Aktualisiert 14.11.2011 17:10

Schwangere angegriffenBespuckt und in den Baby-Bauch getreten

Während eines heftigen Streites hat eine Krankenschwester einer hochschwangeren Ex-Freundin einen Tritt in den Unterbauch versetzt. Nun wurde sie zu einer Geldstrafe verurteilt.

von
Attila Szenogrady

Der aussergewöhnliche Vorfall ging auf den 21. April 2011 zurück. An jenem Gründonnerstag begab sich die heute 42-jährige Angeklagte aus Pfaffhausen nach Zürich-Witikon, wo sie einkaufen wollte. Dabei traf die Krankenschwester im Bus zufällig auf eine ehemalige, hochschwangere Nachbarin. Früher waren die beiden Frauen gute Freundinnen gewesen. Bis sie sich eines Tages massiv zerstritten. Die Feindschaft war immer noch so erbittert, dass sich die beiden Damen während der Busfahrt schon bald mit giftigen Bemerkungen gegenseitig anstachelten.

Fest steht, dass die beiden Kontrahentinnen um 17.15 Uhr bei der Bushaltestelle Carl-Spitteler-Strasse den Bus verliessen und auf der Strasse weiter stritten. Bis die Pflegefachfrau ihrer 33-jährigen Gegnerin zu drohen begann. So wünschte sie, dass die Geschädigte ein Monster zur Welt bringen würde. Sollte sie sich zudem noch einmal nach Witikon wagen, würden sie und ihr Kind sterben, stellte sie ihr in Aussicht.

Tritt in den Unterbauch

Wenig später eskalierte die Situation. Laut Anklage spuckte die Krankenschwester ihrer ehemaligen Freundin ins Gesicht. Danach trat sie dem Opfer in den Bauch. Die künftige Mutter wurde kurz darauf mit einem Bluterguss am Unterbauch notfallmässig ins Spital eingeliefert. Sie musste dort 24 Stunden verbringen, wobei das Kind glücklicherweise unversehrt geblieben war. Die geschockte Patientin schaltete die Polizei ein und erstattete Strafanzeige.

Notwehr geltend gemacht

Am Montag musste sich die Krankenschwester wegen Körperverletzung sowie Drohung vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Die Staatsanwaltschaft verlangte für die Osteuropäerin eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 30 Franken sowie 500 Franken Busse.

Die Beschuldigte beteuerte vor den Schranken ihre Unschuld und kehrte den Spiess um. So sei sie von der Geschädigten zuerst geohrfeigt worden. Danach habe sie diese aus Notwehr zurückgestossen. Sie habe aber weder gespuckt noch mit dem Tode gedroht noch getreten, führte sie aus.

Auch Verteidiger Christian Widmer forderte einen vollen Freispruch und bezeichnete es als unfair, dass nur eine Frau auf der Anklagebank sitze. So habe die Geschädigte mit ihrer Ohrfeige eine Reaktion in Kauf genommen und damit das Leben ihres eigenen Kindes riskiert, plädierte Widmer. Seine Klientin sei dagegen im Rahmen einer rechtmässigen Notwehrhandlung vorgegangen.

Geldstrafe massiv erhöht

Das Gericht glaubte zum Schluss den offenbar glaubhafteren Darstellungen der Geschädigten. Es verurteilte die Pflegefachfrau wegen Drohung, versuchter Körperverletzung sowie mehrfachen Tätlichkeiten. Eine vollendete Körperverletzung sah der zuständige Einzelrichter aufgrund der leichten Blessuren als nicht erfüllt an. Dennoch verschärfte der Richter die Strafe aufgrund eines erheblichen Verschuldens massiv. So erhielt die Beschuldigte eine bedingte Geldstrafe von 210 Tagessätzen zu 75 Franken, also insgesamt 15 750 Franken. Zudem eine zu bezahlende Busse von 800 Franken. Nicht zuletzt soll die Angeklagte die Gerichtsgebühr von 2500 Franken bezahlen.

Es kommt aber noch teurer. So wurde sie verpflichtet, der Geschädigten eine Genugtuung von 500 Franken zu bezahlen. Zusätzlich droht über den Weg eines Zivilprozesses noch ein Schadenersatz in unbekannter Höhe.

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