Intimsphäre: Besserer Schutz für digitale Intimsphäre
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IntimsphäreBesserer Schutz für digitale Intimsphäre

Die Intimsphäre auf Webseiten, Handys, E-Mail- oder Facebook-Konten soll strafrechtlich besser geschützt werden. Dies fordert Nationalrätin Barbara Schmid-Federer.

von
Lorenz Hanselmann
Das Eindringen in fremde Konten: Bald kein Kavaliersdelikt mehr? (Bild: colourbox.com)

Das Eindringen in fremde Konten: Bald kein Kavaliersdelikt mehr? (Bild: colourbox.com)

Wenn sich der WG-Kollege heute in das E-Mail-Konto seines Mitbewohners hackt, macht er sich nicht zwingend strafbar. Dasselbe gilt für die Ex-Freundin, die die SMS ihres Verflossenen liest: Sie kann nur dann zur Verantwortung gezogen werden, wenn das Handy mit einem «besonders geschützten» Passwort gesichert wurde. «Ein zu simples Passwort wie ein Name oder eine Zahlenreihe gilt laut Gesetz nicht als besonderer Schutz. Hier klafft eine Lücke», sagt Mark A. Saxer, Geschäftsführer Schweizer Polizei Informatik Kongress.

CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer fordert nun, die Intimsphäre im Netz besser zu schützen: «Es geht nicht um ein Kavaliersdelikt, sondern um digitalen Hausfriedensbruch.» Gerade Jugendliche würden ihre persönlichen Daten oft ungenügend schützen – mit teils gravierenden Folgen: So errieten Kollegen das Passwort einer 14-Jährigen und drangen in deren Netzwerk-Profil ein. Sie ersetzten ihr Foto durch das Gesicht einer Pornodarstellerin und schrieben unter Hobbys: «Ich bin sexgeil.» Das Mädchen wurde in der Schule gemobbt und musste schliesslich ihr Dorf verlassen. Doch die Hacker gehen straffrei aus. Für Schmid-Federer ein haarsträubender Missstand: «Wenn jemand in mein Haus einbricht, wird er ja auch bestraft, ich muss nicht angeben, ob ich fünf Schlösser an die Tür eingebaut habe oder nicht.» Sie reicht deshalb diese Woche einen Vorstoss zum Thema ein – mit dem Ziel, Hacker konsequent mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestrafen zu können.

«Der Ruf nach Regeln im virtuellen Zusammenleben wird lauter»

Herr Doelker*, muss man die Intimsphäre im Internet besser schützen?

Persönlich bin ich dafür. Das Problem ist, dass es im Internet kaum eine Privatsphäre gibt. Und bei Jungen geht der Trend dahin, dass sie gar keine Privacy mehr wollen. Die Frage ist nun, ob man sie vor sich selbst schützen soll.

Wo sind die grössten Lücken im Internet?

Ehrverletzende Beiträge oder üble Nachrede im Internet können heute nur begrenzt verfolgt werden. Ebenso das Urheberrecht: Wenn ich heute auf Facebook etwas verschicke, gehe ich das Risiko ein, dass es irgendwann auf Blogs oder in Medien erscheint. Das ist nicht tolerierbar und muss sanktioniert werden können.

Also kommt bald die grosse Regulierungswelle?

Ein immer grösserer Teil unseres Zusammenlebens findet im Internet statt. Deshalb wird der Ruf nach Regeln lauter. Die grosse Herausforderung dabei ist es, den heiklen Spagat zwischen Freiheit und Sicherheit zu schaffen. (hal)

*Christian Doelker ist emeritierter Professor am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich.

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