Aktualisiert 18.11.2009 15:00

Applikationen

Besser spät als nie

Mehr als ein halbes Jahr nach dem Start in zahlreichen anderen Ländern hat Nokia seinen App Store namens Ovi heute auch hierzulande freigeschaltet. Schweizer Tools sucht man bislang allerdings fast vergeblich.

von
Henning Steier

Die App Swiss Phone Book von local.ch ist die erste Schweizer Anwendung, welche Nokia im Ovi Store anbietet. Seit heute können sich auch hierzulande Besitzer eines Finnen-Handys beispielsweise Programme und Spiele herunterladen. Unterstützt werden bislang rund 100 Nokia-Geräte. Bereits im Mai 2009 hatte Nokia den Ovi Store in zahlreichen anderen Ländern gestartet. Das finnische Wort Ovi bedeutet Tor.

«Weltweit können Kunden ihre kostenpflichtigen Applikationen schon bei 27 Providern wahlweise über die Handyrechnung bezahlen», sagte Jukka Kiiskinen, Service Manager Nokia Alps South East Europe, zu 20 Minuten Online. Hierzulande werde dies in knapp zwei Wochen auch Swisscom-Kunden möglich sein, Orange und Sunrise sollen laut Kiiskinnen nachziehen. Das Bezahlen über die Rechnung ist in Apples App Store und Googles Android Market bislang nicht möglich. Es hat den Vorteil, dass man den Unternehmen nicht seine Kreditkartennummern überlassen muss. Für Entwickler hat es indes den Nachteil, dass sie weniger als 70 Prozent der Erlöse bekommen - wie dies bei Kreditkartenzahlung der Fall ist. «Die Provider lassen sich den Service nun mal bezahlen», erläuterte Kiiskinen. Wie hoch genau ihr Anteil ist, wollte er nicht sagen.

iPhone- und Android-Apps sind willkommen

Dass die auf einer Presseveranstaltung gezeigten Apps von local.ch und den Schweizer Bundesbahnen (SBB) an jene fürs iPhone erinnern, ist kein Zufall. Denn laut Marc Isler Chief Business Officer bei local.ch, liess sich die iApp verhältnismässig leicht für das Betriebssystem Symbian umschreiben. Seppo Oksa, Director Forum bei Nokia, sagte dazu, man wolle Entwickler von Apps für Android und iPhone OS ermutigen, ihre Programme im Ovi Store anzubieten. Dazu habe es vor etwa einem Monat auch einen Workshop für Schweizer Entwickler gegeben. Wie 20 Minuten Online berichtete, stellte Microsoft sogar eine Fallstudie ins Netz, in der gezeigt wird, wie man ursprünglich für iPhone und iPod touch erstellte Tools für Windows Mobile nutzbar machen kann, das jetzt auch in Version 6.0 und 6.1 den Marketplace for Mobile unterstützt. Gezeigt wird dies am Beispiel einer App namens Amplitude, mit der sich Sounds aus der Umgebung aufnehmen und grafisch darstellen lassen. Hintergedanke ist hier wie dort, die Vormachtstellung, welche Apple mit dem iPhone und 100 000 erhältlichen Apps hat, nicht länger hinnehmen zu wollen. Laut Kiiskinen kommt Nokia in der Schweiz auf einen Marktanteil von 44 Prozent und scheint dieses Potenzial nun nutzen zu wollen.

Auf die Frage, warum zum Schweizer Start nicht mehr einheimische Apps verfügbar sind, war weder von Oksa noch von Kiiskinen eine zufriedenstellende Antwort zu erhalten. Es hiess nur, man habe mittlerweile mit etwa 60 Entwicklern Kontakt, die ihre Apps in den nächsten Wochen verfügbar machen wollen. Pornos und andere jugendgefährdende Inhalte sollen allerdings keine Chance haben. Denn im Unterschied zum Android Market wird von Nokia jede Applikation vor der Veröffentlichung von Menschen geprüft. Wie 20 Minuten Online schrieb, reagiert Google erst, wenn sich Nutzer über ein Programm beschweren. So war es möglich, dass die App i Music verfügbar ist, mit der sich Besitzer von Android-Handys leicht und schnell die Festplatte mit Musik aus illegalen Quellen füllen können. Weil der reine Download hierzulande legal ist, haben sie keine rechtlichen Folgen zu befürchten.

Ein Apple-Prüfer kontrolliert 85 Apps am Tag

Apple beschäftigt eigenen Angaben zufolge rund 40 Mitarbeiter, die jeweils zu zweit eine Applikation kontrollieren. Sie müssen pro Woche rund 8500 neue Apps und Updates kontrollieren. Das macht pro Mitarbeiter und Tag 85 Apps. Wie viele Angestellte sich bei Nokia mit der Freigabe von Applikationen beschäftigen, konnte Seppo Oksa nicht sagen.

Im Kurztest von 20 Minuten Online gab es an den Funktionen des Ovi Store nichts zu beanstanden. Die Navigation ist flüssig und das Angebot geht mit über 20 000 Tools in Ordnung. Gängige Tools wie die Facebook-App oder das Musikentdeckungs-Tool Shazam waren leicht zu finden, liessen sich problemlos installieren und nutzen. Die über das Hauptmenü angezeigten Empfehlungen stammen zurzeit laut Jukka Kiiskinen noch von einem Nokia-Team. Mittelfristig sollen Entwickler hier aber gegen Bezahlung ihre Applikationen bewerben können.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.