Sex-Skandal um Berlusconi: «Besser als schwul sein»
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Sex-Skandal um Berlusconi«Besser als schwul sein»

Wer meint, mit dem Fall der minderjährigen Ruby habe der Skandal um Silvio Berlusconi einen Höhepunkt erreicht, der irrt. Er redet sich um Kopf und Kragen.

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Dass der italienische Premier Silvio Berlusconi eine Vorliebe für professionelle Liebesdienerinnen hat, ist kein Geheimnis. Nachdem vergangene Woche die Tageszeitung «Corriere della Sera» die Geschichte um die noch minderjährigen Ruby aufgedeckt hatte, folgt nun das überraschende Geständnis der Drogenbotin und ehemaligen Regierungsberaterin Perla Genovesi: Die 32-Jährige war vergangenen Juli in Palermo unter dem Verdacht, einem wichtigen Drogenschmuggelring anzugehören, festgenommen worden.

Bei der Einvernahme plauderte Genovesi mehr als erwartet aus dem Nähkästchen: Plötzlich drehte sich das Verhör nicht mehr so sehr um das geschmuggelte Kokain, sondern eher um die Frauen, die regelmässig für Partys in Berlusconis Villa Certosa angeheuert wurden. Dabei nannte Genovesi eine gewisse Nadia Macri.

Orgien und Jakuzzis

Die 28-Jährige wurde ebenfalls für eine Einvernahme in die Staatsanwaltschaft von Palermo vorgeladen. Dabei kam heraus, dass Macri mehrmals beauftragt worden war, an Partys teilzunehmen. Dabei soll es zweimal zum Geschlechtsverkehr mit dem «Cavaliere» gekommen sein. Sie habe dafür 10 000 Euro bekommen – neben «anderen Vorteile», gab sie an.

Macri machte bei ihren Aussagen – bereits im Juli - ähnliche Angaben wie letzte Woche die 17-jährige Ruby: Die Damen seien unter anderem sehr leicht bekleidet um das Schwimmbecken gelegen, erzählte sie. Bei den Orgien seien Drogen wie Marihuana oder Haschisch geraucht worden. Besonders brisant: Macri nannte als Mittelmänner, die für das Auftreiben der Mädchen zuständig waren, die gleichen Namen wie Ruby. Sie brachte dabei den Namen von Lele Mora ins Spiel, ein Unterhaltungsveranstalter, der bereits wegen Begünstigung von Prostitution unter Verdacht geraten war.

Besser Frauen ansehen «als schwul sein»

Inzwischen versucht Berlusconi weiterhin aus dem Schlamassel zu kommen. Mit mässigem Erfolg, denn er zieht dabei weiteren Unmut auf sich: Weil er eine hohe Arbeitsbelastung habe, schaue er hin und wieder schöne Frauen an und finde dies besser «als schwul zu sein», sagte Berlusconi bei der Eröffnung einer Motorradschau in der Nähe von Mailand. Seine Beziehung zu der jungen Frau sei «von Solidarität» geprägt gewesen, fügte er hinzu.

Die Homosexuellen-Organisation Arcigay nannte Berlusconis Aussagen am Dienstag «überflüssig, vulgär und beleidigend - nicht nur gegenüber Homosexuellen, sondern auch gegenüber Frauen». Der Oppositionspolitiker Antonio Di Pietro sagte, Berlusconi lebe «noch im Mittelalter».

Opposition fordert Rücktritt, weil Berlusconi Ruby eine mögliche Haftstrafe ersparte

Opposition fordert Rücktritt, weil Berlusconi Ruby eine mögliche Haftstrafe ersparte

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi gerät wegen seines Umgangs mit jungen Frauen immer stärker unter Druck. Die Opposition forderte seinen Rücktritt, weil er der Minderjährigen Ruby eine mögliche Haftstrafe erspart haben soll. Die damals 17-Jährige war im Mai wegen eines mutmasslichen Diebstahls festgenommen worden. Sie hielt sich Berichten zufolge mindestens einmal in seiner Villa in Mailand auf. Berlusconi bekräftigte am Dienstag, seine Regierung bleibe im Amt.

Mehrere Zeitungen hatten berichtet, der Regierungschef habe sich für Ruby eingesetzt. Demnach soll Berlusconi der Polizei gesagt haben, ein Parteimitglied werde sich um die Jugendliche kümmern. Die Opposition warf ihm deswegen Machtmissbrauch vor. Selbst von Kommentatoren in Zeitungen, die seiner Familie gehören, musste der Ministerpräsident Kritik dafür einstecken, dass er sich in einen möglichen Kriminalfall eingemischt habe.

(dapd)

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