Aktualisiert 10.07.2015 08:31

«UnReal»

Beste Unterhaltung für die «Bachelor»-Hasser

«UnReal» schaut hinter die Kulissen von TV-Shows. Und rechnet mit der seelenlosen Instant-Romantik gnadenlos ab. Eine wahre Freude für alle Reality-Verächter.

von
scy

Der Trailer zur ersten Staffel von «UnReal». (Quelle: YouTube/<a href="https://www.youtube.com/watch?v=n3IjmQiB8wc" target="_blank">Mr2011Tv</a>)

Eine Kandidatin, die sich unfreiwillig outen muss. Eine Frau mit einer bipolaren Störung, deren Medikamente heimlich gegen Placebos ausgetauscht werden. Eine weitere, die nicht ahnt, dass ihr Vater schwer krank ist, weil die TV-Produzenten es ihr nicht mitteilen wollen, damit sie bleibt.

Die fiktive Kuppel-Sendung «Everlasting», um die es in «UnReal» geht, beinhaltet alle Elemente, die ein Reality-Format spannend machen. Respektive spannend machen würden. Denn «Everlasting» ist selber eine Fiktion. Eine indes, die aufzeigen will, mit welch harten, vor allem aber unlauteren Mitteln hinter den Kulissen solcher Shows gearbeitet wird.

Hauptsache gute Quoten

Auch wenn es die Erfinderin Sarah Gertrude Shapiro (37) nicht offen zugeben mag: «UnReal» nimmt sich den «Bachelor» und die «Bachelorette» zur Brust. Schonungslos geht die Sendung mit Instant-Liebe, Pseudo-Romantik und lächerlichen, vorgeschriebenen Dialogen ins Gericht.

Im Zentrum der Geschichte steht Rachel Goldberg (Shiri Appleby), die verantwortliche «Everlasting»-Produzentin. Sie arbeitet für die Show, bei der ein gut aussehender Jüngling mit mehreren jungen Frauen zusammenwohnt. Wenn sich im Haus jemand als niederträchtige, hinterhältige Intrigantin entpuppt, erhält sie von ihrem Chef einen Bonus.

Die Alibi-Schwarze, die Manisch-Depressive, das dumme Blondchen – die Macher von «Everlasting» lassen kein Klischee aus, um ihre Aufzeichnungen möglichst spannend zu machen. Und vor allem: um gute Quoten zu erzielen.

«Ein Schachspiel, das man nicht gewinnen kann»

Shapiro, die selber für neun amerikanische «Bachelor»-Folgen verantwortlich war, sagt in einem Interview mit der renommierten «Los Angeles Times» über Reality-Formate: «Es ist ein Schachspiel, das man nicht gewinnen kann.» All jene, die schon immer zu wissen glaubten, wie es hinter den Kulissen solcher Shows zu- und hergeht, sollten «UnReal» unbedingt anschauen. In den USA, und leider nur dort, läuft demnächst bei Lifetime die zweite Staffel an.

Von der Erfolgsserie lässt sich denn tatsächlich etwas lernen. Etwa, dass es für Kandidaten «ziemlich hart ist, die Kontrolle zu behalten», und sie «nicht wirklich wissen, was sie unterzeichnen», wie Shapiro es formuliert. «UnReal» ist zwar nur inszeniert – und wohl dennoch realer als jede «Bachelor»-Sendung.

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