäftigen. Wie in Luzern stehen auch in Schwyz intern speziell geschulte Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung. «Bei Bedarf könnten auch Polizeipsychologen anderer Korps beigezogen werden.»

Bei der Ausbildung werden kritische Situationen thematisiert

Während ihrer Ausbildung werden angehende Polizistinnen und Polizisten bereits auf kritische Situationen vorbereitet. «Generell wird in den Polizeischulen die Deeskalation erlernt. Es gibt genaue Abläufe, welche trainiert und geübt werden», so der VSPB. Ähnlich tönte es auch bei der Kapo Schwyz. Grossmann: «Im Rahmen der Aus- und Weiterbildung wird immer wieder thematisiert, wie mit solchen Situationen umgegangen werden soll.»

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