Mehrfache Drohung: «Bestell dir schon einmal einen Sarg!»
Aktualisiert

Mehrfache Drohung«Bestell dir schon einmal einen Sarg!»

Wer seine Ehefrau mit dem Tode bedroht, macht sich strafbar. Dies musste auch ein Adliswiler Elektriker erfahren. Ihm sind während eines Ehekrachs die Sicherungen durchgebrannt.

von
Attila Szenogrady

Laut Statistiken wird heute in der Schweiz jede zweite Ehe geschieden. Meistens schon nach kurzer Zeit. Dies zeigt auch ein Fall von Adliswil auf. Eine heute 27-jährige Schweizer Kundenberaterin hatte erst vor wenigen Jahren einen 1977 geborenen Kroaten geheiratet. Als bald eine Tochter auf die Welt kam, schien das Glück perfekt.

Doch dann zogen schon die ersten Wolken auf. Die patriarchalische Mentalität des vom Balkan stammenden Mannes passte offenbar nicht zur emanzipierten Lebenseinstellung der Horgnerin. So konnte er zum Beispiel nicht akzeptieren, dass seine Gattin auch einmal alleine in den Ausgang gehen wollte.

Scheidungsabsicht mit Todesdrohungen beantwortet

Als die Frau am 18. Februar 2008 die Polizei einschaltete und ihren Mann verhaften liess, war es mit der ehelichen Gemeinschaft endgültig zu Ende. Die Geschädigte gab zu Protokoll, dass sie von ihrem Lebenspartner mit dem Tode bedroht worden sei.

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis fasste die Ereignisse später zusammen. Demnach hatte die Frau bereits die Nacht auf den 9. Februar auswärts verbracht und war morgens betrunken nach Hause gekommen. Was zu einem heftigen Streit führte. Wobei der Angeklagte erstmals erwähnte, dass er sie umbringen werde. Am besten würde sie sich aber selber unter den Zug werfen, lautete seine nicht alltägliche Empfehlung.

«Bestelle dir einen Sarg»

Als die Geschädigte am 18. Februar erklärte, dass sie sich nun scheiden lassen wolle, reagierte der Elektriker erneut ungehalten. Wütend erklärte er, dass sie sich jetzt schon einen Sarg bestellen sollte. Zudem könnten sich ihre Verwandten überlegen, wo sie begraben würde. Was die Schweizerin laut Anklage in Angst und Schrecken versetzte.

Verteidigung für Freispruch

Sowohl am Bezirksgericht Horgen vor über einem Jahr, als auch kürzlich vor dem Zürcher Obergericht, forderte die Verteidigerin des heute von seiner Frau getrennt lebenden Mannes einen vollen Freispruch. Die Anwältin sprach nicht nur von einer schlechten Beweislage, sondern auch davon, dass die Frau und ihr Mandant noch nach der Strafanzeige miteinander intim verkehrt hätten. Zudem habe das angebliche Opfer seinem vermeintlichen Peiniger innerhalb von zwei Monaten 216 SMS-Nachrichten zugestellt.

Horgner Schuldspruch bestätigt

Anders sah es das Zürcher Obergericht, das nicht nur den Horgner Schuldspruch wegen mehrfacher Drohung, sondern auch eine bedingte Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu 70 Franken umfassend bestätigte. Die Begründung dafür war einfach: So stuften beide Instanzen die Darstellungen der Geschädigten als sehr glaubhaft ein. Vor allem die übereinstimmenden Aussagen im Kerngeschehen. Bei den eingereichten SMS-Botschaften der Frau wiesen die Richter darauf hin, dass es sich vorwiegend um Kinderbelange und Diskussionen um die Finanzen gehandelt habe.

Die finanziellen Folgen für den unterlegenen Ehemann sind nun ärgerlich. So soll er seiner Noch-Ehefrau nicht nur ein Schmerzensgeld von 800 Franken entrichten, sondern auch sämtliche, bisher aufgelaufenen Gerichtskosten von rund 5000 Franken bezahlen.

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