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ASTRABessere Schilder gegen Geisterfahrer

Trotz Fortschritten bei Information und Sicherheit: Die Wahrscheinlichkeit, auf Schweizer Autobahnen einem Geisterfahrer zu begegnen, ist immer noch hoch. Das Bundesamt für Strassen verbessert deshalb die Signalisation auf den Autobahnen.

Die Arbeiten seien Ende Jahr beendet, sagte ASTRA-Sprecherin Françoise Tschanz auf Anfrage der SDA. Bei den Ausfahrten zeigen künftig zwei Verkehrsschilder statt nur eines an, dass die Einfahrt verboten ist. Die Pfeile am Boden, welche die Fahrtrichtung anzeigen, werden verdoppelt oder gar verdreifacht.

Die Verkehrsschilder werden zudem vergrössert und deren Beleuchtung verbessert. Betroffen sind je 440 Ein- und Ausfahrten sowie 34 Einfahrten auf Raststätten und 90 Zufahrten zu Rastplätzen. Gemäss ASTRA-Angaben ist das gesamte Nationalstrassennetz von den Arbeiten betroffen.

Empfehlung der bfu

Den Ausschlag für die Neuerungen gab eine Studie der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) von 2006. Unter anderem empfahlen die Autoren den Behörden, die Beschilderung auf Autobahnkreuzungen zu vereinheitlichen. Was jetzt getan wird, genügt der bfu aber nicht.

»Nur jede zweite Falschfahrt ereignet sich an einer Kreuzung», sagt Gianantonio Scaramuzza, der Autor der Studie. In den übrigen Fällen wendeten Autofahrer auf der Autobahn. «Verbotsschilder nützen da nichts mehr.»

Fährt ein Auto in die falsche Richtung, müssen die korrekt fahrenden Automobilisten umgehend informiert werden. In einer zweiten Etappe könnten hier Lösungen auf die Beine gestellt werden, sagte ASTRA-Sprecherin Tschanz.

Zurzeit gibt es im Schweizer Autobahnnetz rund 60 digitale Anzeigetafeln. Sie zeigen Baustellen und Staus an und könnten künftig auch vor Geisterfahrern warnen. Die Untersuchung der bfu zeigte, dass solche Informationen das Unfallrisiko reduzieren.

Noch schneller warnen

Die Zahl der via Radio ausgegebenen Warnungen vor Geisterfahrern ist ungefähr elf Mal höher als jene der Unfälle. Die bfu möchte deshalb, dass die Warnungen künftig noch schneller in den Äther gehen.

Scaramuzza kritisiert, dass es bei Schweizer Radio DRS hin und wieder zu lange dauere, bis Falschfahrer-Meldungen gesendet würden. Georg Auf der Maur, Leiter der DRS-Verkehrsinformation, widerspricht: Die Meldungen müssten sofort nach dem Eingang verbreitet werden.

Beim Westschweizer Radio RSR wird von einer Minute Verzögerung gesprochen. «Das Problem ist die Zeit, die zwischen dem Eingang des Alarms beim Journalisten und dem Vorlesen vergeht», sagt Pierre Luyet von RSR.

Über 80 Geisterfahrten pro Jahr

In der Schweiz bleibt die Zahl der Falschfahrer relativ stabil, und sie bewegt sich laut Scaramuzza auch innerhalb der internationalen Norm. Anhand der der bfu bekannten Radiomeldungen und der Zahl der Unfälle lässt sich grob schätzen, dass es in der Schweiz jährlich zu mehr als 80 Geisterfahrten kommt.

Zwischen 2000 und 2004 registrierten die Polizeien jährlich um die 20 Unfälle im Zusammenhang mit Falschfahrten. Solche Unfälle kosten pro Jahr durchschnittlich drei Personen das Leben; 20 weitere werden verletzt.

Die meisten Falschfahrer wurden in der Region Yverdon VD gezählt. Weitere neuralgische Stellen waren die A9 zwischen Monthey VS und Villeneuve VD sowie die A51 und die A5 im Gebiet Neuenburg/Vue des Alpes.

Eine Rolle scheinen Alter und gefährliche Substanzen zu spielen: Die meisten Geisterfahrer waren entweder über 65 Jahre alt oder hatten Drogen oder Alkohol konsumiert.

(sda)

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