Aktualisiert 11.06.2015 11:16

Schüpfen

Besten Freund totgefahren – 14 Monate bedingt

Das Ende einer tragischen Geschichte: Im September 2013 überfuhr S.H. seinen besten Freund, am Donnerstag hat ihn das Gericht wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.

von
Nora Camenisch
S.H. überfuhr seinen Mitbewohner. Am Donnerstag wurde er deshalb vom Gericht wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.

S.H. überfuhr seinen Mitbewohner. Am Donnerstag wurde er deshalb vom Gericht wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.

S.H.* betritt am Donnerstagmorgen den Gerichtssaal am Regionalgericht Biel Jura-Seeland in Jeans, T-Shirt und Turnschuhen. Es ist sein 25. Geburtstag. Und der Tag, an dem ihm das Urteil verkündet wird dafür, dass er am 21. September 2013 unabsichtlich seinen besten Freund und Mitbewohner M.S.* überfahren hat.

Eigentlich hätten S.H., M.S. und ein weiterer junger Mann an diesem Abend ihre Ferien einläuten wollen. In einer Bar tranken sie zusammen. Daraufhin verliess das 24-jährige Opfer das Lokal zu Fuss. Irgendwann später machten sich auch S.H. und der dritte Mitbewohner mit ihren Motorrädern auf den Heimweg.

KTM im Schuppen versteckt

S.H. ist alkoholisiert, als er mit unangepasster Geschwindigkeit über die Bundkofenstrasse fährt. Dort, kurz vor ihrer Wohnung, liegt M.S. am Boden. S.H. kann nicht mehr rechtzeitig bremsen und überfährt seinen besten Freund – danach steigt er wieder auf seinen Töff. Laut Staatsanwältin Silvia Hänzi kehren die beiden Mitbewohner daraufhin nochmals zu Fuss zum Tatort zurück. S.H. sieht seinen besten Freund schwer verletzt am Boden liegen. Danach versteckt er seine KTM im Schuppen der Eltern, geht nach Hause und schläft. Dort findet ihn die Polizei später.

«Das Geschehen ist zweifellos von grosser Tragik, es ist ein Alptraum, feststellen zu müssen, dass man seinen besten Freund überfahren hat», sagte Staatsanwältin Hänzi am Donnerstagmorgen vor Gericht. Dabei habe der Beschuldigte nach der Tat klar falsche Entscheidungen getroffen. «Er wird für den Rest des Lebens mit den Ereignissen leben müssen.»

Bedingte Strafe

Unbestritten ist, dass es sich beim Geschehen um einen Unfall handelt. «Er wollte nicht töten. M.S. war sein bester Freund. S.H. fuhr einfach mit überhöhter Geschwindigkeit und konnte nicht bremsen», sagte Gerichtspräsidentin Sonja Koch. Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht waren sich deshalb über die Strafe einig. Das Gericht verurteilte den 25-Jährigen zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Zudem wird er die Verfahrenskosten von rund 30'000 Franken und eine Busse von 300 Franken bezahlen müssen, weil er keinen Helm trug, das Lernfahrschild nicht am Töff angebracht und keine Plombierung an seinem Motorrad hatte.

Seine KTM bekommt er zurück. «Ich werde die Töffprüfung machen und das Motorrad verkaufen», sagte S.H. «Ich bin froh, dass das lange Verfahren nun endlich zu einem Schluss kommt. Ich werde mich weiter mit den Konsequenzen auseinandersetzen.»

*Namen der Redaktion bekannt

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