Pokémon-Rache in Basel: «Besseres Stadtmarketing gibt es nicht»

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Pokémon-Rache in Basel«Besseres Stadtmarketing gibt es nicht»

Das virale Video «Pokémon Go The Revenge» erobert die Welt. Gar Harald Schmidt schwärmt vom innovativen Werk. 20 Minuten sprach mit den Machern der Basler Sensation.

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Am Mittwoch wurde die Welt Zeuge, was geschieht, wenn aus den Jägern die Gejagten werden. Denn statt Pokémon zu fangen, wurden Basler Pokémon-Go-Spieler plötzlich selbst von Pikachus mit Pokébällen bombardiert. Das Video, in dem die skurrilen Racheaktionen der vier Elektromäuse zu sehen sind, hat eingeschlagen wie eine Bombe und verbreitete sich innert kürzester Zeit auf der ganzen Welt. Bis am Donnerstagnachmittag wurde es allein auf Facebook 34 Millionen Mal angeschaut.

Mit einem so durchschlagenden Erfolg haben selbst die Macher, die Basler Agentur Fadeout, nicht gerechnet. Nun werden sie mit internationalen Medienanfragen zugedeckt. Die Macher hatten die Kampagne innert fünf Tagen in Zusammenarbeit mit Basel Tourismus aus dem Boden gestampft, so Geschäftsführer Alexander Meyer. «Im Moment greift das Pokémon-Fieber überall um sich. Daher haben wir versucht, eine Idee zu kreieren, die sich von der Masse abhebt», sagt er. Das Internet sei bereits voll mit Videos, auf denen die Menschen die Jäger sind. «Wir wollten den Spiess umdrehen.»

Weltberühmt über Nacht

Ob Pokémon-Fan oder nicht, inzwischen wird jeder, der vom Internet gehört hat, das Video der Basler gesehen haben. «Es ist eine Freude für das ganze Team und auch dem Kunden gegenüber», hält Meyer fest. Denn die Schwierigkeit bei einer viralen Kampagne sei nicht nur, dass das Video um die Welt geht, sondern dass man auch versteht, was der Inhalt ist: nämlich die Stadt Basel. Über diese wird nun weltweit berichtet. «Sogar Harald Schmidt schreibt, besseres Stadtmarketing gebe es nicht.» (Anm. der Redaktion: Dabei handelt es sich um einen Fake-Account)

Die vier Schauspieler, deren schadenfrohe Gesichter um die Welt gehen, mussten vom einen Tag auf den anderen rekrutiert werden. «Wir haben bei Familien, Freunden und Arbeitskollegen nachgefragt, wer überhaupt da ist. Am Ende konnten wir aber geeignete Kandidaten auftreiben», erzählt Meyer.

Im Grossformat auf dem Videoportal

Im Grossformat auf dem Videoportal

Alles ganz legal

Die Opfer der Pikachus waren natürlich eingeweiht, auch wenn es nicht immer so aussieht. Besondere Bewilligungen brauchte es für die Aktion also nicht. «Nur eine Fahrbewilligung für die Innerstadt mussten wir einholen, aber das war kein Problem», sagt Meyer. Heikel sei lediglich der Einsatz der Drohne gewesen, aber da wüssten sie genau, was sie dürfen und was nicht. Urheber- und Persönlichkeitsrechte seien vorgängig geklärt worden.

Das Team von Fadeout ist mit seiner Spezialisierung für digitale Kommunikation ganz in seinem Element. «Wir wissen, wie diese Medien funktionieren und welche Knöpfe wir drücken müssen», erklärt Meyer zufrieden. Es gehe nicht nur darum, ein Video zu drehen, sondern auch richtig mit den Daten umzugehen.

Tempo entscheidend

Basel-Tourismus-Direktor Daniel Egloff ist «total überwältigt». Bei viralen Kampagnen könne man den Erfolg nicht im Voraus abschätzen. «Mit einer globalen Verbreitung haben wir nicht gerechnet, aber während wir hier sprechen, steigen die Zahlen. Wir haben 30'000 mehr Likes auf Facebook, seit das Video online ist.»

Dabei musste bei der Produktion aufs Gas gedrückt werden: «Es musste schnell gehen. Ein Hype kann schnell vorbei sein», so Egloff. Dabei habe man auch eine gute Balance zwischen Originalität und der Präsentation der Stadt finde müssen. «Die Statisten hatten Spass und das sieht man. Alles in allem ist es ein guter Mix.»

Die Rache der Pokémon erobert die Welt

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