Aktualisiert 16.04.2018 20:33

Verstörte VersicherteBesorgte Anrufer bei CSS wegen horrender Franchise

Der Vorschlag einer 10'000-Franchise der Chefin der Krankenkasse CSS hat ihre eigenen Versicherten in Aufregung versetzt. Die Callcenter mühten sich mit Erklärungen.

von
Isabel Strassheim
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Mit einer 10'000-Franken-Franchise will Philomena Colatrella, die Chefin der Krankenversicherung CSS, den Prämienanstieg stoppen. Die Idee stösst auf Ablehnung bei Politikern.

Mit einer 10'000-Franken-Franchise will Philomena Colatrella, die Chefin der Krankenversicherung CSS, den Prämienanstieg stoppen. Die Idee stösst auf Ablehnung bei Politikern.

Keystone/Georgios Kefalas
Colatrella sagte dem «SonntagsBlick»: «Die Schmerzgrenze bei der Tragbarkeit der Prämien ist erreicht.» Zudem fordert sie mehr Eigenverantwortung bei der Gesundheitsversorgung.

Colatrella sagte dem «SonntagsBlick»: «Die Schmerzgrenze bei der Tragbarkeit der Prämien ist erreicht.» Zudem fordert sie mehr Eigenverantwortung bei der Gesundheitsversorgung.

Keystone
SP-Ständerat Hans Stöckli kritisiert: «Das wäre der definitive Weg zur Zweiklassen-Medizin.» Weniger Bemittelte, ältere und chronisch Kranke müssten dann zur Fürsorge, um ein elementares Bedürfnis zu erfüllen.

SP-Ständerat Hans Stöckli kritisiert: «Das wäre der definitive Weg zur Zweiklassen-Medizin.» Weniger Bemittelte, ältere und chronisch Kranke müssten dann zur Fürsorge, um ein elementares Bedürfnis zu erfüllen.

Keystone/Peter Klaunzer

Am Montag riefen Versicherte im Kundencenter der Krankenkasse CSS an. Der Grund: Der Vorschlag von CSS-Chefin Philomena Colatrella, die Mindestfranchise auf 5000 oder 10'000 Franken zu erhöhen, um die Prämien zu senken.

CSS-Mediensprecherin Christina Wettstein konnte zwar keine genaue Zahl der Anrufer nennen. Sie sagt aber: «Es bestand Klärungsbedarf.» Und die Sprecherin fügt an, «es war uns wichtig zu erklären, dass wir nicht nur für eine Franchisenerhöhung, sondern auch eine soziale Abfederung sind.»

CSS erwartete Widerstand

«Es war uns schon vorher bewusst, dass wir Widerstand mit dem Vorschlag auslösen», sagt Wettstein. Die CSS glaube aber, dass es wichtig sei, die Debatte in Gang zu bringen.

Für Kommunikationsexperte Andreas Bantel besteht beim Vorpreschen der CSS die Gefahr, dass der Wunsch nach Aufmerksamkeit zum Bumerang werden kann. «Es ist ein sportliches Abenteuer, das die CSS-Chefin da unternimmt.» Die Preisfrage sei, ob Versicherte abspringen.

Bei Politikern und Gesundheitsökonomen stiess Colatrellas Vorschlag auf Ablehnung. Der Berner Ökonom Heinz Locher etwa hält nichts von der Idee. Eine Franchise von 10'000 Franken würde laut dem Gesundheitsexperten ihren Zweck verfehlen. «Der Sinn einer Franchise ist eigentlich, nicht wegen jedem Wehwehchen zum Arzt zu gehen. Würde sie drastisch erhöht, würden viele Leute trotz Krankheit nicht zum Arzt gehen. Das haben Studien bereits gezeigt», so Locher.

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