Übernahmepoker: Bessere Karten dank weniger Umsatz
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ÜbernahmepokerBessere Karten dank weniger Umsatz

Beim vor der Übernahme stehende Computerbauer Dell schrumpfen die PC-Verkäufe. Dies spielt in die Hände des Firmengründers, der die Firma zurückkaufen und von der Börse nehmen will.

Die schlechten Geschäftszahlen könnten Michael Dell sogar in die Hände spielen.

Die schlechten Geschäftszahlen könnten Michael Dell sogar in die Hände spielen.

Dell kommt auf keinen grünen Zweig. Auch im vierten Geschäftsquartal von Anfang November bis Anfang Februar mit der wichtigen Weihnachtssaison schrumpften die PC-Verkäufe der Nummer drei der Branche.

Dell kam im vierten Quartal auf einen Umsatz von 14,3 Mrd. Dollar (13,2 Mrd. Franken). Das waren 11 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie der Konzern am späten Dienstag am Sitz im texanischen Round Rock mitteilte. Besonders drastisch fielen die Verkäufe von Notebooks (-25 Prozent Umsatz) sowie PCs (-13 Prozent).

Wandel geht zu langsam

In der Folge schrumpfte auch der Gewinn um 31 Prozent auf 530 Mio. Dollar. Der Einbruch kam nicht überraschend: Schon seit geraumer Zeit verliert Dell an Boden und erleidet damit das gleiche Schicksal wie viele andere PC-Hersteller, die den Druck der boomenden Smartphones und Tablet-Computer spüren. Auch die Firmenkunden hatten sich zuletzt als wenig spendabel erwiesen.

Dell hatte versucht, sich mit einem Ausbau des Service- und Software-Geschäfts unabhängiger von den PC-Verkäufen zu machen. Doch der Wandel geschieht nur langsam, wenngleich Dell mehrere Firmen hinzugekauft hatte. So stehen Notebooks und PCs immer noch für knapp die Hälfte des Gesamtumsatzes.

Rückkauf geplant

Firmenchef Michael Dell will deshalb die von ihm 1984 gegründete Firma mit Hilfe von Investoren zurückkaufen und von der Börse nehmen. Ohne Rücksicht auf andere Aktionäre könnte er dann den laufenden Umbau beschleunigen.

Der Deal wäre 24,4 Mrd. Dollar schwer. Allerdings lehnen mehrere Grossaktionäre das Übernahmeangebot als zu niedrig ab und verlangen mehr Geld. Die neuen Geschäftszahlen könnten Michael Dell deshalb sogar in die Hände spielen.

Keine Fragen zur Übernahme

Angesichts der Doppelrolle als Firmenchef und Kaufinteressent fehlte Michael Dell in der Telefonkonferenz mit Analysten nach Vorlage der Zahlen. An seiner Stelle erklärte Finanzchef Brian Gladden, keine Fragen zur Übernahme zu beantworten.

Das Käuferkonsortium hat sich eine Frist bis zum 5. November gesetzt. Bis dahin soll die Übernahme abgeschlossen sein. Michael Dell will bei dem Deal seinen eigenen 14-Prozent-Anteil einbringen; das Geld für den Kauf der restlichen Aktien kommt von Partnern und Grossbanken.

Hauptverbündeter ist dabei der Finanzinvestor Silver Lake. Auch Microsoft beteiligt sich mit einem zwei Milliarden Dollar schweren Kredit.

Verlierer der PC-Flaute

Nach Daten der Marktforschungsfirma Gartner gehört Dell zu den grossen Verlierern der PC-Flaute. Demnach waren die PC-Auslieferungen der Firma im vierten Kalenderquartal um 21 Prozent auf 9,2 Millionen gefallen. Im Branchenschnitt schrumpften die Auslieferungen gleichzeitig um lediglich 5 Prozent.

Längst hat Dell seinen Rang als zweitgrösster Computerhersteller der Welt an den chinesischen Rivalen Lenovo eingebüsst, der entgegen dem allgemeinen Trend bis zuletzt zulegen konnte. Auf Rang eins liegt Hewlett-Packard. Der Marktführer steckt ebenfalls mitten im Umbau. Er legt an diesem Donnerstag seine Geschäftszahlen vor. (sda)

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